Handball

Füchse mit Bauchschmerzen in die Champions League

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Dietmar Wenck

Foto: Thomas Starke / Bongarts/Getty Images

Die Berliner Handballer wollen in der Königsklasse ins Play-off. Aber ihre Hallensituation ist unbefriedigend.

Wie kriegt man die Kurve zwischen gesundem Selbstvertrauen und nüchtern-realistischer Einschätzung? Schafft es, weder überheblich rüberzukommen noch als Tiefstapler? Für die Füchse Berlin keine so einfache Aufgabe. Einerseits ist der Handball-Bundesligist erst zum zweiten Mal in der Champions League dabei. Auf der anderen Seite hat die Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson nun einmal bei ihrer Champions-League-Premiere gleich den Sprung unter die besten Vier des Kontinents geschafft. Wo also sich selbst einordnen vor dem Start in die zweite Saison am Sonntag (16.15 Uhr, Velodrom) gegen den weißrussischen Meister Dinamo Minsk?

„Man merkt die deutlich gewachsene Akzeptanz“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning, „in der Stadt, aber auch darüber hinaus.“ Die Füchse haben in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ihr Sponsorenvolumen leicht erweitern können, der Etat ist auf 5,3 Millionen Euro gestiegen. Jeder Spielervermittler, erzählt der Manager, habe seine Stars auch ihm angeboten, „wir sind nicht mehr ausgeschlossen, wir sind jetzt ein Premiumprodukt“. Lachend fügt er hinzu: „Erst, als es um das Gehalt ging, waren wir wieder ausgeschlossen.“ Obwohl die Füchse einen sportlichen Höhenflug hingelegt haben: Finanziell gehören sie noch nicht zur europäischen Spitze.

Dass man es dennoch weit bringen kann, beweisen die Füchse immer aufs Neue. Am Mittwoch gewannen sie 33:29 in Nettelstedt-Lübbecke, gehen als ungeschlagener Bundesliga-Tabellenführer in die Partie gegen Minsk. In Europa sind die Kontrahenten gleichwohl von anderem Kaliber. Als Favoriten in der Füchse-Vorrundengruppe D gelten der FC Barcelona und Croatia Zagreb. Mit den Weißrussen, den Kadetten Schaffhausen und dem ungarischen Klub Pick Szeged, so erwartet es der Berliner Kapitän Torsten Laen, wird sich der Bundesligist um die Plätze drei und vier prügeln.

Spieldaten spät bekannt gegeben

„Unser Ziel ist es weiterzukommen“, sagt der Däne, „diese Stabilität müssen wir haben.“ Die Mannschaft bringe aus der vergangenen Saison vor allem eines mit, das aber gleich in dreifacher Ausführung: „Erfahrung, Erfahrung, Erfahrung. Wir haben hoffentlich viel gelernt.“ Gleichzeitig wisse Europa nun, was in Berlin los sei, ergänzt der 32-Jährige: „Jeder hat unser Projekt kennen gelernt. Alle sind topmotiviert gegen den Final-Four-Teilnehmer.“ Auf dem Papier sei die Gruppe nicht so schwer wie im Vorjahr. Was nicht zu Unkonzentriertheit verführen dürfe; jeder Zähler sei wichtig, um die bestmögliche Ausgangsposition für das Play-off zu erreichen. „Auswärts zu punkten“, glaubt Laen, „ist der Schlüssel für einen guten Tabellenrang. In den Heimspielen“, der Kapitän erinnert an das jüngste Aufeinandertreffen mit den Kielern, „da können wir alle schlagen, das hat man gesehen.“ Wobei: Heimspiele sind auch nicht immer gleich Heimspiele.

Erst recht nicht in dieser Champions-League-Saison. Der europäische Handball-Verband EHF hat die Spieldaten spät bekannt gegeben. „Das hat uns sehr geschadet“, ärgert sich Hanning. Die Max-Schmeling-Halle ist ja nicht allein für die Füchse da, die Folge: Am Sonntag müssen die Berliner ins Velodrom ausweichen. Gegen Barcelona ziehen sie in die O2 World um. Die Partie wird ausverkauft sein; nur haben die Füchse in der Arena am Ostbahnhof noch nie gewonnen. Die Partien gegen Schaffhausen und Zagreb finden in der Schmeling-Halle unter der Woche statt – vermutlich vor weniger Zuschauern als Sonnabend oder Sonntag. Ein wahrer Heimvorteil sieht anders aus.

„Über die Situation mit unseren Heimspielen sind wir nicht glücklich“, klagt der Manager. „Der Vorverkauf für das Spiel im Velodrom etwa läuft schleppend.“ Nur 6800 Zuschauer finden dort Platz, aber Hanning rechnet nicht damit, dass so viele kommen. Kein Vergleich also zur heißen Atmosphäre in der Schmeling-Halle.

Wer einmal im Final Four stand, der will nicht aufgrund solcher Misslichkeiten in Gefahr geraten, das Saisonziel zu verfehlen. Wobei Torsten Laen daran erinnert, was der europäische Auftritt für ihn und seine Kollegen noch bedeutet. „Wir müssen das auch genießen, in der Champions League zu spielen“, sagt er, „in Zagreb zum Beispiel gibt es eine neue Halle für 15.000 Zuschauer. In Barcelona spielen wir im Palau Grana. Das ist etwas Besonderes.“ In seinen Worten klingen zugleich Begeisterung und Sachlichkeit durch. Mit dieser Mischung sind die Füchse bei ihrem ersten Anlauf weit gekommen.