Ausgewaschene Jeans, schwarze Lederjacke, weißes T-Shirt mit „Oh Captain“-Aufdruck und die lockigen Haare noch nass vom Duschen. In lässiger Montur und völlig entspannt schlenderte Silvio Heinevetter die Holztreppe im Melia Hotel an der Friedrichstraße hoch, nahm dann mit unbeeindruckter Miene Platz. Wenig später aber gewährte der Handball-Torhüter doch einen Einblick in sein Seelenleben. „Ich freue mich riesig, dass es mit den Füchsen und mir geklappt hat“, sagte der 26-Jährige und lächelte, „ich habe mich für die Stadt und für den Verein entschieden und bin fest davon überzeugt, dass die Füchse langfristig etwas ganz Großes werden können. Die Entwicklung in Berlin ist einfach fantastisch, und es macht Spaß, ein Teil dieses Vereins zu sein.“

Viel war in den vergangenen Wochen darüber spekuliert worden, ob der zurzeit beste deutsche Handballspieler auch in Zukunft für die Füchse im Tor stehen würde. Heinevetters Vertrag sollte im Sommer 2011 auslaufen, und dem deutschen Nationalspieler lagen verschiedene und lukrative Angebote vor. Doch nun ist es offiziell: Heinevetter bleibt dem Hauptstadtklub treu, er unterschrieb einen Kontrakt bis 2014.

Sehr zur Freude der Füchse-Chefetage. „Ich freue mich wahnsinnig darüber, dass Silvio Heinevetter uns mindestens die nächsten drei Jahre erhalten bleibt, er ist für mich neben Heiner Brand und Stefan Kretzschmar das bedeutendste und populärste Gesicht des deutschen Handballs“, jubilierte Klub-Präsident Frank Steffel, der glaubt, dass Heinevetter seine besten zehn Jahre noch vor sich hat. „Silvio wird durch sein außergewöhnliches sportliches Talent und seine Persönlichkeit hier in Berlin zum Weltstar reifen.“ Und Geschäftsführer Bob Hanning strahlte: „Heinevetters Verlängerung ist ein deutliches Bekenntnis zu den Füchsen Berlin, und darüber freue ich mich ganz besonders, er ist damit ein wichtiger Baustein der weiteren Entwicklung.“

Nummer 1 im deutschen Tor

Heinevetter, der seit Saisonbeginn im August überragend hält und damit großen Anteil an der Erfolgsserie der Füchse hat – die Berliner liegen nach zehn Spieltagen mit 17:3 Punkten auf Rang vier der Bundesliga – hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Viele Faktoren wollten bei der Entschlussfindung bedacht werden. Aber immer wieder wurde dem Handballspieler, der mit seinen akrobatischen Paraden nun auch zur Nummer eins im deutschen Tor avancierte, bewusst, „dass ich mich absolut mit Berlin und den Füchsen identifizieren kann.“ Und das, so der gebürtige Thüringer, sei nun einmal ganz wichtig, um gute Leistungen zu zeigen. „In Berlin habe ich ein perfektes Umfeld, die Stadt ist unheimlich spannend und faszinierend, hier fühle ich mich wohl.“ Das liegt auch daran, dass seine Lebensgefährtin, die Schauspielerin Simone Thomalla, hier lebt. Seit mehr als einem Jahr sind die beiden ein Paar. „Aber das ist privat und bleibt privat“, sagt Heinevetter und schmunzelt vielsagend.

Weniger diskret ging es zuletzt im Vertragspoker um den Top-Torhüter zu. So wollten zum Beispiel die von SAP-Milliardär Dietmar Hopp gesponserten Rhein-Neckar Löwen den Füchse-Keeper als Nachfolger für Slawomir Szmal nach Mannheim holen. Heinevetter aber widerstand der Verlockung des Geldes. „Wir haben im Vergleich zum letzten Vertrag nichts draufgelegt“, räumt Manager Hanning freimütig ein und erklärt auch gleich, warum: „Das Gehaltsgefüge in einer Mannschaft muss erhalten bleiben.“ Heinevetter ist auch ohne Gehaltssprung der Top-Verdiener im Füchse-Team.

Am Dienstagabend fällte der 26-Jährige endgültig seine Entscheidung zugunsten der Füchse Berlin, am Donnerstag informierte er nach dem Training dann seine Teamkollegen. Dazu gab es „stilecht“ (Heinevetter) Bouletten und einen Kasten Bier. „Na, so etwas muss man doch auch feiern, sie haben sich ja alle mächtig ins Zeug gelegt, dass ich bleibe.“

Am Sonntag empfängt Silvio Heinevetter mit den Füchsen Aufsteiger Friesenheim in der Max-Schmeling-Halle. Es ist das erste Heimspiel nach Bekanntgabe der Vertragsverlängerung, und der Nationalspieler kann sich auf einen rauschhaften Empfang gefasst machen. Heinevetter: „Ich freue mich auf jedes Spiel, genieße es aber vor allem vor heimsicher Kulisse.“ Die Füchse-Fans werden es ihm danken – bis mindestens 2014.