Wie ein alter Vogel krächzte Clément Jodoin. Als hätte den Trainer des EHC Eisbären eine Sommergrippe erwischt. Aber Augenzeugen versicherten, dass der 66-Jähige am Morgen noch bei bester Gesundheit und kräftigem Klang gewesen sei. Mit der körperlichen Verfassung verhielt es sich auch ein paar Stunden später nicht anders, nur brachte er kaum noch ein Wort heraus nach der ersten gemeinsamen Trainingseinheit des EHC Eisbären zum Auftakt der Saisonvorbereitung. „Das ist eine Trainerstimme, die klingt nicht ganz normal heute. Ich muss mich erst dran gewöhnen“, erklärte er lächelnd.
Einleben muss sich Jodoin nach der Sommerpause in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) natürlich nicht in das Trainerdasein, sondern nur darauf einstellen, dass er als neuer Chef noch mehr reden muss als zuvor in der Rolle des Assistenten. Das war aber schon das einzige Problemchen des Kanadiers, der ansonsten viel Euphorie ausstrahlte und sich nicht über einen Start mit Ungewissheiten beklagen mochte. Die Stürmer André Rankel (Becken) und Sean Backman (Leisten-OP) sowie die Verteidiger Frank Hördler (Muskelprobleme), Jens Baxmann (Adduktoren) und Constantin Braun (Therapie der Alkoholsucht) fehlen vorerst. „Ich kann nicht warten, wir müssen proaktiv sein, weil wir gewinnen wollen“, erzählte Jodoin, während um ihn herum die gut 200 Fans, die das erste Training bei angenehmen Temperaturen im Wellblechpalast verfolgt hatten, die Halle verließen.
Noebels ab 16. September im NHL-Camp
Zu Beginn der Einheit gab es viel Beifall, als das Team das Eis betrat. Auch für Marcel Noebels (26), bei dem sich gerade einiges tut. „Wir haben der Mannschaft heute gesagt, dass er in Boston ein Camp absolviert. Alle haben sich für ihn gefreut“, so Jodoin. Der NHL-Klub möchte den Stürmer ab 16. September in seinem Trainingslager vorspielen lassen und dann entscheiden, ob man ihm einen Vertrag anbietet.
Schon Ende Mai kam der Kontakt zustande, er habe den ganzen Sommer überlegt. „Irgendwann bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich es versuchen möchte“, sagte er. Bundestrainer Marco Sturm, der selbst lange in Boston spielte und über beste Kontakte verfügt, habe das entscheidende Wort für ihn eingelegt, um diese Chance zu erhalten, so der Nationalspieler, der mit Sturm im Februar mit der Silbermedaille bei Olympia den größten Erfolg des deutschen Eishockeys feierte.
Zu viel will sich Nobels noch nicht ausmalen: „Meine Chancen sind genauso hoch zurückzukommen wie dazubleiben. Zu verlieren habe ich nichts.“ Selbst ein Angebot, dass ihn zunächst in die zweite nordamerikanische Liga, die AHL, führen würde, wäre einen Wechsel wert. Der Vertrag beim EHC wird derweil stillgelegt, die vier Jahre, die noch verbleiben, würde er nach der Rückkehr aus Nordamerika in Berlin erfüllen.
Jaspers spielt um Vertrag beim EHC
Vier Monate ist die Spanne, die im Kontrakt von Florian Kettemer (32) fixiert ist. Der Verteidiger war einen Tag vorher verpflichtet worden und stand bereits auf dem Eis. „Eigentlich wollte ich meine Karriere beenden, weil ich die Möglichkeit hatte, einen anderen Berufsweg einzuschlagen“, sagte der Bayer, der zuletzt dreimal in Folge mit München Meister geworden war. Als die Berliner kürzlich aufgrund der Verletzten in der Abwehr nach Ersatz suchten und ihn anfragten, „fühlte sich das magisch an“. Er entschied, die Ausbildung als Mentaltrainer zu verschieben: „Berlin war letztes Jahr super nah dran am Titel. Ich denke, dass es nun Zeit wird.“
Bei den vier Monaten müsse es von ihm aus nicht bleiben. Jason Jaspers (37) wäre vermutlich schon zufrieden, wenn er die hätte. Der bisherige Kapitän der Iserlohn Roosters trainiert derzeit beim EHC mit, soll auch in der Champions League spielen. Nach der Vorbereitung werde man sehen, ob der Stürmer mit deutscher Lizenz einen Vertrag erhält.


