Eishockey

Kleiner Japaner auf großer Mission

Shuhei Kuji möchte über Tore für die Eisbären in der Champions League das Eishockey in seinem Land voranbringen. EHC ins Zürich und Gap

Shuhei Kuji kämpft bei den Eisbären um einen Vertrag

Shuhei Kuji kämpft bei den Eisbären um einen Vertrag

Foto: nph / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin.  Einfach dürften die nächsten Tage für Uwe Krupp, 50, nicht werden. Am Dienstag kam sein inzwischen viertes Kind auf die Welt, das erste Mädchen, Isabelle heißt es. Da gleich ein paar Tage auf Tour zu müssen, ist ein bisschen ungünstig. Doch in der Champions Hockey League (CHL) stehen die letzten beiden Gruppenspiele für den EHC Eisbären an, beide auswärts und wichtig, denn die Berliner Eishockeyprofis wollen in die K.o.-Runde. Der Trainer wird also gebraucht.

In Zürich bei den Lions am Freitag (19.45 Uhr, Laola1.TV) und am Sonntag bei Rapaces Gap (18 Uhr, Sport1) müssen die Eisbären Platz zwei in der Gruppe behaupten. Die Chancen sind sehr gut. In den Partien schaut Krupp jedoch nicht nur auf die Leistung seiner Mannschaft, er wird auch darüber befinden, wie es mit der Karriere von Shuhei Kuji, 28, weitergeht.

Klein, schnell, wendig

Kuji ist Japaner – klein, schnell, wendig. In seiner Heimat zählt er zu den Besten. Nun will er wissen, ob das gut genug ist, um in Europa Fuß zu fassen. Einen „schweren Test“ hat Krupp dem Stürmer für dieses Wochenende vorausgesagt. Zwei Spiele bleiben ihm nach sechs Wochen bei den Eisbären, um den Eindruck abzurunden, den er bislang hinterlassen hat.

Gegen Gap erzielte Kuji am vorigen Sonntag sein erstes Tor; noch nie zuvor traf ein Japaner für den EHC, auch nicht in der CHL. Ein kleines bisschen Eishockey-Geschichte konnte er also bereits schreiben. „Ich fühle mich überragend“, erzählte er. Ein schöner Lohn für über einen Monat harter Arbeit auf Probe. Sein Ziel ist ein Vertrag in Berlin.

In Deutschland war Kuji schon gewesen, mit dem Nationalteam spielte er beim Deutschland Cup. Sein Bild vom Land entspricht eher einem Klischee. „Ich mag Wiener Würstchen“, sagt er. Von Berlin hat er nicht viel gesehen, als Profi gehört sein Leben dem Sport. Gerade jetzt, da er sich unbedingt durchbeißen möchte. „Er ist sehr fleißig im Training, ein angenehmer Zeitgenosse. Wir wollen ihm die Chance geben, sich zu zeigen“, sagt Krupp. Mit seiner Geschwindigkeit konnte der Japaner auf dem Eis überzeugen.

In Japan ein Torjäger

Er weiß, dass dies sein großer Vorzug ist. Ansonsten musste er feststellen, dass die Profis in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) auch noch andere Dinge im Repertoire benötigen. „Ich habe nicht die Kraft wie die großen Spieler. Deshalb muss ich meinen Platz besser nutzen“, sagt der mit 1,71 Meter recht kleine Spieler. In Japan, wo Eishockey keinen großen Stellenwert besitzt, erzielte er in 192 Ligaspielen 136 Tore. Mit der Nationalmannschaft bestritt er mehrere unterklassige WM-Turniere, wurde dort oft ausgezeichnet als einer der besten Spieler. Das ließ in Kuji die Idee reifen, es im Ausland zu wagen.

Ein großer Schritt, Englisch spricht er kaum. Doch da hilft Mark Mahon, sein deutsch-kanadischer Nationaltrainer. Der empfahl Kuji den Berlinern, die nahmen Mahon gleich aushilfsweise als Assistenztrainer mit auf. Er kann also aktiv dazu beitragen, den ersten Japaner als Profi im Ausland unterzubekommen. „Ich möchte das japanische Eishockey mit meiner Präsenz hier in Europa stärke“, sagt Kuji und hofft auf einen Vertrag zum DEL-Start nächste Woche. Da die Berliner ungern mehr Ausländerlizenzen ausgeben als Spieler einsatzberechtigt sind, muss sich Kuji am Wochenende richtig anstrengen, um die neunte und letzte Lizenz zu ergattern.