Neue Ziele

Kleine Hindernisse stören Pavel Horaks Neustart in Berlin

Nach sechs Jahren bei Frisch Auf Göppingen wechselte Pavel Horak zu den Füchsen Berlin. Der Tscheche verspricht sich davon, noch einmal größere Ziele in Angriff nehmen zu können.

Foto: Schulz / pa/nordphoto

Als alles geschafft ist, lässt sich Pavel Horak erst einmal auf die Massageliege fallen. In sengender Sonne haben die Spieler der Füchse Berlin auf der Tartanbahn hinter ihrer Trainingshalle Läufe absolviert. 400 Meter, kurze Pause, 400 Meter – zwölfmal. Der Schweiß ist in Strömen gelaufen, von Runde zu Runde musste jeder mehr beißen.

Mehr auf Qualität geachtet

Handballprofi Pavel Horak nimmt’s locker. „Ach, das ist doch alles nicht so schlimm“, sagt der Tscheche, der seit ein paar Wochen beim Berliner Bundesligisten ist. Er muss lachen, als er sich an die Zeiten bei seinem Heimatklub Banik Karvina erinnert. „Da hatten wir einen Trainer, der so richtig russische Schule war.“ Dreimal täglich wurde während der Saisonvorbereitung trainiert, „es zählte nur Quantität“. Bei den Füchsen werde – zweimal täglich – dagegen auf Qualität geachtet.

Man merkt dem fröhlichen Pavel Horak an, dass er sich wohlfühlt in der neuen Umgebung. Der 1,98 Meter große und 112 Kilogramm schwere Rückraumspieler ist zwar erst kurze Zeit beim ambitionierten Berliner Klub, aber er hat festgestellt: „Hier ist es noch besser, als ich mir das vorgestellt habe.“ Das neue Trainingszentrum im Sportforum, der perfekt eingerichtete Kraftraum, das Jugendprogramm der Füchse, das alles imponiert ihm.

Ein Kumpel von Torwart Stochl

Alles Dinge, von denen er vorher gehört hatte, die er jetzt aber erst in natura kennengelernt hat. Aber auch alles Dinge, die er sich an seinem früheren Arbeitsplatz gewünscht hätte. Zwischen 2007 und 2013 hat er für den Bundesliga-Konkurrenten Frisch Auf Göppingen gespielt, in 146 Bundesliga-Einsätzen 624 Tore erzielt. Göppingen war ihm zur zweiten Heimat geworden. Ein nettes Häuschen hatte er sich gekauft, in dem er mit seiner Freundin, einer Polizistin, wohnte.

Warum gibt man so etwas auf? Horak, der sehr gut deutsch spricht, antwortet langsam, um wirklich die richtigen Worte zu finden: „Ich war dort nicht mehr glücklich.“ Es ging nicht mehr wirklich weiter vorwärts im Schwäbischen, die Entwicklung stagnierte. Es fällt ihm eine kleine Begebenheit am Rande ein. Die Halle in Göppingen wurde vor ein paar Jahren umgebaut und erweitert. Aber an einen Kraftraum für die Frisch-Auf-Handballer wurde schlichtweg nicht gedacht. Das war für ihn schwer verständlich gewesen.

Die Ansprüche von Spieler und Klub passten nicht mehr zusammen

Kontinuierlich in der Bundesliga oben mitspielen zu können, war nicht möglich in dieser Stadt mit ihren knapp 60.000 Einwohnern. Doch der 30-Jährige hat einen anderen Anspruch. Das könne doch nicht alles gewesen sein in seiner Karriere, dachte er sich.

Der sportliche Ehrgeiz ist das eine. Aber es gibt auch eine andere Seite. „Die Umgebung, das Leben dort, Freunde – an nichts hat es in Göppingen gefehlt.“ Eigentlich, so gibt er zu, habe er sich gewünscht, seine Karriere dort zu beenden. Aber nicht um jeden Preis: „So war das nicht akzeptabel.“

Hocherfreut über das Interesse der Füchse

Jetzt also Berlin, wo er einen Dreijahresvertrag unterschrieben hat. „Es hat mich gefreut, dass ein solcher Klub wie die Füchse an mir Interesse hatte“, sagt Horak bescheiden. „Der legt immer alles rein und will immer gewinnen“, beschreibt sein Kumpel Petr Stochl, was zwei Gründe für das Interesse gewesen sein mögen.

Bereits in Tschechien haben der Füchse-Torwart und sein neuer Teamkollege gegeneinander gespielt, seit Jahren trifft man sich in der Nationalmannschaft, für die Horak gut 80 Länderspiele bestritten hat. Gemeinsam werden sie im Januar 2014 bei der EM in Dänemark spielen, anders als das deutsche Team übrigens, das sich nicht qualifiziert hat. Als Horak 2006/2007 sein erstes Jahr in Deutschland beim Zweitligisten Ahlener SG spielte, standen sich beide wieder gegenüber: Stochl damals bereits bei den Füchsen, die in diesem Jahr den Aufstieg in die Bundesliga schafften.

Ein Spieler, der auch da hingeht, wo es weh tut

Natürlich haben sich die beiden Freunde über die Füchse unterhalten, als die Offerte aus Berlin kam. Stochl konnte dem torgefährlichen Mann nur zuraten, das Angebot von Bob Hanning anzunehmen. Der Berliner Geschäftsführer sagt über die Neuverpflichtung: „Pavel geht auch dahin, wo es weh tut.“

Noch wohnt der Rechtshänder im Hotel. Das wird auch noch einige Wochen so bleiben, denn seine Eigentumswohnung, die er sich bereits vor einem halben Jahr gekauft hat, ist nicht rechtzeitig fertig geworden. Wegen des harten Winters war der Termin für die Fertigstellung des Neubaus in der Nähe des Jüdischen Friedhofs in Weißensee, ganz in der Nähe des Trainingszentrums, nicht zu halten.

Riesenchance, sich für die Champions League zu qualifizieren

Er empfindet das jedoch als „nicht so schlimm, ich bin ja momentan sowieso dauernd unterwegs“. Und seine Partnerin ist auch noch nicht in Berlin. Wann die Beamtin nachkommen wird, ist allerdings offen. Ein Wechsel von einem Bundesland zum anderen ist nicht so einfach bei der Polizei.

Horak freut sich auf die „Riesenchance“, eventuell in der Champions League spielen zu können. „Wir haben es in den eigenen Händen“, sagt er zuversichtlich mit Blick auf die beiden Qualifikationsspiele für die Königsklasse gegen den Titelverteidiger HSV Hamburg am 21. August in Berlin und zwei Tage später in Hamburg.

Sein Ziel ist es, eine Führungsrolle zu übernehmen

Pavel Horak hat sich zum Ziel gesetzt, „dazu beizutragen, dass wir wieder so gut sind wie in den letzten Jahren“. Er wolle „eine Führungsrolle“ einnehmen. In einem Team, zu dem außer ihm noch fünf weitere Neue gestoßen sind. „Wir müssen uns erst finden. Aber daran arbeiten wir ja in der Vorbereitung.“ Es müssen ja nicht unbedingt Trainingsläufe in der Hitze sein.

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