„Die Zukunft ist jetzt“. Was wie der Slogan einer Partei im zurzeit vor sich hindümpelten Wahlkampf klingt, ist das Motto, mit dem das Handball-Team des HSV Hamburg in die kommende Saison geht.
Am Montag startete in der Hansestadt die entsprechende Plakataktion, die Aufmerksamkeit erregen soll. Ein Satz, der gut zu dem passt, was dem aktuellen Champions-League-Sieger bevorsteht: Jetzt muss in zwei Qualifikationsspielen gegen die Füchse Berlin die Zukunft in der Champions League gesichert werden.
Wenn nach den beiden Partien – erst am Mittwoch in Berlin (Max-Schmeling-Halle, 19 Uhr) und dann am Freitag in Hamburg (19 Uhr) – der Sprung in die europäische Eliteklasse nicht geschafft würde, wäre das erste Saisonziel verpasst. „Wir werden um jeden Titel kämpfen“, sagt Trainer Martin Schwalb. Meisterschaft, Pokal – und eben Champions League. Während die Füchse ganz gut damit leben könnten, nur im unter der Topliga angesiedelten EHF-Pokal zu spielen, wäre ein Scheitern für den HSV ein ziemliches Debakel.
Es hapert noch am Zusammenspiel
Groß war der Jubel nach dem überraschenden Titelgewinn gegen Barcelona am 2. Juni 2013 (30:29 n.V.), jetzt will der Titelverteidiger natürlich unbedingt wieder dabei sein. Auf eine Wildcard hatten die Hamburger gehofft, doch der europäische Verband hat sich für eine Ausscheidung zwischen dem Bundesliga-Vierten der Vorsaison aus Berlin und den fünftplatzierten Hamburgern entschieden.
„Wir sind voll im Plan, wir sind voll da, wo wir hinwollen“, hat Schwalb nach der Generalprobe für das Spiel in Berlin erklärt. Gegen den dänischen Vizemeister Kolding Kopenhagen hatte der HSV am Freitagabend 27:26 gewonnen. Ein wenig Zweckoptimismus schwang da schon mit. Denn den Beobachtern entging nicht, dass beim HSV noch lange nicht zusammengewachsen ist, was zusammengehört. Kein Wunder, schließlich haben sechs Spieler den Klub verlassen, neun Neue sind gekommen. Dagegen erscheint der Umbruch bei den Füchsen – sechs gingen, sechs kamen – fast schon moderat.
Vor kurzem schlugen die Füchse den HSV
Schwalb gibt zu: „Berlin ist eingespielter als wir.“ Die Chancen stünden „fünfzig zu fünfzig“. Zumindest vor zehn Tagen waren die Berliner noch im Vorteil. Beim Heide-Cup in Schneverdingen gelang den Füchsen ein 32:28. „Wir wollten unbedingt gewinnen, um Selbstvertrauen zu bekommen für die beiden Hamburg-Spiele“, meinte damals Berlins Geschäftsführer Bob Hanning. Der Hamburger Rückraumstar Pascal Hens wollte die Sache nicht zu hoch hängen: „In Berlin werden wir hoffentlich eine andere Mannschaft aufs Feld bringen.“ Er schränkte aber ein: „Bei neun neuen Leuten kann man nicht verlangen, dass gleich alles klappt.“
19 einsatzfähige Spieler umfasst der Kader der Hamburger, deren Etat neun Millionen Euro beträgt (die Füchse kalkulieren mit gut fünf Millionen). Das Team ist gespickt mit Topspielern. Kurzfristig kamen noch der spanische Weltmeister Joan Canellas aus der Konkursmasse von Atletico Madrid sowie Zarko Markovic aus Göppingen hinzu. „Wir haben unsere Lehren gezogen“, sagt Schwalb. In der vergangenen Saison sei der Kader zu klein gewesen, Verletzte konnten nicht adäquat ersetzt werden. Dass bei diesem großen Kader einige wegen geringer Spielzeit missmutig werden könnten, glaubt er nicht. Schwalb setzt auf Rotation: „Wer mittwochs zusehen muss, kann am Wochenende schon wieder der Held sein.“
Schneller Abgang von Geschäftsführer Rost
Der Markovic-Transfer sorgte für ein heftiges Beben. Geschäftsführer Frank Rost schmiss nach nur 43 Tagen im Amt hin, der ehemalige Fußball-Torhüter fühlte sich bei dem Deal übergangen. Alles weitere wird wohl vor dem Arbeitsgericht geklärt werden müssen.
Um Linkshänder Markovic zu verpflichten, hat Klubfinanzier Andreas Rudolph, dessen Bruder Matthias Präsident ist, mit einem Darlehen ausgeholfen. Der HSV will es in diesem Jahr richtig wissen, um so fataler wäre es eben, wenn die Füchse anstelle der Hamburger Millionentruppe in der Champions League antreten würden. Matthias Rudolph ist mit Blick auf die kommende Saison allerdings optimistisch: „Wenn sich die halbe Mannschaft nicht mit Pocken ansteckt, sind wir gut gerüstet.“




