Handball

Füchse wollen in Magdeburg auch ohne Christophersen siegen

Der Rückraumspieler wird den Berlinern wegen Knieproblemen vier Wochen fehlen. In Magdeburg rückt deshalb ein 17-Jähriger in den Kader.

Foto: Alberto Estevez / dpa

Der Patient nahm es mit Galgenhumor. „Schade Schokolade!“, lautete der Kommentar von Sven-Sören Christophersen, nachdem Mannschaftsarzt Jürgen Bentzin ihm das Ausmaß der Verletzung erläutert hatte. Der Handball-Nationalspieler von den Füchsen Berlin erlitt einen Anriss des Außenbandes im rechten Knie sowie einen leichten Meniskusschaden und muss vier Wochen pausieren. So treten die Füchse am heutigen Dienstag im Bundesligaspiel beim SC Magdeburg (19.30 Uhr, live bei Sport 1) ohne ihren Torjäger an.

Der Ausfall ihres Rückraumspielers trifft die Füchse hart. Auch weil es mit Christophersen schon den zweiten deutschen Nationalspieler nach Markus Richwien (Sprunggelenk) erwischt hat. „Das tut uns natürlich sehr weh“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning, der aber auch feststellt, dass solche Rückschläge leider zu einer langen Saison gehören. „Deshalb haben wir auch 15 Mann im Kader.“

Hanning ist ein Mensch, dessen Credo es ist, in Lösungen zu denken und nicht in Problemen. Und so sagt der Manager jetzt: „Wir haben die Klasse, die beiden Verletzungen zu kompensieren. Jede Position ist bei uns doppelt gut besetzt. Von daher will ich kein Jammern hören.“ In der Not würde die Mannschaft noch enger zusammenrücken. Im halblinken Rückraum werden nun Börge Lund und Iker Romero ihre Qualitäten unter Beweis stellen müssen, zudem wird der erst 17 Jahre alte Paul Drux in den Profikader hochgezogen. Gegen Magdeburg wollen sich die Berliner keine Blöße geben. „Das ist für Magdeburg das ‚Spiel des Jahres"“, sagt Hanning, „aber wir wollen trotzdem den Sieg!“

In dieser Saison fehlt den Füchsen die Konstanz

Natürlich werden die Berliner Dienstagabend in Magdeburg mit großer Leidenschaft aufspielen, denn im Ost-Derby geht es um mehr als nur die zwei Punkte fürs Tableau. Was dann am Ende dabei herauskommt, das wissen die Verantwortlichen freilich nicht so recht. Die Leistungen der Berliner sind in dieser Saison mit flatterhaft wohl treffend umschrieben. Es fehlt die Konstanz auf allerhöchstem Niveau, die die Füchse in den beiden vergangenen Jahren ausgezeichnet hat. „Wir sind nicht auf dem Level des Vorjahres“, räumt Hanning ein.

Der Manager sieht aber auch, wie eng Freud und Leid momentan beieinander liegen. So verfehlten die Füchse jüngst in der Liga bei den Niederlagen gegen die Rhein-Neckar Löwen (23:25) und gegen Wetzlar (27:28) den Punktegewinn nur ganz knapp. „Und dann sind die ersten 15 Minuten beim Champions-League-Spiel in Zagreb eine Katastrophe, doch am Ende gewinnen wir das Ding mit 25:24. Dank eines überragenden Silvio Heinevetters im Tor und der Spieler aus der Zweiten Reihe wie Johannes Sellin und Colja Löffler. Gerade an den Spielen gegen Wetzlar und Zagreb sieht man, wie eng Himmel und Hölle beieinander liegen“, so Hanning. Für Dagur Sigurdsson ist die Mannschaft zurzeit ein bisschen wie eine Wundertüte: „Innerhalb eines Spiels kann die Leistung völlig drehen.“

Wäre es möglich, so würden Sigurdsson und Hanning ihren Spielern die Flatterhaftigkeit allzu gern austreiben. „Aber wohin das Pendel letztlich ausschlägt, hängt an absoluten Kleinigkeiten“, sagt Hanning, der betont, „dass wir keine überdurchschnittliche Mannschaft sind.“ Oder anders gesagt: „Wenn Silvio Heinevetter in Zagreb nicht sensationell hält, ist das Spiel verloren.“ So aber können die Berliner in der Königsklasse für das Achtelfinale planen.

Mit dem Erfolg der letzten Jahre, sagt Hanning, seien im Verein, der Stadt und auch bei den Spielern die Ansprüche gestiegen. „Ich nenne das eine Anspruchs-Inflation. Aber wir sind ja keine Weltklassemannschaft, sondern müssen uns jeden Erfolg hart erarbeiten.“