Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine wenig spektakuläre Sitzung, wenn sich heute in Dortmund die 18 Vertreter der Teams aus der Handball-Bundesliga (HBL) treffen. Es steht eine „Spieltagskonferenz“ an. Endgültig wird der Terminplan der Saison 2013/2014 festgezurrt, die am Wochenende 24./25. August beginnt.

Aber es steht auch noch ein richtig interessanter Tagesordnungspunkt auf dem Programm: Es geht um die eventuelle Einführung eines Play-offs um die Meisterschaft.

„Es wird keine Entscheidung fallen“, sagt HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann, um gleich einmal unnötige Dramatik aus der ganzen Sache zu nehmen. Aber brisant ist das Thema allemal, denn es könnte zu einer totalen Abkehr der bisherigen Philosophie kommen. Bisher galt wie in Stein gemeißelt: Nach 34 Spieltagen ist der Erste Meister. Manchmal durfte sich ein Klub auch schon viel früher krönen lassen, wie beispielsweise 2012 der THW Kiel, der mit 68:0 Punkten durchmarschierte.

Es ist jedoch Bewegung in die Meisterschaftsvergabe gekommen. „Es zeigt sich schon überall, wo ein Play-off gespielt wird, dass man neue Fans gewinnt und auch die eigene Markenbildung gestärkt wird“, gibt Bohmann zu. Basketball, Volleyball, Eishockey sind nur drei Beispiele für Sportarten, in denen nach der Punkterunde im Play-off die Entscheidung fällt. „Alle zwei Jahre“, so Bohmann, sei das Thema auch bei den Handballern mal angesprochen worden, „es wurde aber immer abgelehnt“.

Dass nun über eine Veränderung nachgedacht wird, hängt sicherlich auch damit zusammen, dass sich der Handball und die HBL strecken müssen. „Bisher haben wir aus der Position der Stärke agiert“, sagt Bob Hanning, Geschäftsführer des Bundesligisten Füchse Berlin und designierter Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB). Doch zuletzt lief es nicht so rund: Die Nationalmannschaft schwächelte, TV-Partner Sport1 dachte darüber nach, den angestammten Sendeplatz am Dienstagabend mit Fußball-Regionalliga zu bespielen, die Zuschauerzahlen in der Liga gingen langsam, aber stetig zurück, während sie bei Mitbewerbern stiegen. Nur noch im Schnitt 4540 Zuschauer kamen in der vergangenen Saison zu den HBL-Spielen, Basketball holt gewaltig auf (4435), Eishockey bleibt unangefochten (6455).

Handball benötigt einen Schub: Mehr Aufmerksamkeit in den Medien, eine Umkehr des Trends bei den Zuschauern, größere Attraktivität für potenzielle Sponsoren.

Bohmann wie Hanning sind hin- und hergerissen. „Natürlich ist für viele der Spannungsbogen größer“, sagt Bohmann. Doch was wäre, fragt er, wenn Kiel mit 68:0 Punkten im Play-off nicht Meister würde? „Derjenige muss Meister werden, der es verdient“, ergänzt Hanning. Also müsse der Play-off-Modus unbedingt so sein, dass Glück oder andererseits ein schlechter Tag nicht ausschlaggebend sein dürften. „Nur ein Finalspiel darf es nicht geben.“

Entscheidung bis zum 20. August

So wie es Hanning im israelischen Basketball beobachtet hat, wo der eigentliche Souverän Maccabi Tel Aviv durch die Saison, inklusive Viertel- und Halbfinal-Play-off, marschiert war, dann aber – auch aufgrund von Verletzungsproblemen – im einzigen Finalspiel gegen Maccabi Haifa 79:86 verlor.

Man werde sich am Dienstag „ein Gesamtbild machen“, sagt der HBL-Chef. Mit einer Entscheidung rechnet er bis zum Supercup am 20. August in Bremen zwischen Flensburg und Kiel. Es genügt bei der Abstimmung der Klubs die einfache Mehrheit. Die neue Zeit könnte mit der Saison 2014/2015 beginnen. Meister Kiel hat schon signalisiert, sich für die Idee erwärmen zu können. Hanning sagt, es dürfe „keine Dogmen“ geben, „ergebnisoffen muss diskutiert werden“. Das Ergebnis dürfte Play-off heißen.