Eishockey

Die Eisbären und der gefährliche Faktor im Play-off

Die Eisbären können zurückschlagen, diese Fähigkeit macht einige Hoffnung für das Play-off. Nur die Verletzungen sind ein Problem.

Uwe Krupp diskutiert in Düsseldorf mit den Schiedsrichtern

Uwe Krupp diskutiert in Düsseldorf mit den Schiedsrichtern

Foto: Bernd Thissen / dpa

Berlin.  Die jüngsten Tage beim EHC Eisbären gehören zu den aufregenderen der Saison. Emotional verdichtet schwankten die Berliner zwischen Wut, Frustration, Ekstase, Rausch, Erschöpfung und Erleichterung hin und her. Die Wirkungen halten noch immer an – und werden es auch noch ein paar Tage tun. Denn die Deutsche Eishockey Liga (DEL) hat ein Disziplinarverfahren gegen Trainer Uwe Krupp eingeleitet. Bis zum Ende der Woche sei mit einer Entscheidung zu rechnen.

Es geht um eine Geldstrafe. „Es ist ein Verfahren wegen unsportlichen Verhaltens eingeleitet worden“, sagt Liga-Sprecher Matthias Schumann. In Düsseldorf hatte Krupp am Sonntag die Beherrschung verloren. Oder entnervt aufgegeben. Normalerweise äußert sich Krupp nicht zu Schiedsrichtern, aber Roland Aumüller (Planegg) und Florian Zehetleitner (Oberstdorf) trieben ihn zur Weißglut.

Abgang mit Aufmerksamkeit

„Unsere Liga hat sich verbessert in den letzten Jahren. Es wird schneller gespielt, wir haben vier Schiedsrichter auf dem Eis. Die Art und Weise, wie das Spiel heute geleitet worden ist, das macht unseren Sport nicht besser“, sagte der 50-Jährige. Angst und bange werde ihm angesichts nicht geahndeter Fouls, so sehr, dass er sich während der Partie eine Disziplinarstrafe einfing und auf die Tribüne musste.

Mit seinem Abgang und der anschließenden Begründung seiner Reaktion zog der Trainer viel Aufmerksamkeit auf sich. Dabei bot sich auch sportlich viel Aufregendes: Tabellenführung nach Heim-Klatsche gegen Düsseldorf verloren (2:7), Tabellenführung gegen Düsseldorf nach Auswärts-Kampfsieg zurückgeholt (4:3 n.V.). „Wir haben unsere Arbeit gemacht“, beschreibt Stürmer Barry Tallackson die Antwort in Partie zwei.

Schwierigen Bedingungen getrotzt

Sehr gut sogar. Da geriet selbst der angefressene Krupp ins Schwärmen, „Play-off-Eishockey vom Feinsten“, habe er gesehen, „da wird um jeden Zentimeter gekämpft, da sind Emotionen, da wird gutes Eishockey gespielt“. Spiele wie diese seien der Grund, warum Leute zum Eishockey gingen.

Spiele wie das in Düsseldorf zeugen auch davon, welche Wandlung die Mannschaft der Eisbären vollzogen hat. Nach einer teils schwachen Leistung in der ersten Partie waren die Eisbären in der Lage, schnell zu reagieren. Und das sogar unter erschwerten Bedingungen aufgrund vieler Verletzer. Zumal in einer emotional enorm heißen Partie, in der sie kurz vor Schluss noch zurücklagen. „Diese Spiele haben wir vergangenes Jahr verloren“, sagt Stefan Ustorf, der Sportliche Leiter.

Über die Saison ist das Selbstvertrauen in der Mannschaft stark geworden. „Die Mannschaft glaubt an sich. Jeder glaubt an den, der neben ihm sitzt“, so Ustorf. Krupp hat es geschafft, Talent und Arbeitswillen bei den Eisbären wieder zu vereinen. Das macht die Berliner für das Play-off zu einem gefährlichen Faktor.

Bell könnte Freitag zurückkehren

Zumindest, wenn die jüngste Problematik in Düsseldorf kein Dauerthema wird. Bei der DEG mussten die Berliner notgedrungen mit drei Reihen spielen. Denn nach Bruno Gervais (Knie/Saisonende), Frank Hördler (Hand), Mark Bell (Knöchel) und Henry Haase (Infekt) verletzte sich auch noch Mark Olver. Bei ihm war die Hand am Dienstag immer noch nicht abgeschwollen, so dass eine Diagnose auf sich warten lässt.

Doch eines ist klar. „Bei der Ausgeglichenheit der Liga ist es unrealistisch, die Saison mit drei Reihen zu Ende zu spielen“, sagt Ustorf. Er macht sich Gedanken, arbeitet im Hintergrund an Lösungen, beobachtet also den Markt. „Über die nächsten Tage wollen wir sehen, wie sich die Verletztensituation entwickelt“, so Ustorf. Fallen Olver und auch Hördler länger aus, steht eine Nachverpflichtung im Raum. Aber vielleicht kann Bell sogar am Freitag gegen Ingolstadt zurückkehren. Bis zum 14. Februar läuft die Transferfrist, für Ustorf geht es also aufregend weiter.