Handball

Füchse qualifizieren sich wieder für die Champions League

Die Berliner haben sich gegen den TBV Lemgo mit 36:24 (19:8) durchgesetzt und sich damit erneut für die Champions League qualifiziert.

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Alexander Petersson konnte gar nicht genug bekommen. Immer wieder riss der Isländer vor der jubelnden Menge in der Max-Schmeling-Halle beide Arme hoch und genoss den lautstarken Zuspruch der 8930 Zuschauer. Dabei wichen seine beiden Söhne Lukas und Tomas nicht von der Seite des Rückraumspielers. „Es war eine super schöne Zeit hier“, sagte Petersson mit erstickter Stimme und sog die letzten Sekunden in sich auf. Der Isländer verlässt die Berliner und wechselt zu den Rhein-Neckar Löwen.

Kompliment vom Trainer

Mit 36:24 (19:8) gewann der Hauptstadtklub seine letzte Partie vor heimischer Kulisse in der Handball-Bundesliga und sicherte sich mit diesem Sieg erneut die direkte Qualifikation für die Champions League. Im letzten Saisonspiel geht es am Sonnabend nach Melsungen. „Großes Kompliment an die Mannschaft, sie hat das super durchgezogen und ich bin sehr stolz, dass wir den dritten Platz in der Liga jetzt sicher haben“, freute sich Trainer Dagur Sigurdsson.

Bereits im zweiten Jahr hintereinander haben sich die Füchse damit direkt für die Königsklasse qualifiziert, und dass diese den Berlinern außerordentlich gut mundet, bewiesen sie in der laufenden Saison. So erreichten sie völlig überraschend die Endrunde der vier besten Klub-Mannschaften des Kontinents, wo sie am vergangenen Wochenende in Köln im Halbfinale nur mit einem Tor am späteren Champions-League-Sieger THW Kiel gescheitert waren. „Ich bin so stolz auf die Mannschaft. Was sie geleistet hat, ist ganz großer Sport“, sagte Geschäftsführer Hanning und lachte: „Das macht Lust auf mehr!“ Außerdem habe man mit der erneuten Qualifikation auch Nachhaltigkeit bewiesen. „Jetzt kann für uns ein neuer Traum geboren werden.“

Ein Strahlen auf seinem Gesicht hatte gestern Abend auch Mark Bult. Der Niederländer war mit zwölf Toren (davon vier Siebenmeter) der Matchwinner der Partie, dabei litt er eigentlich unter Schlafmangel. Am Dienstag war er zum zweiten Mal Vater geworden, Sohn Sem (hebräisch: Der Ruhmreiche) und seine Frau sind wohlauf, schauten sich die Partie gegen Lemgo im Krankenhaus via TV an. „Ich war schon müde, aber so ein Spiel macht natürlich richtig Spaß“, sagte Bult.

Als „absolutes Endspiel“ hatten die Füchse das Duell mit Lemgo tituliert. Und mit dem unbedingten Willen, den Matchball für die Champions League zu verwandeln, legten die Berliner gleich engagiert los. Im Tor erhielt Petr Stochl den Vorzug vor Silvio Heinevetter, und der Tscheche zeigte von Beginn an exzellente Reflexe. Mit insgesamt 24 gehaltenen Bällen leitete der Keeper immer wieder erfolgreiche Tempogegenstöße ein. Da durfte nach zehn Minuten sogar Denis Spoljaric jubeln, nachdem er das 5:4 erzielt hatte. Dass sich der Abwehrchef in die Torschützenliste eintragen darf, ist eher selten, umso ausgelassener war sein Jubel.

Mann mit dem härtesten Wurf

In seinen letzten Minuten vor heimischer Kulisse drehte auch Alexander Petersson noch einmal groß auf. Mal fing er in der Abwehr einen Ball ab, dann wieder zog er kraftvoll in Richtung Lemgoer Tor ab. Der Linkshänder verfügt mit 119 Stundenkilometern über den härtesten Wurf der Bundesliga. „Die Rhein-Neckar Löwen bekommen mit ihm einen vorbildlichen Profi“, sagte Manager Hanning, „Alex ist ein Spieler, der immer alles gibt und sich in jeden Ball wirft.“ Das zeigte er auch gestern wieder. Heute beim Mannschaftsabend im italienischen Restaurant „Don Camillo“ wird Petersson noch einmal vom Team verabschiedet.

In der 20. Minute kam Iker Romero für den an der Hand verletzten Bartlomiej Jaszka aufs Feld. Da schaute auch TV-Moderatorin Anett Sattler genau hin. Der Spanier und die hübsche Blondine von Sport1 sind seit kurzem ein Liebespaar. Eine besondere Freude am Auftritt Romeros hatten auch einige Fans auf der Tribüne. Sie hatten sich blaue Bänder um den Kopf gewickelt. Eine Anspielung auf das kleine Finale am vergangenen Sonntag gegen AG Kopenhagen. Da hatte Romero am Kopf geblutet und sich selbst eine blaue Idealbinde um den Kopf gewickelt, um weiterzuspielen.

Angeführt vom starken Bult konnte die Füchse die Partie früh für sich entscheiden. So geriet der zweite Durchgang zum Schaulaufen, da wurden die Anspiele auch mal hinter dem Rücken gewagt oder der Ball per Heber ins Tor befördert. Die Fans sangen „Oh, wie ist das schön.“ Und Bob Hanning fand: „Das war ein denkwürdiges letztes Heimspiel.“