Natürlich durfte Pavel Horak bei der Präsentation der guten Nachricht nicht fehlen. Der tschechische Handballprofi der Füchse Berlin kann schließlich am besten die Neuigkeit einordnen, die Geschäftsführer Bob Hanning zu verkünden hatte.
Die Füchse werden wie von ihnen erhofft das Final Four im EHF-Pokal am 17. und 18. Mai 2014 ausrichten. Mit dem Einzug in die Gruppenphase durch zwei Siege gegen den weißrussischen Vizemeister HC Brest war das letzte Hindernis beseitigt, am Montagmorgen bekam Hanning die definitive Zusage vom europäischen Dachverband.
Und Horak hat diesen Wettbewerb, damals noch im Trikot von Frisch Auf Göppingen, 2011 und 2012 gewonnen. „Es wäre schön, hier in Berlin den Pokal zu holen“, sagt er, warnt aber zugleich: „Uns erwartet ein hartes Stück Arbeit.“
Mögliche Gegner sind keine Laufkundschaft
Vor allem müssen die Füchse zunächst einmal das Final Four erreichen. Am Donnerstagmittag werden in Wien die vier Vierergruppen ausgelost, und die möglichen Gegner dort sind keine Laufkundschaft.
Haben die Füchse Pech, könnten sie beispielsweise auf Ademar Leon aus Spanien, Chambery Savoie aus Frankreich und Portugals Cupsieger Sporting Lissabon treffen. Nur wenn sie Erster oder Zweiter werden, bleiben sie im Rennen; direkt für das Endturnier in Berlin sind sie qualifiziert, wenn sie als Erster oder einer der drei besten Gruppenzweiten ins Ziel kommen.
Komplizierte Zahlenakrobatik, auf die Hanning sich am liebsten gar nicht erst einlassen möchte. „Ich erwarte von der Mannschaft acht Siege“, sagt der Manager launig und rechnete dabei fröhlich Halbfinale und Endspiel gleich mit. „Wir wollen schließlich Geschichte schreiben.“ Sprich: den ersten großen Titel in der Vereinshistorie gewinnen.
Doch auch Hanning ist sich der Schwere der Aufgabe bewusst. „Das wird kein Selbstläufer, aber es muss funktionieren, dass wir das Final Four erreichen. Denn wir fahren ein hohes finanzielles Risiko.“ Auf mindestens 500.000 Euro veranschlagt er die Kosten, die auf den Verein zukommen. Und die Vorstellung, dass die Füchse beim großen Finale nur Ausrichter und ansonsten Zuschauer sind, vertreibt seine Fröhlichkeit schnell. Dann droht ein Zuschussgeschäft.
Am liebsten in der Schmeling-Halle
Aber ist das nicht zu pessimistisch gedacht? Schließlich ist der EHF-Pokal so etwas wie eine deutsche Domäne. Titelverteidiger sind die Rhein-Neckar Löwen, die in dieser Saison in der Champions League am Start sind. Der letzte nicht-deutsche Klub, der die Trophäe gewann, war 2003 der FC Barcelona. Aber Rückraumspieler Pavel Horak zeichnet ein verändertes Bild des zweithöchsten europäischen Wettbewerbs, der durch die Auflösung des Europapokals der Pokalsieger vor zwei Jahren einen ganz neuen Stellenwert erhalten hat.
„Als wir mit Göppingen zweimal gewonnen haben, gab es noch keine Gruppenspiele und kein Final Four. Da mussten wir teilweise gegen Teams antreten, die eher deutsches Zweitliganiveau hatten“, sagt der 31-Jährige, „jetzt treffen wir dort auf viele Mannschaften, die auch schon in der Champions League dabei waren.“ Wie die Füchse. Oder die Kadetten Schaffhausen, die aber sogar die Gruppenphase verpassten, weil sie am zweiten deutschen Vertreter TSV Hannover-Burgdorf scheiterten. Die Qualität der Mannschaften ist geradezu sprunghaft gestiegen. In der vergangenen Saison, berichtet Horak, sei er mit Göppingen „nur mit viel Glück“ in die Vierer-Endrunde in Nantes vorgestoßen, dort aber gegen die Rhein-Neckar Löwen ausgeschieden: „Da waren wir völlig chancenlos.“
Ein wenig Losglück in Wien würde sicher helfen, die leise Skepsis zu vertreiben. Ihr erstes Spiel bestreiten die Füchse am 8. oder 9. Februar in der Schmeling-Halle. Ob der „Fuchsbau“ auch Schauplatz des Final Four wird, ist noch nicht entschieden, wenngleich Hanning erklärt: „Dort liegt unsere Präferenz.“ Als Alternative gäbe es die O2 World. Viele andere Dinge werden ebenfalls jetzt erst in Angriff genommen, wo Berlin von der EHF den Zuschlag vor den letzten verbliebenen Konkurrenten Luxemburg und Montpellier erhalten hat: Wo gibt es Tickets und wie viele? Wird es eine TV-Übertragung geben?
Fest steht für Hanning hingegen: „Wir brauchen die Hilfe der Stadt. Wir brauchen alle unsere Partner an Bord. Und wir brauchen eine ausverkaufte Halle.“ Schließlich handelt es sich nicht um irgendeine Veranstaltung, sondern um den bisherigen Höhepunkt in der jüngeren Füchse-Geschichte. „Vor neun Jahren haben wir hier neu begonnen“, erinnert sich der Geschäftsführer. Seitdem wurde der Sprung von der zweiten in die Bundesliga und sogar zweimal die Teilnahme an der Champions League geschafft. „Die Stadt und die Füchse haben dieses Turnier verdient“, sagt er.
Und Hanning wäre nicht Hanning, wenn er nicht gleich eine Idee hätte, wie man am leichtesten die Kosten reduzieren könnte. Der Ausrichter muss nämlich auch die 200.000 Euro an Preisgeldern erwirtschaften. „Am besten gewinnen wir. Dann haben wir schon 100.000 Euro gespart.“ Horak nimmt den Vorschlag lächelnd zur Kenntnis.




