Handball

Füchse starten mit nur zwei neuen Spielern in die Saison

Mit Igropulo und Lund haben die Berliner Füchse zwei Spitzenkräfte verpflichtet. Die Saison startet am Sonntagabend gegen Minden.

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Die Neugier vor dem Anwurf war groß. Aber dank der Sonderhefte und via Internet konnten die Spieler der Füchse Berlin ihren Wissensdurst stillen und damit auch so manch schwere Stunde in der Vorbereitung mit kurzweiliger Unterhaltung füllen. Welche Stars bereichern die Handball-Bundesliga, wer wandert ab und mit welchen Summen gehen die Vereine in die neue Spielzeit?

Torsten Laen, der Kapitän der Füchse, erinnert sich noch genau an ein Foto, auf dem zehn Spieler der Rhein-Neckar Löwen im Wettkampfdress abgebildet waren. „Wir dachten alle, dass das die gesamte Mannschaft der Mannheimer ist“, sagt der Däne und lacht: „Dabei waren das nur die neuverpflichteten Spieler.“

Bei den Füchsen mussten sie auf dem Mannschaftsfoto für die neue Spielzeit, die für die Berliner an diesem Sonntag mit dem Heimspiel gegen Aufsteiger GWD Minden beginnt (17.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle), hingegen nicht allzu sehr zusammenrücken. Mit Konstantin Igropulo (FC Barcelona) und Börge Lund (Rhein-Neckar Löwen) wurden zwei Spitzenkräfte verpflichtet, die über viel internationale Erfahrung verfügen, hinzu kommen die beiden Nachwuchskräfte aus der eigenen Jugend, Jonas Thümmler und Maximilian Kroll. Damit bleibt der Hauptstadtklub seiner Personalpolitik treu, die von Kontinuität und Konstanz geprägt ist. „Wir sind eine sehr kompakte und homogene Truppe“, sagt denn auch Torsten Laen, der seit 2009 im Verein spielt, „und das ist auch der Schlüssel zu unserem Erfolg.“

In der Tat können die Füchse mit Stolz auf das zurückliegende Jahr blicken. Bei ihrer Premiere auf internationalem Parkett erreichten sie in der Champions League sensationell die Endrunde der vier besten europäischen Klubmannschaften. In der Bundesliga, die gemeinhin als stärkste Handball-Liga der Welt gilt und in der laut Geschäftsführer Bob Hanning „470 der 500 weltweit besten Handballer“ tätig sind, gelang bereits zum zweiten Mal in Folge Rang drei, wodurch die Berliner erneut die Startberechtigung in der Königsklasse erlangten. „Wir sind jetzt da, weil wir es so wollten und weil wir uns mit Leidenschaft und dem bedingungslosen Einsatz der ganzen Füchse-Familie dafür eingesetzt haben“, sagt Hanning. Geht nicht, gibt's nicht im Fuchsbau.

Europacup ist das Ziel

Einen Platz unter den Top fünf streben die Berliner an, denn der Europacup soll es auch in der nächsten Saison wieder unbedingt sein. „Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie ganz vorne dabei sein kann, unser Hunger ist nach wie vor sehr groß“, frohlockt Kapitän Laen. Das Wort Meisterschaft darf im Fuchsbau zwar ausgesprochen werden, kann aber nicht das Saisonziel sein. Noch nicht. „Wir haben letztes Jahr gesagt, wir wollen in den kommenden fünf Jahren mindestens viermal europäisch spielen. Das ist und bleibt unser Ziel“, sagt Hanning. „Der Gewinn der Champions League oder der Deutschen Meisterschaft ist undenkbar. Und im DHB-Pokal braucht man das Quäntchen Glück bei der Auslosung, um ganz weit vorn zu landen.“ Seit der Gründung der Füchse Berlin ging es mit dem Verein immer nur bergauf. Nach dem Aufstieg in die Beletage des deutschen Handballs verbesserte sich das Team jedes Jahr, bis es in der Saison 2010/2011 mit Rang drei in die nationale Spitze vorstieß. Erfolg weckt Begehrlichkeiten, der Druck auf Spieler und Verantwortliche steigt.

„Wir hatten letztes Jahr keine Angst und haben auch jetzt keine Angst“, sagt Trainer Dagur Sigurdsson, der erst am Freitag seinen Vertrag vorzeitig bis 2017 verlängerte. Der Kontrakt mit der für Profisport ungewöhnlich langen Laufzeit beweißt auch die Nachhaltigkeit der Pläne im Berliner Handball. „Uns geht es bei den Füchsen um das große Ganze. Wir wissen, wohin wir mit dem Verein wollen. Mit der Bundesligamannschaft und dem Nachwuchs“, sagt Hanning. Dabei stehen die Erfolge des Profiteams mit der professionellen Jugendarbeit auf einer Stufe. „Wir denken langfristig. Wir zahlen jetzt erst einmal ein in die Jugendarbeit, in zwei bis drei Jahren wollen wir den Ertrag haben.“ Dann stellt der Manager unmissverständlich klar: „Zum Wohle unseres Nachwuchses würde ich sogar auf die Champions League verzichten.“

Die Integration der beiden neuen Top-Spieler Lund und Igropulo, der den abgewanderten Alexander Petersson ersetzen wird, ist schon weit vorangeschritten. Dafür sorgte gleich zu Beginn ein Trainingslager in Island, bei dem sich die 16 Profis ein Zimmer teilten.

„Eine soziale Mannschaft”

„Da habe ich mich gleich gut eingefunden“, sagt Börge Lund. Der Norweger war von Beginn an sehr angetan von seinem neuen Team. „Denn die Füchse sind kein Zusammenschluss von Egoisten, sondern das ist eine richtig gute, funktionierende Mannschaft“, sagt der Rechtshänder. Lund hat schon viel Erfahrung in der Bundesliga sammeln können, spielte einst in Nordhorn, Kiel und Mannheim. „Der Weg zum Erfolg im Mannschaftssport geht nur über die Kontinuität. Und die haben die Füchse“, weiß Lund. Er sagt, dass die Füchse „eine soziale Mannschaft“ seien. „Jeder hat seine Rolle und begegnet dem anderen mit Respekt.“

Das Thema Kontinuität haben sich die Füchse aber nicht nur auf dem Spielfeld zur Maxime gemacht, auch wirtschaftlich steigert sich der Verein von Jahr zu Jahr. Aber immer nur soweit, wie es eben finanziell darstellbar ist. „Bei uns gibt es keinen Titel auf Pump“, stellt Hanning klar, „wir wollen auch weiter organisch wachsen. Das Geld sitzt unverändert eng, aber wir haben zum Glück keinen unserer Partner verloren, sondern mehrere dazu gewonnen. Damit stehen wir auf breiten Füßen.“ Der 44-Jährige warnt aber vor überzogenen Erwartungen: „Von den Möglichkeiten der großen Klubs wie Kiel oder Hamburg sind wir meilenweit entfernt.“