Eishockey

Brendan Ranford: Oft gescheitert, jetzt bereit für Titel

Der Neuzugang soll bei den Eisbären Berlin Topscorer Nick Petersen ersetzen.

Ab sofort in blau und weiß: Brendan Ranford

Ab sofort in blau und weiß: Brendan Ranford

Foto: AP Content / picture alliance/ASSOCIATED PRESS

Berlin.  Brendan Ranford war gerade angekommen in Berlin, da machte sich der eine oder andere Fan der Eisbären auch schon Sorgen, ob er vielleicht bald wieder weg sein würde. Der Kanadier ist nämlich nicht nur ein guter Eishockeyspieler, sondern zeigt auch im Lacrosse großes Talent, weshalb er im Sommer sogar von einem Profiteam aus San Diego im Expansion-Draft gewählt worden war. Doch Ranford konnte die Anhänger des Vizemeisters beruhigen: „Lacrosse hält mich zwar fit und weckt meinen Wettbewerbsgeist, aber Eishockey ist und bleibt meine Nummer eins.“

Im Eisbären-Sturm soll er Topscorer Nick Petersen ersetzen, der in die österreichische Liga nach Klagenfurt gewechselt ist. Dieser hatte in der vergangenen Saison mit zehn Treffern und 22 Scorerpunkten großen Anteil daran, dass Berlin im Play-off der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bis ins Finale vorstieß und dort erst im siebten Spiel dem EHC Red Bull München unterlag. Ranfords Auftakt war zumindest vielversprechend.

Im ersten Testspiel gegen Weißwasser gelang dem Hoffnungsträger am vergangenen Wochenende gleich sein erstes Tor. „Er hat gute Fähigkeiten“, meint Trainer Clément Jodoin. Überhaupt war Jodoin mit dem Auftreten seiner Mannschaft gegen die Lausitzer zufrieden. Nur das Spiel in der neutralen Zone gefiel dem neuen Coach nicht. „Wir können nicht denken, dass es gegen ein DEL-2-Team möglich ist, eins-gegen-drei zu spielen“, so Jodoin. Und gegen die nächsten Gegner schon gar nicht.

Ab Donnerstag gastieren die Eisbären für drei Tage zum Vorbereitungsturnier in Pardubice (Tschechien). Neben den Gastgebern geht es dann mit Slovan Bratislava (Slowakei) und Admiral Wladiwostok auch gegen zwei Vertreter aus der russischen Kontinental Hockey League (KHL), die hinter der nordamerikanischen Profiliga NHL als beste Eishockeyliga der Welt gilt. „Das ist ein guter Test für uns. Danach wissen wir, wo wir stehen und woran wir noch arbeiten müssen“, sagt Clément Jodoin. Durch die Champions League beginnt die Saison für die Eisbären in diesem Jahr bereits am 31. August mit einem Heimspiel gegen den EV Zug aus der Schweiz. Die DEL startet zwei Wochen später.

Onkel Bill ist Weltmeister, Vorbild und Ratgeber

Brendan Ranford wird in Pardubice erneut in einer Reihe mit Daniel Fischbuch und Landsmann Colin Smith auflaufen, der ebenfalls neu bei den Eisbären ist. Mit ihm hatte Ranford schon als Schüler zusammengespielt. „Wir haben eine gute Chemie“, sagt er. Aufgewachsen ist er wie Smith in Edmonton, geboren allerdings im Schwarzwald, in der Nähe von Freiburg, wo sein Vater für die kanadische Armee stationiert war. „Es ist cool, dass ich jetzt auch in Deutschland Eishockey spielen kann“, sagt er. 2010 war Ranford in der siebten Runde des NHL-Drafts von den Philadelphia Flyers ausgewählt worden, schaffte den Sprung ins Team dort aber ebenso wenig wie später in Dallas, Arizona und Colorado. Dafür legte er in der American Hockey League (AHL) gute Zahlen auf, wurde 2014 sogar Meister.

Dieses Ziel hat er auch in Berlin. „Wir wollen in dieser Saison wieder weit kommen“, sagt der 26-Jährige, dessen Onkel Bill Ranford 13 Jahre lang als Torwart in der NHL spielte. 1988 und 1990 holte Bill mit den Edmonton Oilers den Stanley Cup, beim zweiten Triumph wurde er sogar als wertvollster Spieler des Play-offs ausgezeichnet. 1994 folgte der WM-Titel mit Kanada, inzwischen arbeitet er als Torwarttrainer bei den Los Angeles Kings. „Er ist ein großes Vorbild für mich“, sagt der Neu-Eisbär über seinen Onkel. Von den Tipps des ehemaligen Weltklasse-Goalies kann Brendan Ranford auch als Stürmer nur profitieren.

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