Handball

Die Füchse Berlin schuften für den Erfolg

Für die Berliner Handballer gilt es nach zwei dritten Plätzen, den hohen Anspruch der Bundesliga zu erfüllen.

Foto: Annegret Hilse

Vorsichtig tippt Iker Romero mit dem rechten Zeigefinger auf den Nasenrücken und verzieht beide Mundwinkel. Die Wunde ist noch frisch. „Hast du das gesehen“, fragt der Spanier in Diensten der Füchse Berlin aufgeregt, fängt nur Sekunden später aber an zu grinsen. „Das war brutal, ganz knapp am Bruch vorbei, zum Glück“, sagt Romero. Ein Gegenspieler von BM Aragon hatte ihm am vergangenen Wochenende beim EVFH-Cup in Ehingen diese Verletzung beigebracht, aber einen Iker Romero haut so schnell nichts um. „Alles ist super“, sagt der Rückraumstar des Berliner Bundesligaklubs, „wir haben hart gearbeitet, ich bin topfit und heiß auf die Saison. Wir warten auf das erste Spiel.“

Auftakt am Sonntag gegen Minden

Die Vorbereitung war wie im Vorjahr hart und entbehrungsreich. Seit fünfeinhalb Wochen hält Trainer Dagur Sigurdsson seine Mannen auf Trab, lässt seine Profis schuften für den Erfolg. Im Wald, auf dem Parkett sowie an den Maschinen im Kraftraum. Neben den athletischen Grundlagen und den handballerischen Übungen setzte der Coach zuletzt mehr und mehr auch auf die spieltaktische Schulung. Wie weit die Berliner jetzt tatsächlich sind, wird sich am Sonntag zeigen, wenn die Füchse im ersten Spiel der neuen Bundesligasaison GWD Minden empfangen (17.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle). „Wir wollen unbedingt mit einem Erfolg starten“, sagt Romero, „danach wollen wir auch das zweite Spiel gewinnen und das dritte und das vierte und das fünfte.“ Der Spanier hält inne, denkt kurz nach und sagt: „Und dann wollen wir den THW Kiel schlagen.“

Träumen ist im Fuchsbau ausdrücklich erlaubt, denn nur wer nach Höherem strebt, kann seine Ziele auch verwirklichen. Und dass so mancher Wunsch auch in Erfüllung geht, das haben sie beim Hauptstadtklub in der jüngsten Vergangenheit immer wieder erleben dürfen. Schon im zweiten Jahr haben sich die Füchse in Folge mit Platz drei direkt für die Champions League qualifiziert, in der sie es im Mai sogar bis ins Final Four geschafft hatten. Zwar belegten sie in der Endrunde der vier besten europäischen Vereinsmannschaften am Ende nur Rang vier, scheiterten dabei aber im Halbfinale am späteren Sieger THW Kiel nur ganz knapp mit einem Tor.

Trainer tippen auf Kiel als Meister

Die Erfolge haben den Berliner Handballspielern Lust auf mehr gemacht. „Wir haben großen Hunger, wieder oben zu landen“, sagt Kapitän Torsten Laen vor dem Anwurf zur neuen Saison. Zu Größenwahn neigt jetzt keiner, von einem Titelgewinn spricht daher niemand. „Natürlich werden die Erwartungen größer. An der Zielsetzung, uns für Europa zu qualifizieren, werden wir aber nichts ändern“, sagt Laen, „wir sagen bestimmt nicht, dass wir Deutscher Meister werden können.“

Der Titel geht auch in der Spielzeit 2012/13 wohl nur über den THW Kiel. In einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa tippten alle 17 Liga-Kontrahenten auf die Meisterschaft der Mannschaft von Trainer Alfred Gislason. „Kiel ist der klare Favorit“, sagt denn auch Berlins Geschäftsführer Bob Hanning. Aber wie er hoffen auch die anderen Manager auf mehr Spannung als zuletzt. Denn nach der Kieler Saison mit dem Tripel aus Meisterschaft, Champions League und DHB-Pokal war vor allem in der Bundesliga etwas Langeweile aufgekommen. Mit 68:0 Punkten hatte der THW als erstes Team einen Meistertitel ohne Verlustpunkt gewonnen. „Ich wünsche mir eine ausgeglichene und spannende Saison. Der THW kann von mir aus Meister werden, aber bitte erst am letzten Spieltag. Das würde der Liga gut tun“, sagt Hanning, der sich darüber freuen darf, dass die Füchse laut der Umfrage zum engeren Kreis der Titelanwärter zählen. Ebenso wie der Vorjahres-Zweite SG Flensburg-Handewitt. Auch dem Ex-Meister HSV Hamburg und den Rhein-Neckar Löwen werden Chancen auf eine Überraschung eingeräumt.

„Das zu wiederholen, wird schwierig”

Mit den Erfolgen der zurückliegenden Jahre sind auch die Erwartungen an die Füchse gestiegen. Der Druck in einer Stadt wie Berlin ist groß, ebenso wie die Sehnsucht nach Titeln. Aber die Füchse arbeiten hart dafür, das Erreichte nun zunächst erst einmal zu wiederholen. Immerhin waren sie im letzten Jahr von schlimmen Verletzungen verschont geblieben. „Und wir haben die vergangenen zwei Jahre fast schon über unserem Potenzial gespielt. Das zu wiederholen, wird sehr schwierig“, sagt denn auch Kapitän Laen und untermauert damit Hannings Einschätzung, der die Bestätigung des dritten Platzes und den neuerlichen Einzug ins Final Four der Champions League eigentlich nicht für wiederholbar hält. „Ich würde mich aber auch in der neuen Saison gern wieder täuschen“, so der Manager. Immerhin, die beiden Vorbereitungsturniere konnten von den Füchsen gewonnen werden, und die Eingewöhnung der beiden Zugänge Konstantin Igropulo (FC Barcelona) und Börge Lund (Rhein-Neckar Löwen) ist bereits gut vorangeschritten.

Iker Romero reibt sich seine Nase. Es juckt – ein gutes Zeichen. Zeigt es doch, dass sich die Verletzung im Heilungsprozess befindet. Dann hebt er an: „Alle wissen ja jetzt, dass die Füchse eine große Mannschaft sind. Und alle wollen jetzt gegen uns gewinnen.“