Eishockey

Halbzeit-Betrachtung: Eisbären-Spieler in der Einzelkritik

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Marcel Stein
Eisbären-Topscorer Marcel Noebels bei der Arbeit.

Eisbären-Topscorer Marcel Noebels bei der Arbeit.

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Eisbären-Stürmer Marcel Noebels entwickelt sich zum Anführer. Die große Einzelkritik der Berliner zur Hälfte der Punkterunde.

Berlin. Nun haben auch die Eisbären Berlin 26 Spiele absolviert in dieser Hauptrunde, die erste Hälfte der Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ist damit geschafft. Nach dem 6:5 n.V. in Wolfsburg am Sonntag ist Platz vier eine passable Ausbeute, wobei der eine oder andere Punkt mehr möglich schien bislang. Mit drei Heimspielen starten die Berliner in dieser Woche in die zweite Hälfte der Punkterunde. Los geht es mit der Partie am Dienstag gegen Krefeld (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena). Die Morgenpost beleuchtet zur Halbzeit die Leistungen aller Spieler der Berliner:

Marcel Noebels (27): Wird seinem Anspruch als Führungsspieler mehr denn je gerecht. Noebels kämpft, treibt das Team an und fällt auch spielerisch auf. Der Stürmer ist auf dem besten Weg, seine punktbeste Hauptrunde bei den Eisbären und damit in der DEL abzuliefern. Ist zudem bester deutscher Torschütze der Liga mit 12 Treffern.

Mark Olver (31): Der Mann überrascht. Nach einer fast kompletten Saison Pause aufgrund einer langwierigen Verletzung tritt der Deutsch-Kanadier als spiel- und einsatzstarker Faktor im EHC-Angriff in Erscheinung und hat sich an Position zwei der internen Scorerliste gesetzt.

James Sheppard (31, Kanada): Seine Durchsetzungskraft und Stärke am Puck zahlt sich für die Eisbären oft aus. Doch der kanadische Stürmer hat einen Hang dazu, unnötige Strafzeiten zu kassieren, was die Berliner durchaus schon einige Punkte gekostete hat.

EHC-Top-Zugang tritt anders in Erscheinung als erwartet

Maxime Lapierre (34, Kanada): Von dem Zugang hatte man vor allem eines erwartet: Härte. Doch der Mann, der in seiner Karriere viele Strafminuten sammelte, konzentriert sich auf sein spielerisches Können. Damit hilft er der Mannschaft ungemein, vor allem Supertalent Lukas Reichel profitiert an seiner Seite von der Cleverness und Abgeklärtheit des Kanadiers.

Austin Ortega (25, USA): Ganz so stark wie bei seiner späten Verpflichtung in der Vorsaison punktet der Angreifer nicht mehr, aber solide spielt er weiterhin. Allerdings scheint er manchmal abzutauchen, wenn es kämpferischer wird. Jüngst mit Tendenz nach oben.

Ryan McKiernan (30, USA): Der Zugang ist der mit Abstand punktbeste Verteidiger der Berliner – und damit Leuchtturm in einer offensiv nicht sehr produktiven Defensive. Passt gut in das Spiel des EHC, defensiv verantwortungsbewusst und mit +11 in dieser Hinsicht gemeinsam mit Kettemer teamintern an der Spitze.

Louis-Marc Aubry (28, Kanada): Kommt in der ersten Hälfte der Saison noch nicht so in Fahrt, das kennt man von ihm. Hat immer mal wieder Leistungsspitzen, aber spielt nicht sonderlich konstant. Ist öfter bei Gegentoren auf dem Eis als bei Treffern, steht bei -3 und gehört damit zu den Schwächsten im Team.

Supertalent der Eisbären ist auf dem richtigen Weg

Leonhard Pföderl (26): Vom Nationalstürmer wurde viel erwartet, doch er kam schwer in die Saison. Auch von ihm kennt man das. Weil er hart arbeitete und es immer wieder probierte, stimmt seine Torausbeute inzwischen. Die Anzahl der Vorlagen aber ist steigerungsfähig.

Lukas Reichel (17): Sein Ziel sollte vor der Saison schon die NHL sein. Nach der Hälfte der Spielzeit kann man davon ausgehen, dass er dort irgendwann spielen wird. Technisch und taktisch schon sehr versiert, punktet er weit zuverlässiger als mancher Routinier. Körperlich muss er weiter zulegen.

André Rankel (34): Ein Rollenwechsel hat dazu beigetragen, dass die Produktivität des Kapitäns etwas gesunken ist. Statt in den vorderen Reihen ist der einstige Torjäger oft in der vierten Formation zu finden und muss dort Defensivaufgaben erfüllen. Könnte das erste Mal seit der Saison 2007/08, damals verletzungsbedingt, einstellig bleiben bei seinen Treffern.

Landon Ferraro (28, Kanada): Kam später zum Team und hat erst 16 Spiele absolviert. Fand sich schnell zurecht dank großer Motivation. Doch Jahre voller Verletzungen lassen ihn noch nicht konstant auf hohem Niveau spielen. Muss seine Sicherheit zurückgewinnen, um sein Talent noch besser einzubringen.

John Ramage (28, Kanada): Offensiv mit weniger Einfluss als erwartet, aber dafür kämpferisch ein Vorbild und defensiv äußerst solide. Er stabilisiert die Abwehr wie kein anderer im Team. Von seiner Präsenz kann Trainer Serge Aubin gar nicht genug bekommen, deshalb schickt er ihn am meisten aufs Eis.

Pierre-Cedric Labrie (33, Kanada): Der Gute-Laune-Bär im Team, körperlich stark, anfangs sogar mit guten Werten in der Produktion. Das hat sich aber etwas gelegt, er soll hauptsächlich die gegnerischen Stürmer davon abhalten, Tore zu schießen und Robustheit ins EHC-Spiel bringen.

Eisbären-Abwehr mit wenig Offensivdrang

Jonas Müller (24): Der Verteidiger spielt vor dem eigenen Tor wieder sicherer als in der Vorsaison und ist offensiv nicht mehr ganz so leichtfertig am Puck. Zwar noch ohne Treffer, aber dennoch in der Lage seine beste Punktebilanz in der Hauptrunde zu erzielen, da er gut auflegt.

Kai Wissmann (23): Wie Müller noch ohne Treffer, aber in seiner Rolle als defensiver Part im Verteidigerpaar meist solide. Sein Potenzial kommt nicht immer richtig zur Geltung.

Constantin Braun (31): Der nächste Verteidiger ohne Treffer. Aber Braun war oft die Nummer sieben in der Abwehr und hatte die wenigsten Einsätze. Das motiviert ihn allerdings auch, offensiv immer wieder mit guten Pässen.

Frank Hördler (34): Der Verteidiger kann sich nicht mehr seinen einstigen Qualitäten entsprechend entfalten. Der Verteidiger wirkt manchmal unsicher, manchmal unglücklich. Ihm unterlaufen defensiv hin und wieder entscheidende Fehler. Sollte das aber mit viel Konzentration korrigieren können.

Florian Kettemer (33): Einsätze in den jüngsten Spielen im Powerplay bescherten ihm gerade den ersten Treffer der Saison. Im Vorjahr mit so vielen Toren wie nie, aber jetzt vorrangig defensiv eingesetzt und dort mit +11 mit guter Arbeit.

Sean Backman (33, USA): Erst als überzähliger Spieler von Trainer Serge Aubin auf der Tribüne geschickt, dann verletzt. Für ihn läuft es nicht in dieser Saison ganz und gar nicht.

Fabian Dietz (21): Kam gut in seine Premierensaison in der DEL, konnte sogar ein Tor erzielen. Fand sich mit dem Tempo schnell zurecht. Noch fehlt es an Übersicht. Zuletzt schwanden die Eiszeiten, da der Trainer nach ein paar Niederlagen mehr auf Erfahrung setzt.

Sebastian Streu (20): Er fing in Berlin an, spielte dann in der zweiten Liga für Weißwasser und ist nun zurück, da Reichel mit dem U20-Nationalteam unterwegs ist. Läuferisch und spielerisch mit guten Anlagen, aber für diese Saison nur Ersatzmann.

EHC-Torhüter sind derzeit in der Diskussion

Florian Busch (34): Der Älteste im Team hat nur ein paar Einsatzminuten im zweiten Saisonspiel absolviert. Sonst krank geschrieben, die Aussicht auf eine Rückkehr ist gering.

Thomas Reichel (20): Wie Streu, Dietz und sein Bruder Lukas mit der DEL-Premiere in dieser Saison. Kam gerade in Wolfsburg für den verletzten Rankel ins Team, sonst in Weißwasser unterwegs.

Sebastian Dahm (32): Der Vielspieler im Tor, der ordentlich anfing, sich aber gerade in einer Schwächephase befindet. Fangquote (90,3) und Gegentorschnitt (2,80) sind im hinteren Liga-Mittelfeld. Zuletzt mehr in der Kritik.

Maximilian Franzreb (23): Hatte sich mehr Einsätze erhofft, ist aber klare Nummer zwei hinter Dahm. Agierte bei den Spielen nicht immer glücklich und wirkt gerade selbst nicht sonderlich zufrieden.

Fazit: Gerade die Torhüterposition bei den Berlinern wirkt im Moment wie eine Schwachstelle, auf der noch personell nachjustiert werden könnte in den nächsten Wochen. Ansonsten ist die Mannschaft deutlich besser aufgestellt als in der Vorsaison. Obwohl aktuell die Defensive weniger gut funktioniert als die Offensive. Im Moment sind daher auch die Eiszeiten der jungen Spieler gering, da der Trainer die Routiniers in den schwierigen Situationen braucht. Mit Blick auf die weitere Hauptrunde ist die jüngste Wiederbelebung des Powerplays erfreulich. Defensive und Torwartspiel bleiben Baustellen.

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