Auf manches wartet Konstantin Igropulo noch vergebens. Auf seine Frau Marina vor allem; die in Russland sehr populäre Schlagersängerin hat in Moskau mit allerhand Formularen zu kämpfen, ehe sie nach Berlin ziehen darf. Auf sein Gepäck und seine Möbel, die er in Spanien zurückließ, wo der Handballprofi zuletzt das Trikot des FC Barcelona trug. Doch immerhin hat sich am Mittwochabend etwas anderes eingestellt, das er ebenfalls schon schwer vermisst hatte: Igropulo hat in seinem dritten Pflichtspiel für Bundesligist Füchse Berlin nachgewiesen, was er für seinen neuen Verein wert sein kann. Beim 29:26-Erfolg gegen Frisch Auf Göppingen erzielte der 27-Jährige neun Tore.
„Das Wichtigste war: „Wir haben gewonnen“, rückt er aber seine Leistung gleich in den Hintergrund. Wie erste Eindrücke doch täuschen können. Als Igropulo zum ersten Vorstellungsgespräch bei den Füchsen eintraf, kam er mit dem Taxi zur Geschäftsstelle in Mitte. Kann man ja mal machen – aber nicht gerade, wenn man aus Prag anreist. Dort hatte er mit der russischen Nationalmannschaft ein Länderspiel bestritten. Starker Auftritt, leicht gezuckt haben sie da schon in Berlin. Aber leise Befürchtungen, es mit einem versnobten Typen zu tun zu haben, zerschlugen sich schnell. Ebenso wie sich Sorgen als unbegründet erwiesen, er könne bei den Füchsen niemals den zu den Rhein-Neckar Löwen abgewanderten Alexander Petersson ersetzen. Denn im ersten Punktspiel gegen GWD Minden hatte er noch enttäuscht: sechs Würfe, kein Treffer.
„Jeder kannte meinen Namen”
„Es war anders als in der Saisonvorbereitung“, schildert der Hüne, der als Kind mit seinen Eltern von Griechenland nach Russland umzog, rückblickend seine Premiere, „wir spielten vor so einer großen Kulisse. Und ich spürte die hohen Erwartungen.“ Das kann selbst einen erfahrenen Profi wie ihn verunsichern. In Barcelona spielte er vor ein paar Hundert Fans, plötzlich sind es 8000 in der Schmeling-Halle. Die ihn dann aber am Mittwoch schon behandelten wie einen alten Kumpel. „Das Publikum hier ist unglaublich, einfach toll. Ich hatte das Gefühl, jeder kannte meinen Namen. Das ist ein großer Unterschied zu Spanien.“
Der neue Mann habe wieder einen Schritt vorwärts gemacht, lobt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning den Linkshänder. „Er muss neue Konzepte lernen, in Spielsysteme finden. Das wird noch zwei bis drei Monate dauern. Ich würde mir auch wünschen, dass er den Ball etwas schneller laufen lässt.“ Eingewöhnungsprobleme, es wird schon. Dass Igropulo den abgewanderten Weltklasseverteidiger Petersson in der Abwehr würde ersetzen können, erwarte sowieso niemand, betont der Manager. Im Angriff profitiert das Team aber bereits vom Russen. Vor allem Rechtsaußen Markus Richwien, der mit viel mehr präzisen Pässen versorgt wird als in der Vorsaison.
„Alles läuft gut“, sagt Igropulo. Ganz wie erwartet, könnte man hinzufügen, denn er war von seinem Freund aus Barcelona-Zeiten, Iker Romero, genau informiert, wie die Handball-Szene in Deutschland tickt. „Ich wollte ein gutes Team und eine große Stadt“, sagt er, „außerdem war da ein Verein, der in den vergangenen Jahren immer höher gekommen ist, das hat mich beeindruckt. Berlin war meine erste Option.“ Perfekt, denn Konstantin Igropulo war auch Berlins erste Option. Jetzt müssen nur noch die vermissten Schätze eintreffen.





