Handball

Füchse Berlin nach ihrer Demütigung fassungslos

Das 16:27 gegen den Konkurrenten Flensburg-Handewitt war die bitterste Pleite der Saison für die Füchse. Die Liga-Pause wegen der Europameisterschafts-Qualifikation kommt den Berlinern gerade recht.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Die meisten Füchse-Spieler wollten nichts sagen, verschwanden kopfschüttelnd sofort in den Katakomben der Max-Schmeling-Halle. Fassungslos, leer. Nur zwei Spieler fanden nach dem demütigenden 16:27 (10:12) gegen die SG Flensburg-Handewitt Worte. „Wir haben unterirdisch gespielt“, stellte Johannes Sellin unumwunden fest, der mit sechs Toren bester Werfer des Berliner Handballteams war. Kapitän Torsten Laen ergänzte: „Wir waren in allen Belangen unterlegen.“

Was vor 9000 Zuschauern in der ausverkauften Halle als Angriff auf Platz drei gedacht war, endete in der herbsten Schlappe in dieser Saison. Während die SG den dritten Rang behauptete und sogar nun wieder noch weiter nach oben schielt, blieben die Füchse nur noch deshalb Vierter, weil Verfolger HSV Hamburg ein Spiel weniger absolviert hat.

Noch sieben Partien stehen in der Liga für Berlin an, die Füchse müssen bei ihrem schweren Restprogramm aufpassen, dass sie nicht zu sehr abrutschen. „Ich hoffe, wir halten den Anschluss nach den Spielen in Lemgo und gegen die Rhein-Neckar Löwen“, sagte Geschäftsführer Bob Hanning. Nur Rang fünf sichert wohl einen Platz in einem europäischen Wettbewerb.

Auswärtsspiel in Lemgo

Erst am 17. April sind die Berliner wieder in Lemgo gefordert, dort, wo vor einigen Tagen die Flensburger mit 22:27 untergingen. Und gegen den Zweiten aus Mannheim wird es am 30. April in eigener Halle auch nicht einfacher.

Die Liga-Pause wegen der EM-Qualifikation der Nationalmannschaft gegen Tschechien (am Donnerstag in Brünn und am Sonntag in Halle/Westfalen) dürfte nicht ungelegen kommen. Nominiert sind die Füchse Silvio Heinevetter und Sven-Sören Christophersen. „Hoffentlich kriegen wir dann den Kopf frei“, meinte Sellin, schränkte aber auch gleich ein: „Bei einer solchen Niederlage dauert es länger, das alles zu verarbeiten.“

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„Wir waren überhaupt nicht da“, bemängelte Trainer Dagur Sigurdsson. Gegen die starken Flensburger wirkten die Berliner teilweise komplett überfordert. „Wir waren in der Defensive hervorragend“, meinte Flensburgs Rückraumspieler Holger Glandorf. „Und was durchkam, hat unser Torwart gehalten.“ Der Schwede Mattias Andersson im Kasten der Gäste war Weltklasse. An ihm verzweifelten die Berliner, die allerdings mit einigen Pfosten- und Lattentreffern auch Pech hatten.

Keine Entschuldigungen gesucht

Es ehrt die Berliner, dass sie als Entschuldigung nicht die Schiedsrichterleistung heranzogen, denn was Fabian Baumgart und Sascha Wild pfiffen, war teilweise sehr fragwürdig. „Wir haben in der ersten Hälfte viel zu viel über die Schiris gemeckert“, gab Laen zu. „Und in der zweiten Halbzeit haben wir nicht Handball gespielt.“ In den ersten 18 Minuten nach der Pause gelangen den Füchsen gerade einmal zwei Tore, in Durchgang zwei insgesamt nur sechs.

Es waren vor allem die eigenen Unzulänglichkeiten, die den Berlinern zum Verhängnis wurden. So versuchte Sellin, statt selbst zu werfen, mit Evgeni Pevnov einen Kempa-Trick. Aus einem möglichen 6:6 wurde binnen zwei Minuten ein 5:9. Gegen Ende der ersten Hälfte kassierte man in Überzahl nach einem schwachen Wurf von Iker Romero das 9:11 per Gegenstoß. Bartlomiej Jaszka bekam zudem eine Zwei-Minuten-Strafe aufgebrummt. Kurz darauf wurde Denis Spoljaric unberechtigt rausgestellt. Als sich der Kroate beklagte, wurden aus zwei gleich vier Minuten Strafe. Als die Berliner Minuten nach dem Wechsel endlich wieder vollzählig waren, stand es 10:15.

Zuschauer halten zum Team

Danach ging nichts mehr. „Wir haben den Kopf und unser Spielkonzept verloren“, meinte Sigurdsson enttäuscht. 13 Tore (14:27) lautete der höchste Rückstand. Es stimmte hinten und vorne nicht. Es fing bei Torwart Silvio Heinevetter an, der von Andersson klar ausgestochen wurde, und hörte auf der sogenannten Königsposition, Rückraum-Mitte, auf. Man kann auf diesem Niveau kein Spiel gewinnen, wenn weder Iker Romero, noch Bartlomiej Jaszka oder Sven-Sören Christophersen auch nur einen Treffer erzielen.

„Wenn man ein oder zwei Ausfälle hat, okay, aber wenn es so viele sind, muss ich mich auch als Trainer fragen, was ist…“, meinte Sigurdsson selbstkritisch. „Eigentlich“, so der Trainer, „muss man sich bei den Fans entschuldigen.“ Die Berliner Anhänger hielten bis zum bitteren Ende tapfer zu ihrem Team. „Die Fans haben eine Eins verdient“, meinte Hanning, „wir heute eher eine Sechs.“