Bundesliga

Handball-Chef schießt gegen Querdenker Heinevetter

Der Streit zwischen dem Füchse-Torhüter und der Bundesliga hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Kurz vor der Eskalation bricht HBL-Boss Bohmann sein Schweigen und spricht ein Machtwort

Foto: Axel Heimken / picture alliance / dpa

Keine Gnade für den Handball-Rebellen: Nach seiner öffentlichen Schiedsrichter-Schelte bleiben die Fronten zwischen Füchse-Torhüter Silvio Heinevetter und der Handball-Bundesliga (HBL) verhärtet. Liga-Boss Frank Bohmann denkt nicht daran, die Strafe gegen den Nationaltorhüter zurückzunehmen, obwohl dieser zuletzt sogar Rückendeckung von Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar erhalten hatte.

„Wir verbieten keine Kritik am Schiedsrichter. Aber sobald Manipulation unterstellt wird, und das ist bei der Formulierung ‚verarscht‘ ganz klar der Fall, wird ein Spieler sanktioniert. Da stehen wir inhaltlich voll dahinter“, sagte Bohmann: „Egal ob ein Spieler Karl Müller oder Silvio Heinevetter heißt – wir würden wieder so entscheiden.“

Auch Schiedsrichter-Chef Peter Rauchfuß geißelte das Verhalten Heinevetters und rief zu mehr Zurückhaltung in der öffentlichen Beurteilung der Unparteiischen auf. „Ich stelle eine große Dünnhäutigkeit und große Unbeherrschtheit aller Beteiligten in der Liga fest“, sagte der Schiedsrichterwart des Deutschen Handballbundes (DHB) der „Handballwoche“, „viele lenken mit ihrer Kritik an den Schiedsrichtern aber nur von ihren eigenen Problemen ab.“

Unterstützung von Legende Kretzschmar

Heinevetter hatte nach der Partie seiner Füchse Berlin gegen die Rhein-Neckar Löwen (21:21) in der Vorwoche öffentlich erklärt, seine Mannschaft sei „verarscht“ worden. Der Ligaverband wertete dies als Angriff auf das Magdeburger Schiedsrichter-Duo Robert Schulze/Tobias Tönnies und verurteilte den 28-Jährigen aufgrund einer „verbalen Entgleisung“ zu einer Geldstrafe von 1000 Euro. Heinevetter kündigte daraufhin seinen Einspruch an und ging in die verbale Gegenoffensive, in dem er seinerseits die HBL kritisierte.

Unterstützung erhielt Heinevetter nach seinem Querschuss von TV-Experte Stefan Kretzschmar. „Das war keine übertriebene Beleidigung von Heinevetter, sondern seine Einschätzung zu einem Pfiff, zu einer Entscheidung, bei der er sehr emotional war. Er fühlte sich einfach nur ‚verarscht’“, sagte Kretzschmar bei Sport1.

Liga: Schiedsrichter haben keinen Maulkorb

Bohmann zeigt sich von dieser Kritik unbeeindruckt. „Die Regeln haben sich die Klubs selber gegeben mit einem eindeutigen Hintergrund: Noch vor zwei Jahren wurden Schiedsrichter nach Spielen regelmäßig beleidigt und der Manipulation bezichtigt. Daraufhin haben die Klubs einstimmig für diese Regel gestimmt, die wir nun umsetzen.“

Die Forderung Heinevetters, die Schiedsrichter nach Spielen „wie beim Fußball“ öffentlich sprechen zu lassen, wies Bohmann zurück. „Die Schiedsrichter haben von uns keinen Maulkorb erhalten. Solch eine Regelung gibt es nicht. Die Schiedsrichter dürfen sich nach dem Spiel äußern und Entscheidungen kommentieren, wenn sie das wollen. Das liegt ganz bei ihnen“, sagte Bohmann.