Handball

Füchse starten das Unternehmen Titelgewinn in Europa

Mit dem Spiel am Mittwoch gegen Meshkov Brest beginnt für die Füchse Berlin nicht nur die Saison im EHF-Pokal. Es soll auch der erste Schritt sein zum ersten Titelgewinn des Handball-Bundesligisten.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Am Anfang stand die Rede des Chefs. Also sprach Bob Hanning zur Mannschaft der Füchse Berlin über die Wichtigkeit dessen, was bevorsteht. „So etwas mache ich sonst nie“, sagt der Geschäftsführer des Handballteams. Aber es steht eben etwas ganz Besonderes an: Wenn die Berliner heute Abend (19 Uhr, Max-Schmeling-Halle) das Hinspiel in der 3. Runde des europäischen EHF-Pokals gegen Meshkov Brest aus Weißrussland bestreiten, ist dies ihre erste Etappe auf einem langen Weg, der die Füchse zum ersten Titel in der Vereinsgeschichte führen soll.

Imagegewinn wäre riesig

So unverhohlen sagt das zwar niemand. Aber wie lässt es sich anders deuten, dass Hanning unbedingt die Vierer-Endrunde des unterhalb der Champions League angesiedelten Wettbewerbs nach Berlin holen will? Dieses Endturnier, für das sich die Füchse schon vor Wochen beworben haben, wird am 17. und 18. Mai 2014 ausgetragen. „Dafür wäre ich bereit, ein finanzielles Risiko einzugehen“, sagt der sonst so vorsichtig kalkulierende Hanning. Denn in eigener Halle „sind wir sehr schwer zu schlagen“. Sieg auf europäischer Ebene: Auch der Imagegewinn für den Klub wäre immens.

Es scheint sich für die Füchse eine große Chance aufzutun, dem Briefkopf einen Erfolg im EHF-Cup hinzuzufügen. Aber das Unternehmen ist schwierig: Zuerst muss die Gruppenphase (vier Staffeln mit je vier Teams) erreicht werden. Dazu muss sich das Team von Trainer Dagur Sigurdsson nun gegen die Weißrussen nach K.-o.-Modus in Hin- und Rückspiel durchsetzen. Erst in eigener Halle, dann am 30. November beim Klub aus der 300.000-Einwohner-Stadt an der polnisch-weißrussischen Grenze. „Diese beiden Spiele“, sagt Hanning, „sind für uns die Eintrittskarte für Europa.“

Füchse wollen die Finalrunde nach Berlin holen

Aus der Gruppenphase erreichen die vier Ersten und die drei besten Zweitplatzierten das Viertelfinale. Aus diesem Septett wird der Gastgeber fürs Final Four im Mai 2014 ausgewählt. Dieses Team überspringt dann gleich das Viertelfinale. Der EHF-Pokal hat sich in den vergangenen Jahren zu einer deutschen Domäne entwickelt: Gummersbach (2010), Göppingen (2011, 2012) und Rhein-Neckar Löwen (2013) hießen zuletzt die Sieger. Und 2014? Hanning sieht auch den finanziellen Aspekt des Abenteuers in Europa: „Allein in der Zwischenrunde lassen sich 150.000 Euro verdienen.“ Diese Summe sei jedenfalls im Saisonetat fest eingeplant.

Planung ist das eine, entscheidend ist auf dem Parkett. „Wir sind hungrig drauf“, sagt Konstantin Igropulo, „schließlich mussten wir lange warten, bis es jetzt in Europa losgeht.“ Drei Monate ist es her, dass die Berliner knapp die Qualifikation zur Champions League verpasst haben. Dem 30:30 in eigener Halle folgte ein 26:27 beim Champions-League-Sieger HSV Handball. Nach zwei Jahren, in denen die Berliner in der Königsklasse vertreten waren, spielen die Füchse nun „nur“ im EHF-Pokal.

Viel Respekt vor den Gästen aus Weißrussland

„Das ist eine starke Mannschaft“, sagt Sigurdsson mit Blick auf Brest. Zehn ausländische Profis, dazu ein paar sehr gute einheimische Spieler – es besteht für die Füchse keinerlei Grund, die Weißrussen zu unterschätzen. Das dürfte auch Ivan Nincevic dem Füchse-Trainer in einem Telefonat geraten haben. Der Linksaußen, der bis zum Sommer bei den Füchsen unter Vertrag stand, spielt jetzt beim Champions-League-Teilnehmer Dinamo Minsk, der Nummer eins im Land vor Brest. Sigurdsson bekam also Informationen aus erster Hand über die Mannschaft, die sehr groß gewachsen ist. Fünf Spieler messen zwei Meter und mehr.

Bei den Füchsen kann da nur Kreisläufer Jesper Nielsen (2,00 Meter) mithalten, doch der schwedische Nationalspieler dürfte nach seinem Nasenbeinbruch wohl noch nicht einsatzfähig sein. Überhaupt haben die Füchse Verletzungssorgen. Neben Nielsen konnten zuletzt auch Pavel Horak (Muskelverspannung im Nacken) und Sven-Sören Christophersen nicht trainieren, der sich beim Sieg in Lübbecke am vergangenen Sonnabend am rechten Sprunggelenk verletzte. „Das ist schon schwierig mit den Verletzten“, gibt Sigurdsson zu. „Die Frage ist: Wie lösen wir das?“ Da ist nicht nur der Isländer gefragt.

Bis Dienstag waren erst 2000 Eintrittskarten verkauft

Sigurdsson setzt auch auf den Heimvorteil. „Wir brauchen unbedingt die Zuschauer.“ Allerdings hielt sich die Zahl der Interessierten bisher in Grenzen. Bis Dienstag waren lediglich 2000 Tickets abgesetzt. Dabei ist es besonders wichtig, sich im Hinspiel ein gutes Polster zu verschaffen. „Wir wollen natürlich so hoch wie möglich gewinnen“, sagt Füchse-Linksaußen Fredrik Petersen. „Jeder weiß“, ergänzt Sigurdsson, „dass er keine Minute nachlassen darf.“ Sonst würden die Füchse gleich beim ersten Schritt in Richtung Titelgewinn stolpern.

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