Ganz so reibungslos verlaufen die ersten Tage des Zusammenseins vor dem Start in die Saisonvorbereitung beim EHC Eisbären doch nicht. Verletzungen in der Abwehr zwingen den Vizemeister der Deutschen Eishockey Liga (DEL) noch einmal zu einer Reaktion. Weil Frank Hördler und Jens Baxmann mit Adduktorenproblemen vorerst fehlen und die Berliner kein Risiko eingehen wollen, wurde Florian Kettemer (32) von Meister München für zunächst vier Monate geholt.
Ebenfalls in der Defensive nicht dabei sein wird Constantin Braun, und zwar auf unbestimmte Zeit. Der 30-Jährige kämpft seit Jahren mit psychischen Problemen, zweimal musste er schon länger wegen einer Depression aussetzen. Diesmal fehlt Braun, um sich einer Therapie bezüglich seiner Alkoholabhängigkeit zu unterziehen, wie die Eisbären mitteilten. Es ist das erste Mal, dass der Klub diese Krankheit öffentlich macht, gemeinsam mit dem Spieler entschloss man sich zu diesem Schritt. „Sein Fall ist kompliziert“, sagt Geschäftsführer Peter John Lee, „für uns geht es jetzt nicht um den Eishockeyspieler, sondern um den Menschen und sein Leben.“ Schon länger war vermutet worden, dass die Depression bei Braun Hand in Hand geht mit Nebenerkrankungen.
Vor Saisonbeginn 2013 hatte Braun erstmals eine längere Auszeit nehmen müssen, kehrte dann nach gut vier Monaten zurück. Im Herbst vorigen Jahres pausierte er noch einmal knapp drei Monate. Die nun dritte Zwangspause stellt sicher auch seine Rückkehr in den Profisport infrage. „Wir unterstützen ihn bei jedem Schritt“, so Lee. Doch für den Klub ist eine Zukunft mit dem Verteidiger inzwischen kaum mehr planbar. Offenbar bringt der Druck des Profisports Braun immer öfter an psychische Grenzen. Wobei Lee betont, dass der Spieler nicht ständig betrunken in der Kabine aufgetaucht sei.
Prognosen lassen sich für den früheren Nationalspieler und sechsfachen deutschen Meister nicht stellen. Seine Tragödie ist, dass er immer wieder in diese tiefen Krisen verfällt. Daher müssen sich die Berliner wappnen, ohne Braun stehen nun bereits neun Verteidiger im Kader. Das erschwert wiederum die sportliche Situation für den Rekonvaleszenten. Eine einfache Lösung, das ist klar, gibt es in diesem Fall nicht für den Klub, der seinen langjährigen Profi nicht hängenlassen will, aber auch die sportlichen Belange nicht außer Acht lassen kann, wenn ab Donnerstag die Vorbereitung auf die neue Saison beginnt.
In diese wird auch Stürmer Marcel Noebels einsteigen, sich aber im September wohl für ein Trainingslager beim NHL-Klub Boston Bruins verabschieden. Dort soll sich dann entscheiden, ob ihm ein Vertrag angeboten wird.



