Die Zeiten, in der die Berliner Füchse in der Liga für die kleinen Brötchen zuständig waren, sind vorbei. Das merken sie nicht nur beim Blick auf die Tabelle, sondern auch daran, dass die Konkurrenz den Kader des Teams von Dagur Sigurdsson sondiert und sich fragt, wer denn wohl die eigenen Reihen verstärken könnte.
Besonders im Visier steht Torwart Silvio Heinevetter (26), der mit seinen Paraden kräftig mithalf, dass die Berliner nach neun Bundesliga-Spieltagen überraschend auf Platz drei stehen. Höchst interessiert sind beispielsweise die Rhein-Neckar Löwen, die zu den großen Drei der Liga zählen. Dort hört Torhüter Slawomir Szmal nach dieser Saison auf und Löwen-Manager Thorsten Storm sagte vergangene Woche vor dem Gastspiel seines Teams in Berlin unverblümt: „Heinevetter ist für uns mehr als eine Alternative.“
Nun sollte man meinen, dass Berlins Manager Bob Hanning angesichts der Abwerbeversuche seines Kollegen stocksauer ist. Ist er aber nicht, sagt vielmehr: „Das ist in Ordnung. Ich bin völlig entspannt“. Er habe sich mit seinem Torhüter, der derzeit ein Weltklassespiel nach dem anderen abliefert und dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft, ausgetauscht. Heinvetter selbst sagt angesichts der optimalen Verhandlungsposition, in der er sich dank seiner Leistungen befindet, vieldeutig: „Es gibt viele Optionen, und ich werde mir meine Gedanken machen.“
Die Gedanken, die sich sein Keeper machen muss, sind, erklärt Hanning, überschaubar: „Wenn er deutlich mehr verdienen will und nächste Saison ganz sicher in der Champions League spielen will, dann muss er gehen und dann darf man ihm das auch nicht übel nehmen“, sagt der Füchse-Macher. „Fest steht, wir werden uns an dem Gehalt für Silvio nicht verheben und wir haben auch sehr gute Argumente.“
Ein Dreijahresvertrag in Mannheim wäre wohl gut eine Million Euro wert. Dem hält Hanning entgegen, dass für Heinevetter „in Berlin noch alles passt. Die Frage ist, ob er seine Rolle hier liebt und die Atmosphäre. Ich glaube, es wäre für alle Seiten das Beste, wenn er noch zwei Jahre bei uns bleiben und sich noch weiter entwickeln würde. Ich habe ein gutes Bauchgefühl und denke, dass wir das Thema Mitte November vom Tisch haben.“
Im Moment hat sich die Lage ohnehin zumindest vorübergehend beruhigt, denn Heinevetter und auch sein Berliner Kollege Sven-Sören Christophersen streifen in den Qualifikationsspielen zur EM 2012 an diesem Mittwoch (18.15 Uhr/Sport1) in Göppingen gegen Österreich und am Sonntag (13 Uhr) in Valmiera gegen Lettland das Nationalmannschafts-Trikot über. Und dort wird Berlins Torhüter, so er denn den Vorzug vor Hamburgs Johannes Bitter erhält, erneut alle Hände voll zu tun bekommen. Denn zusätzlich zu der extrem knappen Vorbereitungszeit, die Bundestrainer Heiner Brand auch diesmal nur zur Verfügung hatte und die er zum wiederholten Male beklagte, blieb der Nationalmannschaft auch in dieser Woche das Verletzungspech vor den Spielen gegen Österreich und Lettland treu. Die beiden Hamburger Rückraumspieler Pascal Hens (Muskelfaserriss) und Michael Kraus (Achillessehnen-Beschwerden) fielen kurzfristig aus und verließen das Trainingslager in Nürtingen bereits am Montag. „Wir sind es gewohnt, mit Rückschlägen fertig zu werden. Das muss uns auch in der wichtigen Partie gegen Österreich gelingen“, sagt Brand, der Martin Strobel (Lemgo) und Stefan Kneer (Großwallstadt) nachnominierte.
Bob Hanning dürfte die beiden Spiele mit großem Interesse verfolgen, wissend, dass der Marktwert seines Torwarts sicherlich nicht fallen würde, wenn er erneut so überragend hält wie zuletzt im Kasten der Füchse.





