In neun Jahren passiert für gewöhnlich recht viel. Als Micki DuPont 2006 Berlin verließ, wusste er auch schon sehr genau, was sich in der Stadt verändern und ihn interessieren würde. Damals stand der Bau der Mercedes-Benz-Arena kurz bevor. Seit sieben Jahren spielt der EHC Eisbären nun schon dort, und jetzt ist auch DuPont wieder da. Auf die neue Arena, erzählt er, habe er sich gefreut, solche Dinge spielten bei seinen Überlegungen eine Rolle, als es um die Rückkehr ging. „Aber gesehen habe ich sie noch nicht“, sagt der Kanadier, der schon seit über einer Woche in der Stadt ist.
Neue Farbe in der Kabine
Für das Training braucht der EHC die große Arena nun mal nicht. Also begann das zweite Kapitel in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) für DuPont genauso, wie das erste endete. „Hier hat sich nichts verändert“, sagt der Verteidiger und schaut sich im Wellblechpalast um. Am Montag traf sich das Team in Hohenschönhausen zum ersten gemeinsamen Eistraining in der Vorbereitung auf die neue Saison. Einen neuen Anstrich in der Kabine gab es über den Sommer. Sonst ist wirklich nicht viel passiert. Nicht in den Maßstäben, mit denen DuPont misst. Aber auch nicht im Vergleich zur vergangenen Saison, das Gesicht des Teams wurde nicht radikal geliftet. Nach schon zwei Jahren ohne Viertelfinale bleiben die Berliner erstaunlich ruhig in ihrer Kaderplanung.
300 Fans sehen zu
Trotzdem kommen viele Fans. Gut 300 wollen das Team sehen. Jeder Spieler wird per Mikrofon vom Klubsprecher einzeln vorgestellt, als er auf das Eis geht. Jubel auf den Rängen. Als die Arbeit getan ist und der Rückzug in die Kabine ansteht, muss zunächst ein Spalier an Autogrammjägern passiert werden. Ein stimmungsvoller Auftakt.
Das Wiedersehen auf dem Eis mit Trainer Uwe Krupp fiel weniger beschaulich aus. „Das Tempo war hoch für das erste Training, das war anstrengend“, sagt Kapitän André Rankel. Sechs Zugänge muss Krupp integrieren, über einen weiteren Spieler würde er sich freuen, doch zu erwarten ist vorerst kein weiterer Transfer. Dafür trainiert der Japaner Shuhei Kuji zur Probe mit.
In der Abwehr kam Erfahrung hinzu
Immerhin in der Abwehr, das bleibt festzuhalten, setzten die Berliner ihre Vorhaben um. Viel wurde analysiert nach der Vorsaison, und schnell stellte sich heraus, dass die Eisbären die Defensive mit mehr Erfahrung ausstatten wollen. DuPont, 35, und Bruno Gervais, 30, erfüllen dieses Kriterium. Während DuPont die meiste Zeit in der Schweiz verbrachte nach seinem Wechsel aus Berlin, spielte Gervais viel in der NHL (423 Partien).
Im Tor wurden mit Kevin Nastiuk, 30, und Marvin Cüpper, 21, zwei Ersatzleute verpflichtet. Im Angriff kehrte mit Vladislav Filin, 20, ein Perspektivspieler zurück und mit Spencer Machacek kam ein vielseitiger Stürmer nach Berlin. „Auf dem Papier sehen alle super aus. Ich denke, dass sie gut passen“, erzählt Uwe Krupp.
Erste komplette Saison für Krupp
Für den Trainer beginnt jetzt gewissermaßen alles von vorn. Vergangene Saison kam er kurz vor Weihnachten nach Berlin, jetzt steht seine erste komplette Spielzeit bevor. „Das ist ein großer Unterschied, von Anfang an da zu sein. Man hat eine größere gemeinsame Basis mit der Mannschaft“, so der 50-Jährige. Fürs Erste zeigt er sich zufrieden.
Das gemeinsame Training war energiegeladen. Auch die bislang absolvierten Tests lieferten gute Resultate. „Wir wissen Schwarz auf Weiß, dass alle im Sommer gut gearbeitet haben“, so Krupp. Drei Wochen lang wird jetzt ausschließlich trainiert, jede Woche mit anderen Inhalten. „Das tut auch mal gut“, sagt der Coach, der zum Auftakt auf vier Spieler wegen Verletzungen oder privaten Terminen verzichten musste.
Nachwuchs soll mehr eingebunden werden
Trotz kompletten Neustarts mit Krupp verordnet der Trainer dem Team jetzt kein komplett neues Programm. Im Training ist aber zu sehen, dass mit Steffen Ziesche der Nachwuchschef mit auf dem Eis steht. „Die Organisation soll mehr zusammenwachsen“, begründet Krupp den Schritt. Rankel geht davon aus, dass nach und nach noch leichte Veränderungen im Übungsportfolio auftauchen werden im Vergleich zur Vorsaison.
Bei Micki DuPont wecken solche Kleinigkeiten kein Interesse, er weiß ja nicht, was Krupp im zurückliegenden Winter getan hat. DuPont will endlich die neue Arena von innen sehen. Vielleicht muss er sich noch gedulden, bis Ende August die Champions Hockey League beginnt.


