So richtig lieb haben seine Gegenspieler ihn nicht. Wie auch, immerhin entwischt ihnen Ivan Nincevic immer wieder. Der Kroate in Diensten der Füchse Berlin ist im Eins-gegen-eins nur ganz schwer zu stoppen, und dann nicht selten mit einem Foul. Der Linksaußen ist wieselflink, sicher am Ball und mit dem nötigen Killerinstinkt ausgestattet. Zudem provoziert er gern, treibt mit aufreizenden Gesten seine Gegner schon mal zur Weißglut. „Das ist mein Spiel. Das ist mein Temperament“, sagt Nincevic.

Wenn die Füchse am Donnerstag in der Champions League den HC Croatia Zagreb empfangen (19.30 Uhr, Schmeling-Halle), wird der Linksaußen wieder mit aller Leidenschaft seinem Job nachgehen. Denn es geht gegen seinen ehemaligen Klub und gegen seine Kollegen aus der kroatischen Nationalmannschaft. „Das motiviert natürlich noch einmal mehr“, sagt Nincevic, „unser Ziel ist klar: Wir wollen zwei Punkte holen und einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Achtelfinale machen.“

Die Ausgangslage für die Füchse könnte besser kaum sein. „Ideal“, nennt sie gar Geschäftsführer Bob Hanning. „Mit einem Erfolg haben wir die Möglichkeit, die Champions League frühzeitig für uns in die richtigen Bahnen zu lenken“, sagt der Manager, der auf den vierten Sieg im fünften Gruppenspiel der Königsklasse hofft. Dann wäre das Achtelfinale ganz nah und das Minimalziel der Füchse frühzeitig erreicht. Allerdings reist mit Croatia Zagreb die beste Handballmannschaft des Landes an. In der vergangenen Saison erreichte der kroatische Meister das Viertelfinale der Champions League, schied dort erst gegen den späteren Sieger THW Kiel aus. „Sie spielen ganz schnellen Handball, haben super Tempo-Gegenstöße“, sagt der 31 Jahre alte Nincevic und ahnt: „Wir müssen in der Abwehr gut stehen und sie ausbremsen.“

Über fünf Tore pro Spiel

Seit Montag bereitet Trainer Dagur Sigurdsson seine Mannen minutiös auf den Gegner vor. Unterstützung bekam er dabei von zwei Insidern, denn neben Nincevic spielte einst auch Berlins Abwehrchef Denis Spoljaric jahrelang für Croatia Zagreb. „Die beiden haben der Mannschaft einige wertvolle Informationen über den Gegner geben können“, sagt Hanning und lächelt vielsagend.

Vor allem Ivan Nincevic kennt sich bei Croatia Zagreb bestens aus, stehen doch viele Nationalspieler dort unter Vertrag. Gemeinsam gewannen sie im Januar bei der Europameisterschaft in Serbien die Bronzemedaille, im August folgte dann in London die olympische Bronzemedaille. „Das waren großartige Erlebnisse“, erinnert sich Nincevic, der in der Hafenstadt Zadar im Süden Kroatiens geboren wurde und seit 2010 in Berlin spielt. Mit insgesamt 21 Toren ist er der beste Berliner Werfer in der Champions League, das sind 5,3 Tore pro Spiel.

Noch ein bisschen größer aber als auf dem Podest in London waren seine Gefühle zu Beginn des Monats. Da brachte seine Ehefrau Marija Söhnchen Lovre zur Welt. Er ist nach Luka (5 Jahre) der zweite Sohn des Handballprofis. „Meine Familie geht über alles, wir fühlen uns in Berlin richtig wohl“, sagt Nincevic, „und die Füchse sind mein großes Handball-Glück.“