Handball

Spiel gegen Wetzlar für Füchse Auftakt zu Wochen der Wahrheit

Die HSG Wetzlar hat sich vom Kellerkind zum Favoritenschreck gemausert. Am Abend fordert das Team die Berliner Füchse heraus.

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Kai Wandschneider (52) ist ein erfahrener Mann in Sachen Handball. Seit 24 Jahren steht er als Trainer an der Seitenlinie, bei Profis und Amateuren. Und wenn es mal brenzlig wird, behält der Diplom-Sportlehrer stets die Nerven.

Das bewies der Coach nachhaltig im Frühjahr, als er mit der HSG Wetzlar dem Abstieg aus der Bundesliga nur äußerst knapp entging. Dieser Kampf hat die Hessen geprägt – und enorm stark gemacht. „Wir sind in der vorigen Saison durch ein Stahlbad gegangen“, sagt Wandschneider, der seinen Spielern vertraut. Die Akteure auf dem Feld danken es ihm nun mit dem erfolgreichsten Saisonstart der Vereinsgeschichte.

Angriff deutlich verbessert

Die HSG Wetzlar ist so etwas wie das Team der Stunde, mit acht Siegen aus zwölf Spielen jagen die Hessen das Spitzentrio aus Rhein-Neckar Löwen, THW Kiel und Füchsen Berlin, sie liegen vor den ambitionierten Topvereinen HSV Hamburg und SG Flensburg-Handewitt.

Am heutigen Mittwoch kommt es daher in Berlin zum Spitzenspiel gegen die Füchse (19 Uhr, Max-Schmeling-Halle). Die Gastgeber haben den nötigen Respekt vor der HSG. „Die vergangenen Ergebnisse der Wetzlarer sollten für uns Warnung genug sein“, sagt Berlins Nationalspieler Sven-Sören Christophersen.

Die Hessen feierten Auswärtssiege über Magdeburg und Göppingen sowie einen Erfolg gegen Hamburg. „Die Frage ist nur, ob sie diese Leistung konstant über die gesamte Saison halten können“, so Torjäger Christophersen. Bisher jedenfalls können sie das recht gut.

Der große Unterschied der vergangenen zur neuen Saison, in der die Hessen erneut mit drei Millionen Euro Etat planen, liegt dabei vor allem im deutlich verbesserten Angriff. Mit nur 857 Treffern hatte die HSG in der Spielzeit 2011/2012 gemeinsam mit Balingen den schlechtesten Wert der Eliteklasse. Die Abwehr hingegen war hinter Kiel (809 Gegentore) und Berlin (877) sogar die drittbeste der Liga.

„Wir erzielen jetzt einfach mehr leichte Tore“, sagt Torhüter Nikola Marinovic, der zurzeit in Topform ist und gern über 20 Paraden pro Spiel zeigt. „Außerdem herrscht eine richtig gute Stimmung im Team, die Erfolge haben uns stabiler und selbstbewusster gemacht“, sagt Marinovic: „Und unsere vier Zugänge haben richtig eingeschlagen und den Rest der Mannschaft mitgenommen.“

Einer der Zugänge heißt Tobias Reichmann. Der Rechtsaußen kam von Ligaprimus und Tripelgewinner Kiel nach Wetzlar und fügte sich gleich gut ein. Nach dem 35:25 zuletzt gegen Aufsteiger Neuhausen wurde der 24-Jährige von dem Magazin „Handballwoche“ bereits zum zweiten Mal in die „Mannschaft der Woche“ gewählt. Sein Motto ist Programm in Wetzlar: „Unser Plus ist, dass wir uns immer zerreißen.“

Wochen der Wahrheit für Berlin

Das reklamieren freilich auch die Füchse für sich. „Die Partie gegen Wetzlar ist für uns der Auftakt zu den Wochen der Wahrheit“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning, „unser Anspruch muss es sein, besser als Wetzlar zu sein.“

Gleichwohl schätzt der Berliner Manager die Leistung der Hessen. „Wetzlar hat ein gutes Händchen in Sachen Personalplanung bewiesen und in Kai Wandschneider einen sehr engagierten Trainer.“ Nach dem Spiel gegen die HSG folgen für die Füchse in der Liga die Partien in Magdeburg (27.11.) und zuhause gegen Hamburg (5.12.). Hanning: „Das sind Spiele, die entscheiden, ob wir auf Kurs Richtung Europa bleiben werden.“