Für die wohltuende Dusche nach dem schweißtreibenden Krafttraining blieb zunächst keine Zeit. Gerade hatte Silvio Heinevetter noch schwere Gewichte in die Höhe gestemmt, da zeigte sein Smartphone den Eingang einer E-Mail an. Und der Inhalt jener elektronischen Post brachte den Torhüter der Füchse Berlin in Rage: Der Ligaverband der Handball-Bundesliga (HBL) verurteilte Heinevetter zu einer Geldstrafe von 1000 Euro.

Der Berliner hatte nach der Partie der Füchse am vergangenen Sonntag gegen die Rhein-Neckar Löwen (21:21) gesagt, seine Mannschaft sei „verarscht“ worden. Das wertete der Verband als „verbale Entgleisung“ und fasste die Aussage als Angriff auf das Schiedsrichter-Duo Robert Schulze und Tobias Tönnies aus Magdeburg auf. „Das ist krass“, schimpfte Heinevetter am Donnerstagmittag im Kabinengang des Füchse Town im Sportforum Hohenschönhausen, „das ist der absolute Hammer.“

Dabei betonte der 28-jährige Nationaltorhüter, dass es hier keinesfalls um das Geld gehe. „Aber der Ligaverband will an mir ein Exempel statuieren.“ Normal würden solche Verhandlungen ja eine halbe Ewigkeit dauern, „aber bei mir wird innerhalb von 24 Stunden die Strafe festgesetzt“, sagte Heinevetter und schüttelte ungläubig den Kopf. „Mein Anwalt prüft die Sache gerade.“ Gegen die Strafe kann der Torhüter nun innerhalb von 14 Tagen schriftlich Einspruch einlegen.

Löwen-Spieler gibt Fehler auf Facebook-Seite zu

Rückblick: Im Spitzenspiel zwischen den Füchsen und den Rhein-Neckar Löwen steht es in der Schmeling-Halle 16 Sekunden vor Schluss 21:20. Die Zuschauer hält es nicht mehr auf ihren Sitzen, der Sieg ist zum Greifen nah. Mit dem Schlusspfiff gleicht Löwen-Nationalspieler Patrick Groetzki mit seinem Treffer zum 21:21 aus. Während die Mannheimer jubeln, sind die Berliner entrüstet, denn bei seinem Wurf stand Groetzki im Kreis, was nicht erlaubt ist.

Das bestätigte der Außenspieler sogar auf seiner Facebook-Seite. Überdies belegen die Fernsehbilder die begangene Regelwidrigkeit. Allerdings war Füchse-Abwehrchef Denis Spoljaric durch den Kreis gelaufen und hatte Groetzki behindert. Es hätte also Siebenmeter geben müssen. Als Heinevetter wenig später im TV-Interview dazu befragt wird, rutscht ihm der folgenschwere Satz heraus. „Wir wurden verarscht.“

In einem Schreiben an die Liga nahm Heinevetter zu Wochenbeginn ausführlich Stellung. „Ich habe der Liga geschrieben, dass die Szene unumstritten ist, weil sie im Fernsehen zu sehen war und Patrick zugegeben hat, dass er im Kreis stand“, erklärte Heinevetter am Donnerstag und echauffierte sich über die Strafe: „Das darf nicht unter den Tisch gekehrt werden.“

„Schiedsrichter sitzen in einem goldenen Käfig“

Heinevetter legte ausdrücklich Wert darauf, dass seine Äußerung nicht persönlich gegen die beiden Schiedsrichter gerichtet war. „Ich empfinde großen Respekt gegenüber den Schiedsrichtern. Sie gehören zu den besten Paaren der Liga, aber in diesem Fall haben sie kurz vor Schluss einen Fehler gemacht, der uns den Sieg gekostet hat. Sie haben 59 Minuten lang gut gepfiffen. Aber diese eine entscheidende Szene lässt das alles vergessen. Sie haben einen Fehler gemacht, dazu sollen sie stehen“, betonte der Nationaltorhüter mit drei Tagen Abstand. „Stattdessen sitzen sie in einem goldenen Käfig, den sie selber gar nicht wollen, und dürfen nichts sagen, obwohl sie gern reden würden.“

Heinevetter ärgert besonders, dass man als Spieler immer kritisiert werde, die Schiedsrichter aber nicht angegriffen werden dürfen. „Mit dem Ausdruck ‚verarscht‘ meinte ich doch nicht, dass ich den Schiris unterstelle, dass sie es mutwillig getan hätten oder bestochen wurden“, sagte Heinevetter, der sich völlig zu unrecht verurteilt fühlt. „Eine Entschuldigung wird es von mir nicht geben, ich stehe zu meinem Verhalten und bin ja auch vollkommen im Recht, wie die Fernsehbilder beweisen.“

Füchse hadern vermehrt mit Schiedsrichtern

Das sieht die Handball-Bundesliga freilich ein wenig anders. „Das war eine verbale Entgleisung, die mit einer Strafe geahndet werden muss“, sagte HBL-Sprecher Oliver Lücke am Donnerstag und wies daraufhin, dass man mit den 1000 Euro das Höchstmaß von 5000 Euro bei weitem nicht ausgeschöpft habe. „Silvio Heinevetter ist ein sehr professioneller Spieler, der als Nationalspieler eine Vorbildfunktion im deutschen Handball besitzt“, sagte Lücke, „deswegen konnten und wollten wir ihm sein Verhalten nicht durchgehen lassen. Das macht ja keinen guten Eindruck, wenn Kinder das sehen.“ Allerdings habe man bei der Festsetzung des Strafmaßes berücksichtigt, dass diese Äußerung nach einem sehr emotionalen Spiel gefallen sei.

Statt zwei Punkten gab es für die Füchse gegen die Rhein-Neckar Löwen am Ende nur einen Zähler. Bereits in der Woche zuvor hatten sich die Berliner beim Auswärtsspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt beschwert. So hatte Füchse-Cheftrainer Dagur Sigurdsson nach den Löwen-Spiel seine Enttäuschung zum Ausdruck gebracht: „Schon vergangene Woche in Flensburg hat uns eine Entscheidung einen Punkt gekostet. Gegen die Rhein-Neckar Löwen war es ähnlich“, sagte der Isländer, „fünfzig Prozent aller unserer Minuspunkte resultieren aus Entscheidungen in der Schlusssekunde.“ Heinevetter rechnet vor: „Wenn wir in Flensburg und gegen die Löwen jeweils zwei Punkte eingefahren hätten, wären wir ganz oben dran an der Spitze.“