Formel 1

Ein nachdenklicher Vettel und ein unschuldiges Model

Weltverband Fia denkt über eine elektronische Zielflagge nach. Das Rennen in Montreal war eine Runde zu früh abgewunken worden.

Der Flaggenverantwortliche bemerkte zu spät, dass er Winnie Harlow die Flagge noch nicht hätte geben dürfen

Der Flaggenverantwortliche bemerkte zu spät, dass er Winnie Harlow die Flagge noch nicht hätte geben dürfen

Foto: Thomas Melzer / ddp images/mspb

Montreal.  Für Winnie Harlow war es ein ungewöhnlicher Sonntagabend in Montreal. Normalerweise steht die Kanadierin Modell für Modemarken oder tritt in den Videos bekannter US-Musiker auf. Diesmal hatte sie eine schwarz-weiß-karierte Fahne in der Hand und sollte das Formel-1-Rennen auf dem Circuit Gilles-Villeneuve nach 70 Runden abwinken. Das tat sie auch, allerdings eine Runde zu früh. Es ist nicht der erste Fauxpas dieser Art für die Formel 1, die jetzt über die Abschaffung der berühmten Zielfahne nachdenkt.

„Ich war reichlich verwirrt“, sagte Sieger Sebastian Vettel nach dem Rennen. „Einige Streckenposten glaubten schon, dass alles vorbei war und schwenkten fröhlich alle Flaggen für die Fahrer.“ Dabei waren tatsächlich erst 69 von den vorgesehenen 70 Runden absolviert. Laut Reglement mussten die Platzierungen daher bereits nach 68 Umläufen gewertet werden. Am Ergebnis auf den ersten Plätzen änderte das nichts.

Schumachers Erbe

Für Sebastian Vettel war die letzte Rennrunde dennoch eine besondere. „Ich musste viel an Michael Schumacher denken, an seinen letzten Sieg hier“, sagte der Heppenheimer. Der 2013 bei einem Skiunfall verunglückte Rekordweltmeister war seit 2004 der letzte Ferrari-Pilot gewesen, der den Großen Preis von Kanada gewinnen konnte. Vettel trat nun mit dem 50. Triumph seiner Karriere in die Fußstapfen seines Idols.

„Es ist schade, dass er nicht dabei sein konnte. Für mich ist es unglaublich, in dieser Position zu sein, das gleiche Auto wie er zu fahren“, sagte ein bewegter Vettel, der damit zugleich die Führung im WM-Klassement von Dauerkonkurrent Lewis Hamilton zurückeroberte. „Ferrari lebt auch nach all den Jahren, wir sind da, und wir gewinnen. Ich bin stolz, mehr und mehr Teil dieser Geschichte zu werden“, freute sich der 30-Jährige, der bislang viermal die Weltmeisterschaft für sich entschieden hat. Seit er jedoch für die Scuderia fährt, ist ihm das nicht mehr gelungen. Sein letzter Titel stammt aus dem Jahr 2013, ein Jahr nach Schumachers endgültigem Karriereende.

Verfrühter Befehl

Dieses droht in der Königsklasse des Motorsports auch der Zielflagge. Denn Harlow war nicht die erste, die ein Rennen vorzeitig beendete. Schon im Jahr 2014 schwenkte ein Marshall die Fahne eine Runde vor Rennende, damals beim Großen Preis von Shanghai. Völlig den Einsatz verpasst hatte dagegen Brasiliens Fußball-Legende Pelé 2002 in Sao Paulo. Um weitere Fehler künftig zu verhindern, erwägt der Weltverband Fia laut dem zuständigen Rennleiter aus Montreal, Charlie Whiting, deshalb unter anderem eine Umstellung auf automatisch eingespielte LED-Signale.

Die Schuld an dem Fauxpas am Sonntag weist Harlow indes von sich. Und zwar zu Recht. „Sie konnte nichts dafür“, erklärte Whiting, „es war ein Missverständnis zwischen Race Control und dem eigentlich für die Flagge Zuständigen.“

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