Dagur Sigurdsson möchte nicht mehr zurückschauen. „Wir haben das Spiel verloren und sind im Pokal ausgeschieden“, sagt der Trainer der Handball-Füchse. „Das kann passieren, jetzt geht es weiter.“ Nämlich mit dem Bundesliga-Spitzenspiel am heutigen Sonntag (17.30 Uhr, Sport1) bei der SG Flensburg-Handewitt, in der vergangenen Saison hinter Meister Kiel und vor den Berlinern auf Rang zwei der Tabelle. Ein echter Prüfstein für die Berliner Handballer, die in dieser Spielzeit in der nationalen Liga noch ungeschlagen sind (16:2 Punkte, sieben Siege, zwei Remis).
Und doch spielt die Vergangenheit immer noch mit. Dieses 28:32 vom Dienstag in Nettelstedt-Lübbecke, bei dem die Füchse eine schwache Leistung zeigten und verdient verloren. „Wie jedes Spiel haben wir das analysiert – und werden versuchen, es gegen Flensburg besser zu machen“, erklärt der Coach nur.
Was er nicht sagt: Er dürfte noch einmal deutliche Worte gefunden haben, wie bereits direkt nach der Partie. Denn es war nicht allein der schwache spielerische Auftritt, der für Verärgerung sorgte. Dass sich einige Spieler Zwei-Minuten-Strafen wegen Meckerns einfingen, steht ganz oben auf der schwarzen Liste.
Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning spricht im Rückblick von einer „Kombination aus schlecht spielen und Disziplinlosigkeit“. So etwas will bei den Berlinern niemand sehen. Der einzige Profiteur war Außenspieler Markus Richwien. Er verwaltet die Mannschaftskasse, in der die Meckerer brav für ihr Vergehen haben einzahlen müssen. Hanning verweist auf den „internen Strafenkatalog“. Er sei „gespannt, ob das Team nun willens ist, eine Trotzreaktion zu zeigen“.
Flensburg ist Favorit
Strafe ist das eine, aus Fehlern zu lernen, das andere. Kapitän Torsten Laen ist sich vor der schweren Auswärtsprüfung beim momentanen Tabellensechsten (10:4 Punkte) sicher: „Wir sind gegen Lübbecke alle noch mal wachgerüttelt worden, dass wir einhundert Prozent geben müssen, um solche Spiele zu gewinnen.“ Nun müssen den Worten Taten folgen.
Auch Rückraumspieler Konstantin Igropulo fordert: „Wir müssen noch besser zusammenarbeiten. Nur individuelle Momente reichen nicht gegen Lübbecke – und erst recht nicht gegen ein Spitzenteam wie Flensburg.“
„Ein Auswärtssieg würde uns zwei Bonuspunkte bringen“, sagt Hanning. Er weiß, wie schwer es wird. Laen versucht, das Positive rauszuziehen: „Wir haben jetzt den Vorteil, dass Flensburg in eigener Halle gewinnen muss.“
Selbst SG-Trainer Ljubomir Vranjes gibt ehrlich zu: „Wir sind wohl Favorit.“ Nur gegen den ungeschlagenen Meister Kiel musste Flensburg in der vergangenen Spielzeit daheim beide Punkte abgeben, in dieser Saison ist die SG in der Campushalle noch ungeschlagen.
Die Arena dürfte mit 6300 Zuschauern ausverkauft sein, am Sonnabend gab es nur noch Stehplatzkarten. „Es ist ein Vorteil, die Fans im Rücken zu wissen“, erklärt Vranjes. „Wir haben viel Selbstvertrauen, aber wir sind auch gewarnt: Die Füchse können überall gewinnen.“ Aber nur, wenn eine deutliche Leistungssteigerung gegenüber dem Dienstag zu sehen ist – und niemand rummeckert.



