Die Vorbereitung auf eine neue Handball-Saison ist nicht unbedingt die Lieblingszeit des Jahres für Silvio Heinevetter. Der Torhüter der Füchse Berlin favorisiert den Wettkampf. Spiele also, in denen es um etwas geht, in denen man sich miteinander messen kann, der 28-Jährige liebt eben die Herausforderung. Mit seinen außergewöhnlichen Paraden hat er den Füchsen in der Bundesliga und Champions League auch schon so manchen Sieg gesichert.
Umso mehr freut sich der deutsche Nationalspieler, dass die harten Wochen nun bald vorbei sind. Am kommenden Mittwoch empfangen die Berliner den HSV Handball zum Qualifikationsspiel um die Champions League in der Max-Schmeling-Halle (19 Uhr). „Es ist gut, dass es endlich losgeht“, sagt Heinevetter und tippelt mit den Füßen auf dem Linoleumboden, „dann wissen wir endlich auch, wo wir stehen.“ Das Rückspiel findet zwei Tage später in Hamburg statt, der Sieger ist direkt für die Königsklasse qualifiziert.
Champions League oder doch EHF-Cup?
In den vergangenen Wochen hatten die Verantwortlichen der Füchse betont, dass es keine Beinbruch wäre, würde man dieses Mal die Champions League verpassen. Immerhin haben die Berliner bislang nie im zweitklassigen EHF-Cup gespielt, dabei hätten sie eine veritable Chance, diesen zu gewinnen und damit den ersten großen Titel zu holen. „Egal, ob der EHF-Cup auch seinen Reiz hat, wenn du die Chance hast, in der Champions League zu spielen, dann willst du das auch“, gibt Heinevetter die Parole für die beiden Partien gegen den Rivalen aus Hamburg aus. Auch für Iker Romero, nach dem Weggang von Torsten Laen der neue Kapitän der Füchse Berlin, gibt es da keine zwei Meinungen. „Die Champions League ist für einen Handballer das Allergrößte – und wir wollen dort wieder hin. Um jeden Preis.“
Den letzten Feinschliff will sich die Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson am Wochenende beim letzten Testturnier in Ehingen holen. Im Rahmen des Sparkassen-Cups treffen die Füchse am Sonnabend in der Kleinstadt im Südosten Baden-Württembergs zunächst auf den Schweizer Top-Klub Wacker Thun, am Abend dann spielen sie gegen Paris St. Germain. Sigurdsson wird dabei viel rotieren, um seine Topspieler ein bisschen zu schonen. Dafür reisen mit Max Scheithauer, Kenji Hövels, Tom Skroblien und Willy Weihrauch auch vier Nachwuchsspieler mit nach Ehingen.
Integration der neuen Spieler ist geglückt
Mit der Vorbereitung sind Chefcoach Sigurdsson und Geschäftsführer Bob Hanning zufrieden. „Es fühlt sich alles gut und richtig an“, sagt Hanning und meint damit den großen personellen Umbruch, den die Füchse im Sommer vollzogen haben. Sechs Spieler verließen die Stadt, dafür kamen mit Jesper Nielsen, Mattias Zachrisson und Fredrik Petersen drei Schweden sowie mit dem Tschechen Pavel Horak ein Torjäger. Dazu gesellten sich die Nachwuchsspieler Jonas Thümmler und Fabian Wiede.
„Die Integration der neuen Spieler läuft hervorragend“, freut sich Hanning. Sigurdsson ergänzt: „Die Truppe ist intakt, die Stimmung prächtig.“ Und der neue Sportkoordinator Volker Zerbe hat beobachtet, „dass sich alle gut im Training einbinden. Da greifen sich die Älteren auch mal die Jungen und erklären ihnen etwas. Jonas und Fabian bringen viel Schwung mit und sind sehr neugierig.“
Noch fehlt der Mannschaft etwas die Routine
Silvio Heinevetter sieht das ähnlich. Als Torhüter hat er das Geschehen auf dem Platz stets gut im Blick. Sein Wort hat Gewicht, auf und neben dem Feld. „Alle neuen Spieler passen super ins Teamgefüge, wir haben keinen Querschläger dabei“, gerät er fast ins Schwärmen. Heinevetter lächelt: „Es läuft alles sehr harmonisch, ja, fast ein bisschen zu harmonisch.“
Bange ist dem Schlussmann deshalb aber nicht. Natürlich dürfe man am Anfang von der Mannschaft noch keine Wunderdinge erwarten. Oder wie Chefcoach Sigurdsson es ausdrückt: „Was uns bislang noch fehlt, das ist die Routine. Aber das kann man nicht kaufen, das kommt mit der Zeit.“ Vielleicht schon am Sonnabend beim Turnier in Ehingen.





