Als das Wort Geduld fällt, muss Sven-Sören Christophersen lachen: „Ganz schlecht“, sagt er nur. Nein, als geduldigen Menschen würde sich der Handballprofi von den Füchsen Berlin nicht bezeichnen. Aber es gibt Situationen, die auch der Ungeduldigste akzeptieren muss. Der 27-Jährige hat eine solche Phase hinter sich. „In vier Monaten war ich zehn Wochen lang verletzt“, sagt er rückblickend. Eine „neue Situation“ war dies für ihn, der noch nie in seiner Karriere so lange ausgefallen war.

Er hat lernen müssen, dass es während der quälend langen Rekonvaleszenz lediglich kleine Erfolgserlebnisse gibt, dass es nur langsam vorangeht – und dass eine Gabe in dieser schweren Zeit besonders hilfreich ist: Geduld eben.

Erst am rechten, dann am linken Knie verletzt

Ende November 2012 lautete die Diagnose Einriss des Außenbandes am rechten Knie, Ende Februar 2013 war das linke Knie entzündet, die nächste Zwangspause begann. Im Januar hatte er zwischenzeitlich auf dem Parkett gestanden, bei der Weltmeisterschaft in Spanien kam der Nationalspieler mit dem deutschen Team auf Platz fünf. Es folgten ein paar Spiele für die Füchse – und der nächste Rückschlag.

Vorbei, aber nicht vergessen. Christophersen ist anzumerken, dass er aufgeblüht ist, nachdem er seit einigen Wochen wieder spielen kann und er sich von Partie zu Partie langsam der alten Form nähert. Den nächsten Schritt will er am Dienstagabend (Schmeling-Halle, 19 Uhr, Sport1, HIER im Liveticker der Berliner Morgenpost) machen, wenn im Bundesliga-Spitzenspiel die viertplatzierten Füchse auf den Zweiten Rhein-Neckar Löwen treffen.

WM-Teilnahme ging auf Kosten der Gesundheit

„Ich bin ein Kopfmensch“, sagt er über sich. Und wenn einer so gestrickt ist, dann überlegt er viel, er wägt ab, macht sich Gedanken. Zum Beispiel darüber, ob es richtig war, unbedingt an der Weltmeisterschaft teilzunehmen. „Es ging auf Kosten der Gesundheit und der Spiele bei den Füchsen“, stellt er in der Rückschau fest. Schließlich sei er seinem Arbeitgeber verpflichtet, „bei dem bin ich ja angestellt“.

Aber da ist auch die andere Seite: Seit 2006 gehört er zum Kader der Nationalmannschaft, 2088 war er bei Olympia in Peking, in bisher 92 Länderspieleinsätzen hat er 167 Tore erzielt. „Sehr geehrt“ und „bei der Ehre gepackt“ fühlt er sich, wenn Martin Heuberger ihn nominiert. Der neue Bundestrainer setzt auf den 1,98 Meter großen Mann, der auf den Positionen Rückraum links und Rückraum Mitte spielt. „Ich habe jetzt Führungsaufgaben im Team.“ Hin- und hergerissen war er entsprechend damals vor den Titelkämpfen. Er war noch nicht wirklich fit, aber: „WM, das schenkt man doch nicht freiwillig ab.“ Er hat sich damals so entschieden, Punktum.

Gespannt auf den Umbruch in der nächsten Saison

Jetzt liegt der Fokus primär auf den Füchsen, auch wenn nach dem Spiel gegen die Löwen und vor der nächsten Liga-Partie in Wetzlar (7. Mai) noch zwei Testländerspiele gegen Slowenien liegen. Christophersen, der seit Sommer 2010 bei den Füchsen unter Vertrag steht, nennt das gemeinsame Ziel: „Wir wollen unbedingt wieder europäisch spielen.“ Mindestens Fünfter sollten die Berliner werden.

„Sehr gespannt“ ist er schon auf die nächste Saison. Sechs Spieler werden den Verein verlassen, neues Personal kommt. „Es wird eine Zeit lang dauern, bis wir uns finden“, ist er sich sicher. Im Angriff werde der Umbruch schneller zu bewerkstelligen sein, „aber vor allem in der Abwehr wird es eine neue Strukturierung geben“. Selbst hat Christophersen einen Vertrag bis 2015 in Berlin. Er musste sich, im Gegensatz zu einigen Kollegen im Team, zuletzt keine Sorgen um seine Zukunft machen.

Golf als Ausgleichssport

Ehrgeiz gibt er als „Wesenszug von mir“ an. Gepaart mit Ungeduld kann das eine nicht gerade leichte Kombination sein. Christophersen hat sich dafür den richtigen Ausgleichssport ausgesucht, er ist begeisterter Golfspieler. Golf lehrt Demut, sagen zumindest die Experten. Christophersen spricht von „psychologischem Lernen“ und davon, dass man „Akzeptanz“ verinnerliche. Man muss einen schlechten Schlag akzeptieren, wie eine misslungen Aktion beim Handball. Die Kunst ist es dann, „das Negative hinter sich zu lassen und und sich gleich auf das Nächste zu konzentrieren“. Auf den nächsten Schlag oder den nächsten Wurf.