Handball

Füchse peilen für nächstes Jahr wieder die Königsklasse an

Das Aus in der Champions League gegen Kiel war hart. Nächstes Jahr wollen es die Füchse deshalb noch besser machen.

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Das Nachspiel schmeckte köstlich und erfüllte die Protagonisten mit neuer Energie. Nach der Rückkehr vom Final Four der Champions League aus Köln, bei dem die Füchse im Spiel um Platz drei am Sonntag AG Kopenhagen 21:26 (9:13) unterlegen waren, traf sich die Handball-Mannschaft am Sonntag im Hotel Berlin, Berlin am Lützowplatz zum gemütlichen Brunch. Die Spieler des Bundesligaklubs durften ihre Frauen mitbringen und so wurde bei eben nicht nur über Handball geredet.

Das bestimmende Thema war es natürlich schon, immerhin hatte die Teilnahme an der Endrunde des renommierten Klubwettbewerbs doch alle Aktiven und Verantwortlichen schwer beeindruckt. „Das war eine einzigartige Stimmung“, sagte Torhüter Silvio Heinevetter, „jetzt müssen wir weiterkämpfen, damit wir nächstes Jahr wieder in der Champions League spielen und es nach Möglichkeit auch wieder zum Final Four zu schaffen.“ Auch Kreisläufer Evgeni Pevnov war am Tag danach noch hin und weg: „Dieses Erlebnis war der pure Wahnsinn!“

Trotz der zwei für Körper und Geist anstrengenden Partien bat Dagur Sigurdsson seine Profis gestern schon wieder zum Training. Viel Zeit zum Verarbeiten des bislang größten Erlebnisses ihrer Vereinsgeschichte bleibt den Füchsen nicht, steht doch am Mittwoch bereits mit der Bundesligapartie gegen den TBV Lemgo (18.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) das nächste „Endspiel für den Berliner Handball“ an, wie Coach Sigurdsson sagt. Ein Punkt genügt den Füchsen, um wie schon im Vorjahr die direkte Qualifikation für die Champions League zu erreichen.

„Wir müssen jetzt ganz schnell wieder in die Spur kommen. In Berlin herrscht große Lust auf Handball, und mit dem Erfolg gegen Lemgo wollen wir wieder den Sprung in die Champions League schaffen.“ In der nächsten Saison habe man dann mehr Erfahrung. „Im Sport bekommt man auch mal auf die Fresse, aber dann muss man auch wieder aufstehen“, sagte der Isländer, der nach der Pleite gegen Kopenhagen wie seine Spieler „natürlich sehr enttäuscht“ war. „Aber wir hoffen, dass wir nächstes Jahr wieder in Köln dabei sind und es dann besser machen können.“

Schlecht war es freilich überhaupt nicht, was die Füchse beim Final Four gezeigt haben. Beim 24:25 (12:15) am Sonnabend im Halbfinale gegen den THW Kiel hatten die Berliner den in dieser Saison noch ungeschlagenen Nordklub am Rand einer Niederlage, am Ende aber siegte Kiel dank Routine und Cleverness.

Am Tag darauf triumphierte die Mannschaft von Trainer Alfred Gislason dann im Finale gegen Atletico Madrid mit 26:21 (13:10) und schaffte das erhoffte Tripel aus Meisterschaft, Pokal und Königsklasse. „Im Halbfinale hat nicht der Bessere sondern der Glücklichere gewonnen“, analysierte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning und attestierte dem Team „ein Riesenturnier“. Sicherlich habe man auf die Sensation gehofft, man fahre ja nicht dorthin, um abzuschenken. Die Trauer hielt sich jedoch in Grenzen. „Das Wunder ist jetzt zu Ende, aber der Traum geht weiter. Wir haben gezeigt, dass wir in die Champions League gehören.“

„Es hat nur ein Mü gefehlt gegen Kiel"

In der Tat hat in dieser Saison kaum eine Mannschaft den THW Kiel so sehr in Bedrängnis gebracht wie die Füchse im Halbfinale. Beinahe hätten sie den großen Favoriten zum Stolpern gebracht. „Es hat nur ein Mü gefehlt gegen Kiel. Da zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagt Hanning, der aber auch beobachtet hat, dass bei seinem Team noch die Erfahrung fehlt. „Die Mannschaft ist es ja nicht gewohnt, solche Endspiele zu bestreiten. Wir waren physisch und psychisch noch nicht in der Lage, solch ein Turnier zu spielen.“

Aber dafür standen im Gegensatz zum THW gleich mehrere deutsche Spieler auf dem Platz. Und gegen Kopenhagen gab Dagur Sigurdsson in der Schlussphase vor allem den Jungspunden wie Johannes Sellin, Colja Löffler oder Jugend-Nationalspieler Fabian Wiede eine Chance, sich auf der großen Handball-Bühne zu zeigen.

Dass die zwei Niederlagen sich in den Köpfen der Berliner Spieler festsetzen, glaubt Hanning nicht. Im Gegenteil: „Diese zwei Pleiten machen Hunger auf mehr. Wir haben ja zwei Jahre lang keine zwei Partien mehr hintereinander verloren, und wir haben keine Lust darauf, dass das so schnell wieder passiert.“

Nun gilt bei den Füchsen die Konzentration auf Lemgo. Hanning: „Am Mittwoch wollen wir den Traum von der Champions League mit einem Erfolg gegen Lemgo wieder aufleben lassen. Wir wissen jetzt, wie süß die Königsklasse schmeckt.“

Einer wird dieses Spiel besonders intensiv erleben: Alexander Petersson bestreitet sein letztes Heimspiel für die Füchse, der Isländer wechselt im Sommer nach zwei Jahren in Berlin zum Liga-Konkurrenten Rhein-Neckar Löwen. Noch aber ist er mit dem Herzen Berliner. Petersson: „Ich will meinen Teil dazu beitragen, damit die Füchse wieder in der Champions League spielen, denn das ist das Größte für einen Handballer.“