Als am Montagnachmittag der Mannschaftsbus der Füchse Berlin in Richtung Kiel abfuhr, fehlten zwei wichtige Männer in der Reisegruppe. Trainer Dagur Sigurdsson musste wegen einer Grippe ebenso passen wie der deutsche Nationalspieler Sven-Sören Christophersen (Knieprobleme). Wenigstens reiste Börge Lund mit an die Förde zum Handball-Bundesligagipfel am Dienstag zwischen dem zweitplatzierten THW Kiel und dem Vierten aus Berlin. Der Norweger, der wie die beiden anderen am Sonntag in der Champions League gegen Szeged (29:24) gefehlt hatte, hat seine Grippe fast überstanden, eventuell ist er in Kiel einsatzfähig.
Keine guten Voraussetzungen also für die Berliner gegen den Triple-Gewinner der Vorsaison. Die Kieler holten sich den Meistertitel, den Pokalsieg und triumphierten obendrein noch in der Champions League. „Lasst uns mit großem Selbstvertrauen dorthin fahren“, sagt Kapitän Torsten Laen zwar. Geschäftsführer Bob Hanning, der – wie gegen Szeged – das Team gemeinsam mit Assistenztrainer Alexander Haase betreuen wird, schränkt aber auch gleich ein: „Das sind keine Punkte, die man mitnehmen muss.“ Er bezeichnete es allerdings als „Schwachsinn“, wenn man meine, die Mannschaft habe dort nichts zu verlieren.
Trio im Achtelfinale möglich
Knapp acht Stunden vor der Partie in der Ostseehalle blicken die Berliner am Dienstagmittag nach Wien zur Auslosung für die Achtelfinalpartien der Champions League. Drei Gegner sind möglich: Atletico Madrid, Medwedi Tschechow (Russland) und die Slowenen von Gorenje Velenje. „Mir ist egal, gegen wen wir gewinnen“, scherzt Hanning. Laen hat eine Priorität: „Nur nicht Madrid, das ist mein Angstgegner.“ Die Füchse werden zuerst zwischen dem 13. und 17. März auswärts antreten, das Rückspiel in der Schmeling-Halle findet zwischen dem 20. und 24. März statt. Die Termine können erst nach der Auslosung festgelegt werden.
Mit Blick auf die möglichen Gegner sagt Hanning aber auch ernsthaft: „Wir wären in keinem Spiel der Favorit, aber wir sind auch gegen keinen mehr krasser Außenseiter. Das haben wir schon geschafft.“ Es kann sich wahrlich sehen lassen, was die Berliner in Europa erreicht haben. Während Hanning in der Bundesliga „eine leichte Tendenz abwärts“ ausgemacht hat, sagt er in Bezug auf die europäische Beletage: „Da haben wir wieder einen Schritt nach vorn gemacht.“ Vor einem Jahr beendeten die Berliner die Gruppenphase als Vierter, diesmal als Zweiter.
Das Renommee ist gestiegen
„Wir sind in Europa eine feste Größe geworden“, stellt Hanning stolz fest. Die Füchse tanzten nicht nur einen Sommer. Der Tanz geht immer weiter. „Uns unterschätzt keiner mehr.“ Hanning hat fünf Gründe für das gestiegene Renommee ausgemacht, das die Füchse für Spitzenspieler interessant macht: Da ist natürlich der sportliche Erfolg, aber auch der Standortvorteil, in einer Weltstadt beheimatet zu sein. Hinzu kommen die Seriosität des Klubs, beispielsweise werden Gehälter pünktlich bezahlt („Das spricht sich rum“), und die Zuschauerentwicklung im „Fuchsbau“ Schmeling-Halle.
Und nicht zu vergessen sei, dass ehemalige oder aktuelle Spieler wie Laen oder Iker Romero interessierten Kollegen nur das Beste über Berlin und den Klub erzählen. Hanning: „Wir haben es geschafft, die Plattform sauber und ehrlich zu erhalten.“ Da ist kein Platz für einen wie Weltklassespieler Nikola Karabatic, der den Füchsen zwar angeboten wurde, der aber a) vom Gehaltsgefüge her und b) wegen seiner Verstrickung in einen Wettskandal so gar nicht zu den Füchsen gepasst hätte.
Erwartungen werden höher
Natürlich wecken die Füchse mit ihren Leistungen auch immer höhere Erwartungen, die seriös wirtschaftend nicht leicht zu erfüllen sind. In der kommenden Saison werden nur die ersten Drei der Bundesliga in der Champions League spielen, noch unsicher ist, ob es, wie bisher, für den Vierten in eine Qualifikationsrunde geht. Zwei Plätze hat Deutschland im EHF-Cup. Hanning rechnet vor, dass sogar eine Konstellation möglich ist, nach der den Berlinern nicht einmal Platz fünf reichen würde, um europäisch vertreten zu sein.
Die Füchse ohne Europa? Ein Weltuntergang wäre es nicht. „Die Füchse sind sowieso relativ unabhängig von der Platzierung“, erklärt Hanning. „Ich habe immer gesagt: Unser Netz muss so aufgebaut sein, dass wir unabhängig davon sind, ob wir gegen den Abstieg in der zweiten Liga oder um die Champions League in der Bundesliga spielen.“





