Eishockey-Länderspiel

„Vieles ist für die Eisbären-Spieler zu selbstverständlich“

Den letzten Test vor der WM absolviert das DEB-Team am Mittwoch in Berlin gegen Slowenien. Für Assistenztrainer Jeff Tomlinson kein gewöhnliches Spiel, im Dezember wurde er bei den Eisbären entlassen.

Foto: Reto Klar

Die Weltmeisterschaft steht bevor, ein Testspiel bestreitet die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) noch, bevor sie nach Prag weiterzieht und am Sonnabend zunächst gegen Frankreich antritt. Für den Assistenztrainer der Nationalmannschaft, Jeff Tomlinson, ist die Generalprobe am Mittwoch in Berlin gegen Slowenien kein gewöhnliches Spiel (19.30 Uhr, Wellblechpalast).

Berliner Morgenpost: Herr Tomlinson, in Berlin haben Sie die meiste Zeit Ihrer Karriere verbracht und sind im Dezember als Trainer der Eisbären entlassen worden. Mit welchen Gedanken kehren Sie jetzt zurück?

Jeff Tomlinson: Meine erste Reaktion, als ich das mitbekommen habe, war ein gutes Gefühl: ‚Eh, geil‘! Berlin ist für mich Zuhause, ich habe auch vielen Leuten noch nicht ‚Auf Wiedersehen!‘ sagen können, weil alles so schnell ging.

Wie haben Sie den Rest der Eisbären-Saison erlebt aus der Ferne?

Meist aus Nordamerika habe ich das natürlich verfolgt. Nach der guten Serie am Anfang gingen aber schnell die alten Probleme los.

Konnten Sie ahnen, dass es nicht viel besser werden würde?

Sagen wir es so: Die Probleme waren noch da, als ich gegangen bin. Ich war nicht überrascht darüber, wie die Saison geendet ist.

Warum?

Weil sich alle ein bisschen zu wohl fühlen. Klar sind sieben Meisterschaften in neun Jahren schön, aber mit dem ganzen Erfolg kommt auch die andere Seite der Medaille irgendwann durch. Man arbeitet nicht mehr ganz so hart, verliert den Killerinstinkt. Das größte Problem steckt in den Köpfen. Was ja auch menschlich ist. Wie soll man denn erklären, dass jemand nach so vielen Titeln noch härter arbeiten muss. So, als hätte man nie einen Titel gewonnen.

Lange hat das doch funktioniert.

Aber die Hackordnung im Team hat sich geändert. Die von früher mit Steve Walker und Denis Pederson an der Spitze gibt es nicht mehr. Jetzt braucht es eine neue, starke Führungsgruppe. Das muss verbessert werden. Untereinander muss mehr Zusammenhalt entstehen. Es wird auch nicht mehr gearbeitet wie früher. Die Spieler müssen ihre Denkweise ändern und vielleicht auch mal zwei Trainingseinheiten am Tag absolvieren. Da wird zu viel von dem gelebt, was früher funktioniert hat. Immer mit dem Gedanken: Das wird schon.

Als Sie gehen mussten, haben Sie viel Verständnis gezeigt. Am Ende kam nicht mehr heraus als vorher auch. An Ihnen lag es also nicht. Macht dieses Wissen Sie wenigstens jetzt sauer darüber, dass man Sie rausgeworfen hat?

Ich hatte gemischte Gefühle. Klar ist man enttäuscht, aber Peter John Lee und Stefan Ustorf mussten mich entlassen, weil ich in ein paar Dingen eine ganz andere Meinung hatte. Sie mussten es tun, um mehr über die Mannschaft zu lernen. Ich hoffe nur, dass sie auch daraus gelernt haben. Bestimmt habe ich nicht alles richtig gemacht, aber in einigen Punkten hatte ich wohl auch Recht.

Welche waren das?

Es ging um Spieler und Spielerverpflichtungen. Ich war der Meinung, wir brauchten frisches Blut. In der Hinsicht war es schon mal wichtig, dass mit Uwe Krupp jemand von außerhalb geholt worden ist. Ich hoffe, dass er sein Ding durchziehen kann. Er kennt sich aus und sieht die Probleme auch. Du kannst nur Erfolg haben, wenn die Spieler für den Verein da sind und nicht die ganze Zeit der Verein für die Spieler. Das ist das Wichtigste. Der Verein kümmert sich um viel, aber es muss auch genauso viel zurückkommen. Vieles ist für die Spieler inzwischen zu selbstverständlich. Es ist Aufgabe von Manager Lee und Sportdirektor Ustorf, das zu regeln. Trainer und Management sollten die Mannschaft zusammen bauen. Ich selbst konnte mich da nicht richtig einbringen, hoffentlich kann Uwe das.

Wie war es denn, die Berliner Spieler im Nationalteam wiederzutreffen?

Ich fand es gut, schließlich kenne ich viele schon lange und hatte immer guten Kontakt. Die Jungs sind unterschiedlich damit umgegangen. Einige wussten genau nicht, wie sie sich verhalten sollen.

Über die Zeit bei den Eisbären nach Ihnen hat keiner mit Ihnen geredet?

Nein. Das ist aber auch Schnee von gestern und spielt hier bei der Nationalmannschaft keine Rolle.

Wie ergab sich der Kontakt zum DEB?

Bundestrainer Pat Cortina hat mich angerufen, als ich in Florida am Strand war.

Und dort wollten Sie nicht bleiben?

Doch schon. Für mich ging es in erster Linie um meine Kinder. Wir hatten Pläne, die wir nicht ändern wollten und waren zu Beginn der WM-Vorbereitung noch auf einer Kreuzfahrt durch die Karibik. Deshalb dachte ich zuerst, dass es nicht klappen wird. Aber ich bin froh, dass es doch funktioniert hat.

Was machen Sie jetzt genau?

Hauptsächlich kümmere ich mich um die Verteidiger und unterstütze Pat und die Spieler überall, wo ich helfen kann.

Wie ordnen Sie die Situation für Pat Cortina ein? Womöglich ist es sein letztes Turnier, sein Vertrag läuft aus und es wird spekuliert, dass er nicht verlängert wird.

Er macht einen guten Job, ist mit Herz dabei. Ich arbeitete gern mit ihm, das macht Spaß. Um das, was außerhalb geredet wird, mache ich mir keinen Kopf.

Wie lief es denn zuletzt mit dem Team?

Wir waren in einer Phase, wo wir jeden Spieler einzeln beurteilen mussten, mental, physisch. Es ging darum einzuschätzen, ob sie Änderungen schnell umsetzen können. Bei der WM müssen wir manche Dinge auf der Bank während eines Spiels ändern können.

Mit welchen Aussichten fahren Sie zur WM?

Die Entwicklung, die wir bis jetzt gesehen haben, macht uns allen Hoffnung.

Könnte der DEB auch längerfristig eine Alternative für Sie sein?

Ich helfe immer gern, aber ich genieße es auch, jeden Tag mit Spielern zu arbeiten.

Bei Klubs ergaben sich keine Möglichkeiten?

Das hatte nicht gepasst, weil ich etwas Abstand brauchte nach der Entlassung. Kleine Gespräche gibt es derzeit immer mal wieder, aber nichts Konkretes.