„Des pack’ i scho“, sagt Lorenz Funk zum Abschied. Der Lenz, der hat ja immer alles irgendwie gepackt. Über 30 Jahre war er mit kurzen Unterbrechungen in Berlin, als Bayer prägte er das Eishockey in der Hauptstadt wie kein anderer. Der Lenz, wie ihn alle nennen, wusste immer, wie es geht. Dem hat keiner was vorgemacht.

Berlin hat er längst verlassen, beim Eishockey ist er trotzdem geblieben. Im vergangenen Sommer wollte er sogar in seiner bayerischen Heimat den Bezirksligisten Holzkirchen trainieren. Daraus wurde nichts. Denn die Gesundheit spielte nicht mit. Im Juli 2015 wurde ihm offenbart, dass er an Prostatakrebs leidet. Seitdem kämpft Funk (68) gegen die Krankheit.

Kurz vor Weihnachten musste er zur sechsten Chemotherapie. „Das war hart, richtig hart“, sagt der 225-fache Nationalspieler. Er ist gezeichnet von den Strapazen, die Haare sind ihm ausgefallen. Schon seit der zweiten Chemo. Aber wie es aussieht, lohnt es sich, das alles auszuhalten. „Kurz vor dem Jahresende hatte ich eine Untersuchung. Was ganz wichtig war: Ich habe in keinem Organ oder sonst irgendwo Metastasen“, erzählt Funk. Er klingt in diesem Moment so wie früher, wie der starke Lenz, dieses riesige Mannsbild, das nichts umhaut.

Mann mit stattlicher Erscheinung

So prägte sich der einstige Mittelstürmer bei den Menschen ein. Eine Statur, dass man meinen mochte, der Funkturm in Charlottenburg wurde nach ihm benannt. Im Schatten des Wahrzeichens Westberlins verbrachte er einen guten Teil seines Lebens, kam 1972 zum Schlittschuh-Club, wurde 1974 Meister und auch 1976. In diesem Jahr machte er sich jedoch vor allem mit Olympia-Bronze in Innsbruck unvergesslich, einer der größten Erfolge des deutschen Eishockeys.

Im vergangenen Oktober wurden die Helden von damals vom Bayerischen Fernsehen für eine Dokumentation zum 40. Jahrestag der Sensation noch einmal zusammengebracht. Funk erschien im Rollstuhl. Oft musste er seit Beginn der Therapie feststellen, dass er ohne Hilfe nicht auskommt. Mal stürzte er und schaffte es nicht, sich wieder aufzurichten. Das Futter für die Tauben, Säcke von 25 Kilo, konnte er nicht mehr tragen. Die Tiere durfte er wegen der Infektionsgefahr ohnehin nicht mehr sehen. Sein Leben drehte sich um Medikamente, 16 verschiedene musste er pro Tag nehmen.

Viele Tausend Unterschriften von Eisbären-Fans

Vor gut zwölf Jahren ging Funk aus Berlin zurück nach Greiling bei Bad Tölz. So richtig konnte das damals niemand glauben. Das Berliner Eishockey ohne den Lenz? Welche Spuren er hinterlassen hat, zeigen die Aktionen jetzt. Bei den Eisbären kreierten die Fans Anfang Dezember eine Weihnachtskarte als Genesungswunsch. Die größte Weihnachtskarte der Welt sollte es werden. Tausende Unterschriften wurden während eines Spiels gesammelt. Viele Leute aus Berlin haben sich bei ihm gemeldet, aber die Aktion der Eisbären-Fans berührte ihn am meisten. „Ich möchte mich wirklich bedanken für die Anteilnahme, sie haben Unterschriften gesammelt en masse, unglaublich“, sagt Funk, der 1991 zum SC Dynamo ging. Aus Dynamo wurden später die Eisbären.

Zehn Jahre blieb Funk, der zuvor bei den Preussen auch als Trainer gearbeitet hatte und später noch einmal zu den Capitals zurückkehrte, als Manager im Osten. Sie liebten diesen hemdsärmeligen, urigen Typen dort. Weil er es immer schaffte, den klammen Klub am Leben zu halten. Er brachte es sogar fertig, ihn aus dem Keller in die Spitze der Deutschen Eishockey Liga zu führen. Funk war ein Teil des Kults, der um den Klub entstand. Er schaffte es auch, eine Familienzusammenführung West im Osten zu inszenieren. Seine Söhne Lorenz junior und Florian spielten in der Saison 1998/99 gemeinsam mit seinem Neffen Andreas Brockmann beim EHC in einer Mannschaft.

Dem Enkel ging es auch sehr schlecht

Die Familie von Florian lebt gemeinsam mit Funk in Greiling in einem Haus. Funks Frau Marlene kümmert sich dort nicht nur um ihren Mann, sondern auch viel um Enkel Niklas (14). Dem ging lange ebenfalls sehr schlecht, vor fünf Jahren wurde ein Gehirntumor festgestellt. Unter den Folgen der strapaziösen Behandlung leidet er noch immer.

Seine eigene Krankheit relativiert sich, wenn er sieht, was der Enkel durchmachen musste. Und noch immer durchmacht. Aufmerksam auf die Krankheit hat Funk sein Rücken gemacht. Vor einem Jahr ging das los. Eigentlich hatte er fast nie etwas, und wenn, dann half meist ein Schnaps. Doch die Schmerzen im Rücken gingen nicht weg, Metastasen hatten sich in den Knochen breitgemacht. Später mochte er auch nichts mehr essen. Ausgerechnet er. Sonst bestimmte Fleisch seinen Speiseplan, viel davon, und viel Fett. Jetzt stehen Obst und Gemüse hoch im Kurs. Früher undenkbar für einen, der auch immer einen zünftigen Durst hatte. „Wenn ich denen nix beigebracht hab’, aber das Weißbiertrinken schon“, sagte er der Morgenpost einst über seine Jahre in Hohenschönhausen bei den Eisbären.

Keine Metastasen mehr

Irgendwann soll wieder ein schönes Stück Fleisch auf den Tisch. Mit der Chemo ist er erst einmal durch. „Jetzt kriege ich noch eine neue Behandlung und hoffe, dass es aufwärts geht“, erzählt Lenz Funk. Nach München muss er dafür, der Knochenbau soll da gestärkt werden. Die gute Nachricht, dass keine Metastasen mehr zu finden sind, war das Beste, was ihm zum Jahreswechsel passieren konnte. „Des pack’ i scho“, sagt Lorenz Funk.