Handball

Euphorie der Füchse Berlin ist verflogen

Die Berliner mussten gegen Wetzlar einen herben Rückschlag einstecken. Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning fordert eine klare Trotzreaktion.

Foto: Soeren Stache / dpa

Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning und Trainer Dagur Sigurdsson trafen sich am Nachmittag auf einen Kaffee. Gesprächsbedarf gab es jede Menge, frisch waren noch die Eindrücke von der 27:28-Niederlage gegen die Handballer der HSG Wetzlar am Tag zuvor. 13 Monate lang waren die Füchse in der Schmeling-Halle unbesiegt – gegen Wetzlar riss die Serie auf brutale Art und Weise, wenn man auf die Spielweise der Gäste blickt.

Die Überschrift auf der HSG-Website passt ins Bild. „Kristjansson macht Füchse platt“, war da zu lesen. Besagter Isländer war mit sieben Treffern bester Schütze von Wetzlar. HSG-Trainer Kai Wandschneider, dessen Team als jetzt Dritter als Überraschung der Saison gilt, jubelte: „Der Wahnsinn geht weiter.“ So ähnlich hatte es in den vergangenen beiden Jahren immer wieder geheißen, wenn die Füchse erneut einen neuen Coup gelandet hatten.

Bob Hanning ist alarmiert und wachsam

Die Füchse-Euphorie ist dahin, jetzt sagt Hanning: „Wir haben in den vergangenen zwei Jahren über unseren Verhältnissen gelebt.“ Da klappte fast alles, Transfers passten, jeder im Team entwickelte sich noch ein Stück weiter. Hanning ist jedoch immer Realist geblieben. Er war damals nicht der lauteste Jubler, heute verfällt nicht in totale Panik. Wäre ja auch übertrieben: Die Füchse haben in der Champions League noch gute Chancen aufs Achtelfinale, sind in der Liga Vierter.

Aber Hanning ist alarmiert und wachsam: Denn die Füchse sind in dieser Saison nicht mehr so stark und stabil wie vorher. Sigurdsson musste nach der Niederlage gegen Wetzlar zugeben: „Wir waren nicht gut genug.“ Sicherlich waren die Härte der HSG und schwache Schiedsrichter Ärgernisse, „aber das darf die Mannschaft nicht vom Fokus abbringen“, bemängelte Hanning. Selbst ein Souverän wie Kapitän Torsten Laen vergab einige Male freistehend.

Kriegt das Team die Kurve und findet der Trainer die richtigen Mittel?

Bewusst hatten die Füchse bei der Zusammenstellung der Mannschaft für diese Spielzeit auf wenig neue Reize und viel Kontinuität gesetzt. Lediglich Konstantin Igropulo kam für Rückraumstar Alexander Petersson (zu den Rhein-Neckar Löwen). Kurz vor Saisonbeginn folgte noch Börge Lund als zweiter Neuer. Über den Norweger sagt Hanning nun: „Zum jetzigen Zeitpunkt funktioniert das nicht.“ Igropulo macht Fortschritte, Verletzungen und der Tod seines Vaters hatten den Russen immer wieder zurückgeworfen. „Ich hoffe, er sticht noch“, sagt Hanning. Oft konnte in solchen Situationen im Rückraum der Niederländer Mark Bult helfen, „aber das tut er momentan auch nicht“.

Der Geschäftsführer beobachtet die Situation „bewusst aus einem anderen Blickwinkel“. Eher als Außenstehender mit genauem Blick auf Trainer und Spieler. Wenn es ganz dringend würde, „werde ich auch reingehen“. Soll heißen: richtig einmischen. „Aber das will ich vermeiden.“ Seine kritischen Sätze allerdings dürften schon auch ein Signal an Spieler und Trainer sein. Er spricht von einer „spannenden Situation“, in der man sich befinde. Wer reagiert jetzt wie? Kriegt das Team die Kurve? Findet der Trainer die richtigen Mittel?

Für die Füchse folgen jetzt schwere Spiele in Zagreb, Magdeburg, Minsk und daheim gegen den HSV Hamburg. Bei diesem strammen Programm, sinniert Bob Hanning, „könnte es auch einen Vollschaden geben“.