Handball

Bei Niederlage der Füchse Berlin schlagen die Emotionen hoch

27:28 gegen Wetzlar - bei der Partie gab es Provokationen, Härte und einen Präsidenten, der schlichten musste.

Foto: Oliver Mehlis / picture alliance / ZB

Die Partie war am Mittwochabend längst abgepfiffen, die 6338 Zuschauer wollten gerade den Heimweg antreten, da erhitzten sich die Gemüter aufs Neue.

Im Kabinengang der Max-Schmeling-Halle stand Michael Müller, Rückraumhüne von der HSG Wetzlar, und haute jedem Füchse-Spieler auf den Oberarm, rief dabei lautstark: „Na, wer ist hier der Sieger?“

Die Provokation des deutschen Nationalspielers verfehlte ihre Wirkung nicht. Ivan Nincevic und Silvio Heinevetter wollten sich gerade auf Müller stürzen, als Füchse-Präsident Frank Steffel beherzt eingriff und die beiden Berliner Spieler wegzerrte.

„So einen Spruch macht man einfach nicht, auch wenn man sich über den Sieg freut“, sagte Steffel und war sichtlich erbost, „das sagt viel aus über den Zustand der Nationalmannschaft.“

Auch ohne die schäbige Provokation Müllers waren die Füchse an diesem Handballabend genug gestraft. Mit 27:28 (13:15) unterlagen sie im Verfolgerduell Wetzlar und rutschten auf Rang vier der Bundesliga ab. Die HSG verbesserte sich hingegen auf Rang drei.

Für die Füchse war es in dieser Saison die erste Liga-Pleite vor heimischer Kulisse. Und die kam nicht von ungefähr. „Wir haben zu viele freie Bälle liegen gelassen und haben zu viele Gegenstoßtore kassiert“, analysierte Geschäftsführer Bob Hanning die Niederlage. Trainer Dagur Sigurdsson wollte seiner Mannschaft aber keinen Vorwurf machen, „weil sie großartig gekämpft hat. Aber es klappt eben nicht immer alles.“

Kritik an Referees verboten

Allzu gern hätten die beiden Verantwortlichen der Füchse wohl auch über das Schiedsrichtergespann Christian Moles/Lutz Pittner schwadroniert, aber laut Regularien darf bis 48 Stunden nach einem Spiel keine Kritik an den Unparteiischen erfolgen.

Grund war die offenkundige Härte der Hessen, die oftmals die Grenzen der Fairness und des guten Geschmacks überschritten hatten. „Aber wenn wir uns so verprügeln lassen, dann ist das so“, konstatierte Hanning lapidar. Er wolle sich jetzt die letzten zehn Minuten der Partie in Ruhe auf Video angucken. „Aber wir dürfen ja 48 Stunden nichts sagen“, sagte der Manager und grinste.

Mit Wetzlar war zwar nicht unbedingt der namhafteste Gegner der Liga im Fuchsbau zu Gast, dafür ist die HSG in dieser Saison aber umso erfolgreicher. Das erlebten gestern Abend auch die Füchse schmerzhaft. Und das sogar sprichwörtlich. Denn von Beginn an ging es in dem Duell der Tabellennachbarn rüde zur Sache. Berlins Physiotherapeut Fabian Kittmann musste mit dem Eisbeutel immer wieder die Wunden kühlen.

Berliner vergeben viele Chancen

Handball gespielt wurde dennoch. Konstantin Igropulo und Sven-Sören Christophersen brachten die Füchse gleich zu Beginn der Partie in Führung (2:1, 3. Minute). Wären nicht Latte und Pfosten bei Würfen von Christophersen und Ivan Nincevic im Weg gewesen, so hätten die Platzherren sich frühzeitig absetzen können. Weil aber hier und da Torchancen der Berliner vertan wurden, konnten die Hessen ausgleichen und gingen sogar in Führung.

Im Tor machten beide Keeper eine hervorragende Figur. Silvio Heinevetter bei den Füchsen und Nikola Marinovic bei Wetzlar, wobei der Berliner Schlussmann in den Paraden leicht vorn lag.

Mit einem wunderschönen Flug von Rechtsaußen erzielte Jung-Nationalspieler Johannes Sellin in der 18. Minute das 10:10 (18.), das Spiel war also ausgeglichen. Doch irgendwie kauften die Wetzlarer den Berlinern immer wieder den Schneid ab, so dass sie Platzherren mit zwei Toren Rückstand in die Kabine gingen. Die Hessen erwiesen sich als hartnäckiger Gegner. Hinzu kamen unglückliche Schiedsrichter-Entscheidungen, was die Zuschauer mit „Schiebung, Schiebung“-Rufen quittierten.

18:21 stand es in der 43. Minute, es wurde langsam eng für die Füchse. Coach Sigurdsson musste reagieren, er brachte nun im halblinken Rückraum Börge Lund für Nationalspieler Christophersen. Bis jetzt hatten die Berliner in dieser Saison in der sogenannten Crunchtime immer die Spiele noch zu ihren Gunsten drehen können. Diesmal riss die Serie, weil die Berliner ihre guten Chancen vergaben – und angesichts der harten Gangart der Hessen kein Mittel mehr fanden. Sechs Sekunden vor Schluss vergab ausgerechnet mit Bartlomiej Jaszka Berlins bester Spieler (sechs Tore) den möglichen Ausgleich.