Eisbären Berlin

Eisbären Berlin: Wenn ein Plan perfekt aufgeht

Für Frank Hördler und André Rankel schließt sich ein Kreis. Sie fingen als 18-Jährige bei den Eisbären an und sind nun die Ältesten.

Eisbären-Kapitän André Rankel spielt im Klub, seit er 18 Jahre alt ist.

Eisbären-Kapitän André Rankel spielt im Klub, seit er 18 Jahre alt ist.

Foto: nordphoto / Engler via www.imago-images.de / imago images/Nordphoto

Berlin. Mit der Zahlenkombination 24/7 können wohl die meisten etwas anfangen. Vor allem in Asien und Amerika begegnet sie Reisenden häufig. 24 Stunden, 7 Tage die Woche – das steckt hinter den Ziffern, die das Synonym dafür sind, dass ein Laden rund um die Uhr geöffnet hat. Jeden Tag, also immer. Eine Kombination, die den ewigen Konsum propagiert.

Auch bei den Eisbären Berlin haben die Zahlen 24/7 das Maß der Zeit relativiert, sind zu Symbolen geworden. Zu einer Verbildlichung von Treue auf der einen Seite, zu einer Metapher für planvolles Handeln auf der anderen Seite. 24 und 7, das sind die Rückennummern von André Rankel und Frank Hördler, zwei Spielern, für die sich in dieser Saison der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ein Kreis schließt. Sie waren 18, als sie 2003 die ersten Profispiele bei den Eisbären absolvierten. Die jüngsten im Team, auserwählt für große Rollen in der Zukunft des Klubs. Mit 34 Jahren sind Rankel und Hördler nun zum ersten Mal in ihrer Karriere die ältesten Profis in der Mannschaft.

Es kam, wie es kommen sollte für die einstigen Talente

Verteidiger Hördler ist sogar der Alterspräsident, wird im Januar 35. Stürmer Rankel folgt im August nächsten Jahres. „Ich habe mir nie über das Alter Gedanken gemacht“, sagt Hördler, „das kommt ein bisschen schleichend.“ Auch bei Rankel war das Alter nie „ein großes Thema“. Die Verjüngungskur des Klubs nach der vergangenen Saison hat sie dennoch in diese besondere Position gerückt. Und damit einen Zyklus vollendet, der immer genau so angedacht war von den Eisbären.

Rankel und Hördler sind weit mehr als nur zwei Profis mit dem Eisbären-Kopf auf dem Trikot. Sie sind Prototypen einer Vision. „Mit ihnen hat alles angefangen“, sagt EHC-Geschäftsführer Peter John Lee, „sie waren der Grundstein.“ 2003 versammelten die Eisbären viele Talente des Jahrgangs 1985 aus ganz Deutschland in Berlin, intensivierten ihre Nachwuchsarbeit und brachten junge Spieler in die DEL, die einmal das Gesicht des Klubs prägen sollten.

Beide spielen seit 16 Jahren in der DEL – und für die Eisbären

Es hat funktioniert, 16 Jahre später gehören der Verteidiger und der Stürmer zum festen Inventar des Klubs. Und für die Spieler sind die Eisbären längst nicht mehr nur ein Verein wie viele. „Am Anfang wollte ich einfach nur spielen, wollte etwas erreichen. Nach und nach habe ich aber gemerkt, dass die Eisbären ein besonderer Verein sind, der mir sehr am Herzen liegt, und ich es nicht besser haben kann in irgendeiner anderen Mannschaft“, sagt Rankel. Eishockey ohne die Eisbären, das ist für ihn „definitiv schwer vorzustellen“. Die Eisbären ohne Rankel und Hördler sind ein mindestens ebenso schwierig zu visualisierendes Bild.

Dass ein Spieler allein einen Klub so lange begleitet, ist schon sehr ungewöhnlich. „Wenn es dann noch welche gibt, die das zusammen gemacht haben, dann ist das extrem besonders“, erzählt Rankel. Fast wären es sogar vier Spieler geworden, die den einstigen Plan vollenden. Doch Jens Baxmann musste den Klub im Sommer verlassen und spielt nun in Iserlohn. Florian Busch ist zwar noch Teil der Eisbären, aber seit wenigen Einsatzminuten im zweiten Saisonspiel krank. Er wäre sogar der Älteste im Team, kann aber nicht trainieren. Seine Aussichten auf eine Rückkehr sind offenbar gering. „Das ist traurig“, sagt Hördler.

Ein Silberheld bei Olympia und ein Topscorer im Klub

In Bezug auf Baxmann bleibt nur die Erkenntnis, dass das Geschäft wenig Platz für Sentimentalitäten lässt. Um so größer erscheinen die Leistungen von Rankel und Hördler, die in den ersten Jahren sogar noch parallel im EHC-Nachwuchs Spielpraxis erhielten. In 842 Partien für die Berliner traf Rankel 246 Mal, seit der Wende erzielte keiner Profi mehr Tore für den EHC. Hördler stand in 843 Partien auf dem Eis und versuchte meist, Tore der Gegner zu verhindern. Anfangs war das gar nicht leicht für ihn. Er kam aus Selb, spielte dort in der dritten Liga und war wichtig im Team. „In Berlin war ich einer von vielen. Da hatten sie die ganzen 85er geholt. Alle haben um einen oder zwei Plätze gekämpft. Diesen Konkurrenzkampf anzunehmen, hat eine Weile gedauert“, so der Verteidiger.

Weil er sich durchsetzte, durfte er sieben Meisterschaften mit den Eisbären feiern, stieg in der Hierarchie immer weiter auf, wurde Nationalspieler, sogar ein olympischer Silberheld. Rankel trug ebenfalls viele Jahre das Nationaltrikot, entwickelte sich zum Torjäger beim EHC. „Wir haben ein extrem erfolgreiches Jahrzehnt mitgeprägt“, sagt der gebürtige Berliner Rankel. Der bisher letzte Titel 2013 fühlt sich in der Reihe der Erfolge speziell an. „Das war für uns extrem wichtig. Wir sind etwas aus dem Schatten herausgetreten“, so der Stürmer, die 85er übernahmen damals die Führung, Rankel fungierte in seiner ersten Saison als Kapitän.

Am Donnerstag in Straubing, Freitag gegen Bremerhaven

Etwas schwieriger wurde es in den Jahren danach, als die Mannschaft nicht mehr gut funktionierte. Das belastete Rankel durchaus. Inzwischen aber sieht es wieder besser aus für die Berliner, die in der Tabelle Vierter sind und am zweiten Weihnachtsfeiertag in Straubing spielen (16.30 Uhr). Einen Tag später treten sie bereits daheim gegen Bremerhaven an (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena). Nach Jahren, in denen nur die Hoffnung half, „gehen wir jetzt raus und haben die Zuversicht, dass etwas Gutes dabei herauskommt. Das ist ein Riesenunterschied. Darauf kann man aufbauen“, findet Hördler, der dem Team wieder erfolgreiche Jahre zutraut unter Trainer Serge Aubin.

Dafür sieht Hördler allerdings eine unerlässliche Voraussetzung. „Das Scouting und die Entwicklung der jungen Spieler werden immer wichtiger, da müssen wir dranbleiben“, erzählt der Verteidiger. Mit der neuen U23-Regel geht die Verpflichtung einher, mehr Talente in das DEL-Team zu integrieren. Das erinnert stark an die Zeit, als die goldene 85er-Generation der Berliner ihre ersten Schritte in der DEL machte. „Wir haben immer versucht, das beizubehalten“, sagt Klubchef Peter-John Lee, erkennt aber auch Verbesserungsbedarf. Spieler, die wie Rankel und Hördler fast zwei Jahrzehnte bei den Eisbären verbringen, sind derzeit gerade nicht in Sicht.

Die 1000 Spiele von Eisbären-Legende Felski sind zu knacken

Lee weiß, was er an den beiden hat. „Sie haben viel geleistet. Ich hoffe, sie können so lange hier spielen, wie sie wollen.“ Das Alter muss so bald nicht unbedingt ein Problem sein. Mark Beaufait war 39 Jahre, als er aufhörte, Micki DuPont 38, Sven Felski 37. Hördler besitzt einen Vertrag bis 2021, Rankel eine Option auf die Saison 2020/21. Die 1000 Spiele von Klublegende Felski sind also drin. Eine viel bessere Vorstellung, als sich mit dem Alter zu beschäftigen. „Ich scheue mich schon vor dem Moment, wenn es mal zu Ende gehen sollte. Weil ich gar nicht weiß, wie ich damit umgehen soll“, sagt Frank Hördler. In ihm und in André Rankel steckt noch jede Menge Ehrgeiz. 24/7 – die Ewigkeit vergeht so schnell nicht bei den Eisbären.

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