Handball

Die Füchse wollen mehr Familie als eine GmbH sein

Der Berliner Handball-Bundesligist setzt besonders auf seine Nachwuchsarbeit. Neue Spieler sollen möglichst schnell die Füchse-Philosophie verinnerlichen.

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Spielen ist immer besser als trainieren. Da dürften sich Sportler einig sein, egal, ob sie nun mit einem Puck oder mit Bällen in unterschiedlichen Größen zu tun haben. Wer mag in Vorbereitung auf die kommende Saison schon Kondition bolzen oder immer wieder gleiche Taktikelemente einüben? Insofern haben es die Handball-Profis der Füchse gut: Heute in 31 Tagen beginnt für den Bundesligisten die Saison – und bis dahin steht eher Arbeit mit dem Ball unter Wettkampfbedingungen im Vordergrund. „Wir müssen uns nach unserem Umbruch möglichst schnell als Team zusammenfinden“, sagt Trainer Dagur Sigurdsson.

Daher hat sich das Vorbereitungsprogramm im Vergleich zum Vorjahr stark verändert. Damals hatte es kaum Umstellungen im Team gegeben, während diesmal bei sechs Abgängen etablierter Profis sechs neue Spieler zu integrieren sind. Aus diesem Grund stehen jetzt so viele Testspiele während der Vorbereitung auf dem Programm wie nie zuvor.

Diesmal viele Testspiele

„Dies war der ausdrückliche Wunsch des Trainers“, erklärt Geschäftsführer Bob Hanning. Bis die Füchse am 21. August in der Schmeling-Halle mit dem ersten von zwei Qualifikationsspielen für die Champions League gegen den HSV Hamburg starten, sind sie bei Turnieren in Esslingen, Bregenz, Schneverdingen und Ehingen im Einsatz. Hinzu kommen noch drei Testspiele.

Zweitligisten wie TV Bittenfeld sind ebenso mögliche Turniergegner wie Teams aus der Champions League wie Hamburg, Schaffhausen oder Kielce. Am Freitag und Sonnabend nahmen die Füchse am Marktplatzturnier im schwäbischen Esslingen teil: Gegen gegen den österreichischen Erstligaklub Union Juri Loeben wurde mit 32:26 gewonnen, gegen Bittenfeld gab es ein 20:20 (3:2 im Siebenmeterschießen). Auch im Finale siegten die Berliner: 15:11 hieß es am Ende nach zweimal 15 Minuten gegen Zweitligist TuSEM Essen.

Sechs neue Spieler müssen ins Team integriert werden

„Wir sind auf einem guten und erfolgreichen Weg“, befand Sportkoordinator Volker Zerbe. Aber auch auf einem schwierigen Weg. Denn die Erwartungen an den Klub, der zuletzt zweimal in der Champions League spielte und die vergangene Saison als Bundesliga-Vierter beendete, sind hoch. Vor allem müssen die Neuen einschlagen. Während die beiden aufgerückten Nachwuchsspieler Fabian Wiede und Jonas Thümmler noch einen gewissen Welpenschutz genießen, müssen die bundesliga-erfahrenen Pavel Horak (kam aus Göppingen), Fredrik Petersen (Hamburg) sowie Jesper Nielsen (IK Sävehof) und Mattias Zachrisson (IF Guif) schnell zeigen, was sie können.

„Ich will dem Team helfen und hoffe, dass ich eine Führungsrolle spielen kann“, erklärt Horak, der mit Füchse-Torwart Petr Stochl zusammen in der tschechischen Nationalmannschaft spielt. Er kennt die Bundesliga aus dem Effeff, schließlich spielte er sechs Jahre für Frisch Auf.

Einige Spieler müssen noch die deutsche Sprache lernen

Ein Jahr in der besten Liga der Welt hat Petersen hinter sich. „Ich finde es gut, jetzt bei einem Klub zu sein, der noch keinen Titel gewonnen hat. Vielleicht schaffen wir das in Zukunft mal“, meint er zuversichtlich. Nielsen und Zachrisson kommen direkt aus der schwedischen Liga. „Ich bin gespannt, wie es bei ihnen läuft“, sagt der Trainer. „Sie werden wohl die längste Zeit für die Umstellung benötigen.“

Und sie müssen sich an eine neue Sprache gewöhnen, denn Amtssprache ist bei Sigurdsson deutsch. „Das wird anfangs bestimmt schwierig“, weiß Zachrisson, „aber ich bin zuversichtlich, dass das alles klappen wird.“

Einstündige Grundsatzrede von Geschäftsführer Hanning

Als zum Abschluss des Trainingslagers in Naumburg Bob Hanning vor versammelter Mannschaft eine etwa einstündige Grundsatzrede hielt, musste einigen noch übersetzt werden. „Es war mir wichtig, dass jeder weiß, was wir wollen“, erklärt der Geschäftsführer. „Sehr deutlich“ habe er gemacht, was ihm in der vergangenen Saison nicht gefallen habe. Und warum sich die Klubführung für einen Umbruch entschieden habe. Keinem der Spieler, die bis zur letzten Partie alles gegeben hätten, sei ein Vorwurf zu machen, aber nach einige Jahren in ziemlich unveränderter Formation „war es total ausgereizt“.

Altgedienten Spielern wie den Neu-Füchsen erklärte Hanning auch noch eindringlich die Philosophie des Klubs, der „mehr Familie als eine GmbH“ (Sigurdsson) sein will. Die Nachwuchsarbeit nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. „Dass jetzt wieder zwei Junge bei den Profis eine Chance bekommen, ist genau das, was wir wollen“, sagt der Trainer. „Mehr geht nicht“, meint Hanning mit Blick auf das kürzlich eröffnete Trainingszentrum „Füchse Town“.

Füchse gehören zu drei interessantesten Handballklubs

Aber alle wissen auch, dass das Profiteam natürlich das Aushängeschild ist. Nach einer Studie von „Sport+Markt“ gehören die Füchse zu den drei interessantesten Handballvereinen der Liga. „Ich habe ein gutes Gefühl“, sagt Hanning mit Blick auf die kommende Saison.

Auch weil die für ihn wichtigste Frage ganz nach seinem Geschmack geklärt ist: „Wer übernimmt künftig im Team die Führungsrolle?“ Es ist als Kapitän der unverwüstliche Iker Romero. „Er ist die größte Identifikationsfigur.“