Es gibt mehrere Kriterien, die zeigen, dass die Berliner Handball-Füchse ein Spitzenteam sind. Da wäre zum einen der Tabellenplatz, aber auch der Umstand, dass sich die Kabine merklich leert, wenn die Verbände aus ganz Europa ihre Spieler in die jeweiligen Nationalmannschaften berufen.
Derzeit fehlen mit den Schweden Jesper Nielsen, Mattias Zachrisson und Fredrik Petersen, den Tschechen Petr Stochl und Pavel Horak sowie Bartlomiej Jaszka (Polen) und Konstantin Igropulo (Russland) gleich sieben Akteure beim täglichen Training, weil sie für ihre Heimatländer bei der EM in Dänemark spielen. Zuvor waren auch noch Silvio Heinevetter und Fabian Wiede mit der deutschen Nationalmannschaft, die sich nicht für das Turnier qualifizieren konnte, zu Länderspielen in Tunesien.
Niemand würde es Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson verdenken, wenn er sich insgeheim wünschen würde, dass die Teams, in denen Spieler seiner Mannschaft aktiv sind, schnellstmöglich, also nach der Gruppenphase, aus dem Turnier ausscheiden und wieder zu ihrem Arbeitgeber zurückkehren. „Nein, dass wünsche ich mir nicht“, versichert der Coach aus dem handball-verrückten Island. „Sie sind Sportler und sie wollen Erfolg haben. Wichtig ist nur, dass sie alle einigermaßen fit zurückkommen.“
Die EM ist für den Trainer Nebensache
Sicherlich seien dieses Jahr viele Spieler weg, so Sigurdsson, aber die tägliche Arbeit wäre auch ohne die Sieben dem normalen Training „mit Spielern aus der zweiten Mannschaft und der A-Jugend zu 90 Prozent ähnlich“. Die Europameisterschaft in Dänemark verfolge er „nur am Rande, wie jeder andere Fan auch“, erzählt der Füchse-Trainer. „Eine Expertenanalyse“ habe er nicht, glaube aber, dass „fünf, sechs Mannschaften das Turnier gewinnen könnten“.
„Seine“ Isländer gehörten „vom Papier" her nicht zu den Titelkandidaten, aber sie hätten ihn schon „überrascht, sind manchmal ein wenig verrückt, haben ein großes Herz und glauben immer daran, jeden schlagen zu können".
Vielleicht wird er seine Landsleute noch live spielen sehen, denn Sigurdsson plant rund um die Halbfinals einen Besuch der EM. Es wird in jedem Fall aber nur eine kurze Abwechslung zur Arbeit bei den Füchsen sein. „Wir haben so gut wie jede Angriffs- und Verteidigungs-Aktion angeguckt und wollen Kleinigkeiten verbessern“, erzählt der Coach. „Generell bin ich mit unserer Position und der Art und Weise, wie wir vor der Pause gespielt haben, zufrieden. Für strukturelle Veränderungen ist ohnehin keine Zeit. Wenn alle wieder da sind, haben wir zwei, drei Tage und danach zwei Monate lang englische Wochen.“
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