Viereinhalb Jahre sind im Sport ein langer Zeitraum. Die Erinnerungen an einen schmerzhaften Misserfolg können dennoch frisch sein. „Ich kann mich noch gut an die letzte Niederlage erinnern, das war in der O2 World, und ich habe noch die Sprüche von damals im Kopf“, sagt Bob Hanning.

Der Geschäftsführer der Füchse Berlin sieht noch die Bilder des Spiels am 3. März 2009 vor sich. Mit 21:28 verlor damals sein Verein das Handballspiel in der ausverkauften Arena am Ostbahnhof. Acht Spiele in Serie haben die Füchse Berlin in der Bundesliga gegen den SC Magdeburg seitdem gewonnen, die Kräfteverhältnisse haben sich im Lauf der Zeit zugunsten des Hauptstadtklubs verschoben.

Und das soll, geht es nach den Berlinern, auch so bleiben. Dabei verspricht die Begegnung beim SC Magdeburg an diesem Sonntag (17.15 Uhr, Sport1, HIER im Liveticker der Berliner Morgenpost) Brisanz in vielfacher Hinsicht. Denn die Mannschaft aus der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts befindet sich nach sowohl sportlich wie auch finanziell schweren Jahren auf dem Weg zurück in die Spitze der Liga. Hanning sagt: „Es ist das Ost-Derby schlechthin, darauf schaut der Handball-Osten.“ Da will keiner als Verlierer vom Platz gehen.

Solider und kontinuierlicher Aufbau beim SC Magdeburg

Die stetige Rückkehr des SC Magdeburg nach oben ist mit Blick auf die jüngste Vergangenheit bemerkenswert. Der Traditionsverein geriet nach den europäischen Erfolgen nach der Jahrtausendwende (Champions-League-Sieger 2002, EHF-Cup-Sieger 2007) finanziell ins Schlingern, übernahm sich und häufte bis 2009 einen Schuldenberg von mehr als einer Million Euro an.

Nachdem der Ruin abgewendet werden konnte, wurde ein solider und kontinuierlicher Aufbau eingeleitet. Die Schulden wurden auf unter 200.000 Euro reduziert, zum zweiten Mal in Folge erhielt der SCM die Spiellizenz ohne Auflagen.

Schritt für Schritt versucht der SC Magdeburg nun, sich wieder in der oberen Tabellenhälfte zu etablieren, ohne sich dabei selbst zu übernehmen und die langfristigen Pläne aus den Augen zu verlieren. Auch dann nicht, wenn eine Spielzeit nicht so verläuft wie gewünscht. Nachdem im Vorjahr der ausgerufene fünfte Platz klar verpasst wurde, äußerte sich Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt im Sommer zurückhaltend: „Wir wollen besser sein als vergangene Saison.“ Der Start mit 6:2 Punkten (wie auch die Füchse auf ihrem Konto haben) ist jedenfalls gelungen.

Füchse-Trainer ist angetan vom Weg der Magdeburger

In der Sommerpause wurde der Kader erneut sinnvoll verstärkt, mit dem Wechsel von Nationalspieler Michael Haaß an die Elbe gelang sogar ein Transfercoup. Kurz vor Saisonbeginn wurde zudem wegen Verletzungssorgen in Marco Oneto ein Kreisläufer mit namhafter Vergangenheit nachverpflichtet (ehemals Veszprem und Barcelona). Auch Marko Bezjak (Rückraummitte) und Dario Quenstedt (Torwart) bewiesen zuletzt, dass sie für ihren neuen Verein wichtige Verstärkungen darstellen.

Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson ist sehr angetan vom Weg der Magdeburger: „Sie hatten in den vergangenen Jahren wenig Erfolg. Darauf hatten sie keinen Bock mehr und haben neue Spieler geholt. Sehr gute Spieler.“ Hanning fordert nach dem jüngsten Erfolg gegen Göppingen: „Jetzt müssen wir nachlegen.“