Champions League

Füchse Berlin starten mit Sieg gegen Dinamo Minsk

Die Berliner Handballe mussten Schwerstarbeit verrichten, um den wichtigen Auftaktsieg in der Champions League zu realisieren.

Foto: Maja Hitij / dapd

Rein äußerlich betrachtet, müssten sich die Füchse Berlin im Velodrom eigentlich so richtig wohlfühlen. Die Halle ist ja tief in die Erde gebaut, von weitem kaum zu erkennen, hat viele verwinkelte Gänge. Dunkel genug ist sie auch. Allerdings für ein Spiel in der Handball-Champions-League doch eher bedingt geeignet. Und deshalb skandierten einige der nur 3800 Fans der Füchse Berlin kurz vor dem Ende der 60 Minuten auch vielsagend „Auswärtssieg“. Nein, den Auftakt in der Königsklasse hatten sie sich ein wenig anders vorgestellt beim Final-Four-Teilnehmer der vergangenen Saison.

Immerhin, die Punkte blieben in Berlin. Mit 29:25 (13:13) gewann die Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson am Sonntag ihre erste Partie der Vorrundengruppe D gegen den weißrussischen Meister HC Dinamo Minsk.

„Jeder hat gesehen, wie schwer das war“, sagte der Isländer, „wir hätten das heute auch verlieren können. Phasenweise haben wir sehr schlecht gespielt und viele Fehler gemacht.“ Er lobte auch den starken Auftritt des Gegners, mehr oder weniger zusammengesetzt aus der weißrussischen Nationalmannschaft.

Gäste lagen kurz vor Ende vorn

Die Gäste gaben nie auf, lagen sieben Minuten vor dem Abpfiff sogar noch mit 24:23 vorn. „Wir standen heute neben uns, aber irgendwie haben wir das mit Gewalt durchgezogen“, analysierte Sigurdsson, „Kompliment an meine Jungs für diesen Kampfgeist. Und zum Schluss hat Iker Romero uns im Angriff getragen. Es ist im Moment nicht leicht für ihn, aber er hat einen Riesencharakter gezeigt.“

Der Spanier wurde wie zuletzt so häufig nur wenige Minuten eingesetzt. Aber in den entscheidenden Momenten ist er immer noch sehr wertvoll für sein Team. Ganz besonders im Zusammenspiel mit Jevgeni Pevnov. Beide bohrten in der letzten Viertelstunde gnadenlos Löcher in die ansonsten so dichte Minsker Abwehr. Mal spielte Romero den Kreisläufer an, und der schloss ab oder holte wenigstens einen Siebenmeter heraus. Dann wieder blockte Pevnov Räume frei für den Rückraumschützen, der dann selbst mit brachialer Gewalt traf.

Oder Romero verblüffte die Weißrussen, die sich nun ganz in diese beiden Hauptkonkurrenten zu verbeißen suchten, mit einem öffnenden Pass auf die andere Seite, auf der Markus Richwien dankbar vollendete. Und so wendete sich das Blatt schließlich doch scheinbar eindeutig zugunsten der Gastgeber.

Im Velodrom sah es finster aus

Aber klar war der Sieg beileibe nicht. „Das war ein Super-Warnschuss für die Saison“, sagte Nationalspieler Sven-Sören Christophersen, der am Sonntag kaum einmal zum Zuge kam. Beste Berliner Werfer waren Ivan Nincevic (8 Treffer/davon 4 Siebenmeter), Bartlomiej Jaszka (5), Markus Richwien (4) und Mark Bult (4/1).

Minsk setzte dem Bundesliga-Tabellenführer mit sehr offensiven Deckungsvarianten enorm zu, ließ den Füchse-Rückraum schwach aussehen. Im düsteren Velodrom sah es vorübergehend ziemlich finster aus für die Hausherren. Zumal die Gäste auch in der Offensive ein gutes Mittel gefunden hatten, die Berliner Torhüter Petr Stochl und Silvio Heinevetter zu quälen: mit tiefen Würfen, oft durch die Beine der Berliner Abwehr geschossen, so sehr spät zu sehen und noch schwerer zu halten. „Wir sind nicht so aufgetreten, wie wir uns das vorgenommen hatten“, gab Christophersen zu und ergänzte, „und das kann man nicht auf die Halle schieben.“

Dennoch: Ein Hexenkessel, wie er die Füchse in der vergangenen Saison noch so stark gemacht hat, sieht anders aus. 3800 Zuschauer, die sich alle Mühe gaben, ihr Team lautstark zu unterstützen, bedeuten gleichwohl Minusrekord für die Füchse in der Champions League. Viele Plätze waren unbesetzt geblieben. „Das war schon ungewohnt und fühlte sich erst mal wie ein Auswärtsspiel an“, sagte Richwien.

Auch Christophersen fand: „Man sitzt in der Kabine und denkt nicht, dass man zu Hause ist.“ Alles sei ein bisschen extrem gewesen, erklärte Romero: „Ich hoffe, das war das letzte Mal, das wir hier gespielt haben.“ So wird es wohl auch sein. Auf die Frage, ob er sich eine Rückkehr ins Velodrom vorstellen könne, antwortete Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning sehr schnell: „Nein. Alle sind hier sehr nett zu uns, das ist es nicht. Aber es kann nicht unser Anspruch sein, fünf Heimspiele an drei verschiedenen Orten zu haben. Unser Fuchsbau ist die Schmeling-Halle.“ Egal, dass er von außen nicht so aussieht.