Besondere Gäste genießen Privilegien, sie erhalten mehr Einblicke als andere. Wenn sie denn wollen. Stéphane Dion lehnte dankend ab. Als Botschafter Kanadas hätten ihm die Türen der Kabine des EHC Eisbären nach dem Spiel gegen den ERC Ingolstadt offen gestanden. Doch wegen seiner zahlreichen Begleitung durch Botschaftsmitarbeiter verzichtete er – und sorgte eben vor der Kabine für mehr Gewusel, als es während des Spiels vor den Toren gegeben hatte. Gesehen hatte Dion ohnehin genug, seine Landsleute Louis-Marc Aubry (45.) und Micki DuPont (62.) entschieden die Partie zugunsten der Berliner, die mit 2:1 (0:0, 0:0, 1:1, 1:0) nach Verlängerung gewannen.
Fotos mit Kanadas Botschafter vor der Kabine der Berliner
Die kanadischen Spieler und Funktionäre des Tabellenführers der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nahmen sich anschließend noch ein wenig Zeit, um für Fotos mit dem Botschafter und seinen Mitarbeitern zu posieren. Aubry musste aber erst einmal durchschnaufen. „Ich hatte eigentlich nur ein richtiges Training, dann gleich drei Spiele in fünf Tagen. Eine kleine Pause ist jetzt gut“, sagte der Mittelstürmer. Gut zwei Monate hatte er gefehlt nach einem Fingerbruch und war in dieser Woche in die Mannschaft zurückgekehrt. Gegen den Elften demonstrierte er am Sonntag vor 12.439 Zuschauern in der Mercedes-Benz Arena bereits wieder seine Bedeutung für die Mannschaft, gab die meisten Schüsse aller Spieler auf dem Eis ab (sieben) und erzielte den Ausgleich.
Obwohl Aubry erst noch dabei ist, sich nach der langen Rekonvaleszenz wieder in die Mannschaft einzufinden, setzt Trainer Uwe Krupp bereits schon in allen Situationen auf den 26-Jährigen. Er stand viel auf dem Eis gegen Ingolstadt. „Er ist offensiv und defensiv wichtig für uns“, sagte Krupp. In der Verlängerung war es ein Foul an Aubry, dass dem EHC ein Powerplay bescherte und den Siegtreffer ermöglichte.
Ein anderer Rückkehrer dagegen wird erst langsam wieder in das Spiel der Mannschaft eingegliedert. Constantin Braun hatte drei Monate gefehlt, nachdem ihn erneut eine schwere Depression gebremst hatte. Ein Spiel später als Aubry stand er am Freitag in Iserlohn (3:1) wieder auf dem Eis – und erzielte sogar das wichtige Tor zum 2:1. „Es hat richtig Spaß gemacht, wieder dabei zu sein. Das Tor war natürlich das I-Tüpfelchen“, sagte der 29-Jährige.
Mehr erzählt er derzeit nicht, seine Therapie ist noch nicht abgeschlossen, die Rückkehr in die Mannschaft ein wichtiger Teil dessen. Beim ersten Heimspiel der Saison bereitete ihm der EHC-Anhang einen großen Empfang. Ohne Worte, nur mit einem kleinen Zettel, auf dem stand: # 90. Überall in der Arena wurde Brauns Rückennummer als Gruß hochgehalten.
Der Plan, den Krupp Anfang der Woche für die beiden avisiert hatte, war gegen den ERC längst obsolet. Verteidiger Braun sollte neben Aubry in der vierten Sturmreihe wieder Praxis bekommen, hatte Krupp angekündigt. Doch Aubry spielte längst wieder in einer vorderen Reihe, während Braun weiter in der vierten seine Eiszeit erhielt. „Er hat sich schnell integriert“, so Krupp. Braun legte in seiner gewohnt dynamischen Art los, stapfte energiegeladen über die Eisfläche. Die richtige Bindung ans Spiel fand er in der sehr engen Partie gegen äußerst engagierte Oberbayern aber nicht immer. Ein gefährlicher Schuss gelang ihm immerhin, ehe der Trainer im letzten Abschnitt nur noch drei Reihen spielen ließ und Braun nurmehr zuschauen durfte.
Torhüter Marvin Cüpper im zweiten Einsatz in Folge
Von der Bank aus konnte er genau verfolgen, wie das Spiel immer mehr zu einer Nervensache wurde. „Beide Mannschaften haben sich weitgehend neutralisiert“, sagte Krupp, dessen Team in Schwenningen (1:0) und in Iserlohn bereits große Geduldsproben erfolgreich bestanden hat. Obwohl Ingolstadt gut in der Partie war und durch Dustin Friesen in Führung ging (45.), ließen sich die Berliner nicht beeindrucken. Nur 29 Sekunden später hebelte Aubry einen Abpraller, der aus seinem eigenen Schuss resultierte, im Liegen ins Netz. „Ich wurde nach unten gedrückt, dann war der Rebound da, ich bin unten geblieben und habe getroffen“, freute er sich. Erst nach diesen Toren binnen kürzester Zeit entwickelte die Partie schließlich mehr Dynamik und die zuvor spärlichen Torchancen häuften sich.
Wie schon in den drei Spielen zuvor siegten schließlich die Berliner, die diszipliniert ihre defensive Ordnung behielten und Torhüter Marvin Cüpper in seinem zweiten Einsatz in Folge gut unterstützten. Insgesamt acht ihrer vergangenen neun Partien gewannen sie und wirken in diesen Tagen fast unangreifbar. „Es macht wirklich Spaß, in eine Mannschaft zurückzukommen, in der alle gut drauf sind“, sagte Louis-Marc Aubry, der sich nach der erzwungenen Auszeit seiner besten Form erst noch nähert. „Langsam finde ich meine Beine und mein Timing wieder“, erzählte er. Die nächsten Tage können dabei helfen, die sind anders als in der Vorwoche weniger intensiv, denn statt drei Partien stehen jetzt nur zwei auf dem Plan. Zeit für den Kanadier, nach dem gelungenen Comeback neue Kraft zu sammeln.





