Für Torsten Laen, den Kapitän der Füchse Berlin, war es eine Premiere. „Ich spiele jetzt in der vierten Saison in Berlin, aber noch nie hatten wir bei einem Spiel in der Schmeling-Halle gar keinen Druck, so wie diesmal.“
Und weil auch der Gegner aus Ungarn locker aufspielen konnte, durfte man das Aufeinandertreffen der beiden Handball-Teams salopp ein Spiel um die „Goldene Ananas“ nennen.
Denn da standen sich am Sonntagabend beim 29:24 (15:10)-Erfolg der Berliner mit den Füchsen und Pick Szeged zwei Teams gegenüber, für die es nur um die Ehre ging.
Gar nicht so leicht, sich voll zu konzentrieren: In der Champions League hatten die Berliner ja Rang zwei bereits sicher und damit das Achtelfinale ebenso erreicht wie Szeged, das als Vierter die Spiele in der Vorrunden-Gruppe D beendete.
Bevor am Dienstagvormittag in Wien die K.o.-Begegnungen des Achtelfinales ausgelost werden, war es für die Füchse zumindest eine gelungene Generalprobe für das Bundesliga-Highlight am Dienstagabend (20.15 Uhr, Sport1) beim Meister, Pokalgewinner und Champions-League-Sieger der Vorsaison, dem THW Kiel.
Und die beiden Ereignisse am Dienstag waren nach dem Spiel auch mehr Thema als die Pflichtaufgabe gegen die Ungarn. Drei Gegner kann das Los den Berlinern bescheren: Gorenje Velenje (Slowenien), Atletico Madrid oder die Russen von Medwedi Tschechow. Geschäftsführer Bob Hanning hat keine Priorität: „Mir ist egal, gegen wen wir gewinnen.“
Fünf Spiele haben die Berliner in diesem Jahr bisher in der Bundesliga und auf internationalem Parkett bestritten, fünfmal gewann das Team. Entsprechend groß ist das Selbstvertrauen, mit dem die Füchse nun an die Förde reisen. „Wir haben auch da eine Chance“, meinte Laen. Hanning bremste die Stimmung ein wenig: „Natürlich sind wir klarer Außenseiter.“
Chance für den Nachwuchs
Gegen Kiel müssen die Berliner wohl erneut auf Nationalspieler Sven-Sören Christophersen und Börge Lund verzichten, beide konnten schon gegen Szeged nicht spielen: Christophersen plagen immer noch Knieschmerzen, Lund leidet unter einer Grippe.
Auch Cheftrainer Dagur Sigurdsson fehlte. Den Isländer hat ebenfalls eine Grippe erwischt, er war wie Lund gar nicht in der Halle. Ob er in Kiel wieder dabei sein wird, ist eher unwahrscheinlich. Assistenztrainer Alexander Haase hatte am Sonntag das Sagen.
Er nahm das Fehlen der etablierten Spieler zum Anlass, einige junge Talente in den Kader zu berufen: Paul Drux, Tom-Luick Skroblien und Jaron Siewert. Drux kam lange zum Einsatz, spielte gut und erzielte fünf Tore. „Ein unglaubliches Gefühl“, meinte der 18-Jährige. „Es war ein perfekter Abend für mich.“
Christophersen sah von der Tribüne aus gemeinsam mit den 4676 Zuschauern (der komplette Oberring war abgehängt), dass sein Team gleich konzentriert zur Sache ging. Mit einem starken Torwart Silvio Heinevetter als Rückhalt war man vor allem immer wieder durch Tempogegenstöße erfolgreich.
Nach 13 Minuten hatte Johannes Sellin (gemeinsam mit Ivan Nincevic mit jeweils sechs Toren bester Werfer) das 9:3 erzielt. Danach ging vor allem in der Abwehr für einige Minuten die Konzentration runter, was die Ungarn nutzen. Aber näher als bis auf 11:9 kamen sie nicht heran – 15:10 hieß es nach 30 Minuten.
Nach der Pause ein ähnliches Bild: Konzentriert zum 20:14, nach einigen Unkonzentriertheiten nur noch 20:17 (43.), dann wieder mit mehr Intensität zum 23:17. Die Ungarn hatten keine Chance. Die Füchse wechselten viel, die Stammspieler konnten früh für das Spitzenspiel in Kiel geschont werden.
Die Zuschauer fühlten sich jedenfalls gut unterhalten. „Die Fans haben es schließlich verdient, dass wir eine gute Leistung bringen“, meinte Laen. Und Trainer Haase fügte an: „Wir haben Spaß verbreitet.“ Mehr geht nicht.





