Wenn das Wort Geduld fällt, muss Jonas Thümmler lachen. „Ja, die brauchst du schon“, sagt der junge Handballspieler von den Füchsen Berlin. Er ist 20 Jahre alt, spielt auf der Kreisläuferposition – und kämpft in der Bundesliga-Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson um jede Minute Einsatzzeit. Es ist ein Auf und Ab. Am vergangenen Sonntag beim 25:23 in Magdeburg wurde er nicht eingesetzt, jetzt hofft er auf das nächste Spiel: am Mittwochabend (19 Uhr) in der Max-Schmeling-Halle gegen GWD Minden.

Thümmler ist ein Beispiel für die Philosophie der Füchse, junge Spieler auszubilden, zu fördern und dann peu à peu in das Bundesligateam einzubauen. Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning ist der glühende Verfechter dieses Modells, gern spricht er in diesem Zusammenhang von „Berlinisierung“. Selbst war und ist er als Nachwuchstrainer aktiv, er hat auch Thümmler unter seinen Fittichen gehabt.

Titel mit Füchse-Jugend

Einmal mit der B- und zweimal mit der A-Jugend der Füchse ist der Kreisläufer Deutscher Meister geworden. Wie ist Hanning als Trainer? „Einzigartig“, sagt Thümmler. Super sei es unter ihm gewesen, aber er könne „auch anstrengend“ sein. Weil Hanning eben immer wieder auf Fehler hinweist und nicht nur das Sportliche im Blick hat. Der Geschäftsführer sieht sich obendrein in der Pflicht, die Nachwuchstalente menschlich zu formen. Da steht schon mal ein Kurs in Tischmanieren auf dem Programm.

Doch dem Nachwuchsbereich ist Thümmler seit dem Sommer 2012 entwachsen. In der vergangenen Saison war er bereits einige Monate an den Zweitligisten Bad Schwartau ausgeliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Er pendelte zwischen Berlin und Schleswig-Holstein. In dieser Saison ist er nun vollwertiges Mitglied im Kader der Füchse. Natürlich ist es ein Riesenunterschied zwischen Bundesliga und zweiter Liga oder Nachwuchsbereich. „Vom Spielerischen, von der Kraft, vom Tempo her kein Vergleich“, sagt der Jungprofi. „Mir fehlt noch die Erfahrung“, gibt er zu.

Es fehlen noch einige Kilogramm Muskelmasse

Man muss sehr robust sein, um sich am Kreis behaupten zu können. „Ich muss noch ein paar Kilogramm Muskelmasse draufpacken“, weiß er. Durch Zusatzschichten in den vergangenen Monaten hat der 1,92 Meter große Thümmler inzwischen die 100-Kilogramm-Marke überschritten.

Wie die jungen Spieler Fabian Wiede und Paul Drux muss auch Thümmler die Doppelbelastung durch Leistungssport und Schule verkraften. „Das ist schon sehr schwer für die Jungs“, sagt Hanning. Drux besucht die 12. Klasse des Schul- und Leistungssportzentrums Berlin (SLZB) in Hohenschönhausen, Wiede und Thümmler sind in der 13., im kommenden Jahr stehen die Abiturprüfungen an. Biologie, Sport, Deutsch und Mathematik heißen Thümmlers Prüfungsfächer. Hanning lobt die Möglichkeiten, die das SLZB bietet. Unterrichtsstunden werden flexibel den Trainingszeiten angepasst.

Geschäftsführer Hanning hält große Stücke auf ihn

Als „geradlinigen, ehrlichen jungen Mann“ charakterisiert Hanning den Abiturienten in spe. „Ich bin mir ganz sicher, dass er oben ankommen wird.“ Weder im Sport noch in der Schule habe er bisher irgendetwas geschenkt bekommen. „Er hat sich alles erarbeitet.“ Wille und Durchhaltevermögen seien bei ihm besonders ausgeprägt. Was unbedingt notwendig ist, wenn man nicht überbordend mit Talent gesegnet ist.

Hanning erinnert sich an das erste Zusammentreffen mit Thümmler. Es ist sechs Jahre her, dass er bei der Berliner Jugendauswahl in einer Halle in Hohenschönhausen vorbeischaute. Von Hanning auf Thümmler angesprochen, antwortete der damalige Auswahltrainer: „Der ist völlig talentfrei.“

Die erfahrenen Spieler helfen den Nachwuchstalenten

Bald darauf wurde Hanning Auswahltrainer und schätzte die Fähigkeiten und das Potenzial des Jungen ganz anders ein. Es folgten besagte Titel in der Jugend und der Sprung ins Männerteam.

„Wir haben keinen Welpenschutz“, sagt Thümmler stellvertretend für die Jungen im Team. Sie müssen Leistung bringen. „Du musst immer bereit sein“, sagt Thümmler, „und wenn du aufs Feld kommst, musst du die Zeit nutzen.“ Sicherlich kommt auch mal ab und an Frust durch, wenn sich die Hoffnung auf einen Einsatz wieder nicht erfüllt hat. „Aber man darf den Kopf nicht hängen lassen, muss immer nach oben schauen.“ Wobei die etablierten Spieler immer eine große Hilfe für ihn seien. „Das sind alles tolle und offene Typen.“