Bob Hanning waren Stolz und Freude sogar von Weitem anzusehen. Der Geschäftsführer der Füchse Berlin saß entspannt auf seinem Stuhl am Spielfeldrand und strahlte. „Ich hatte ein Dauergrinsen“, gab er zu. Denn auf dem Feld standen über lange Phasen vier von seinen Jungs. Spieler, die er in Jugendmannschaften trainiert hat und teils sogar noch trainiert. Manchmal ähnelte das Handball-Bundesligaspiel zwischen den Füchsen und Aufsteiger TV Emsdetten am Sonnabend einem Programm, das man „Jugend forscht“ oder auch „Jugend forsch“ nennen könnte. Am Ende stand ein 34:19 (14:6) der Berliner, die sich damit zumindest bis zum Sonntagnachmittag auf Tabellenrang zwei vorschoben.
Schnell klare Verhältnisse
Vor der Partie war die Frage aufgekommen, ob die Füchse gegen den Tabellenletzten wohl mit der notwendigen Ernsthaftigkeit zu Werke gehen würden. Die Antwort war schnell gegeben: Im Tor mit einem hervorragend reagierenden Torwart Silvio Heinevetter (nur bei Tempogegenstößen waren seine Pässe anfangs einige Male suboptimal) sorgten die Berliner gleich für klare Verhältnisse. Nach neun Minuten stand es 6:1. Für Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson („Das war heute eine Konzentrationssache, daher bin sich sehr zufrieden“) das Zeichen, jetzt jungen Spielern Einsatzzeiten zu geben: Neben Jonas Thümmler, 20, und Colja Löffler, 24, die schon begonnen hatten, kamen noch Paul Drux, 18, und Fabian Wiede, 19, hinzu.
Hanning hat das Wort „Berlinisierung“ geprägt, soll heißen: Die Philosophie der Füchse besteht in engagierter Nachwuchsarbeit, danach werden die besten Kräfte in den Profikader integriert. Das Quartett steht dafür, wobei Löffler inzwischen ein gestandener Bundesligaspieler ist. Drux, der wie Wiede und Thümmler die 13. Klasse des Gymnasiums besucht, kam dagegen in dieser Saison zu seinem ersten Bundesliga-Einsatz.
Drux, Löffler und Wiede je fünfmal erfolgreich, Thümmler viermal
Sicher klappte nicht alles, aber das Schlusslicht aus der 35.000-Einwohner-Stadt Emsdetten war keine Gefahr. Die 8395 Zuschauer in der Schmeling-Halle fühlten sich bestens unterhalten. Auch von Heinevetter, der allein vier Siebenmeter hielt. Beim 18:8 (34. Minute) war der Vorsprung erstmals zweistellig. Sigurdsson konnte den Etablierten Pausen gönnen: Fredrik Petersen, in den vergangenen Wochen der zuverlässigste Füchse-Schütze, brauchte gar nicht einzugreifen. Alle freuten sich über den stimmungsvollen Abend, an dem Drux, Löffler und Wiede mit fünf Toren sogar beste Werfer der Berliner waren, Thümmler war viermal erfolgreich. Dem Trainer von Emsdetten, Gennadij Chalepo, blieb nur die Erkenntnis: „Wir müssen noch viel lernen.“ Das müssen die Talente der Füchse auch, aber sie sind auf einem sehr guten Weg.





