DEL-Finale

Patrick Köppchen hat sein Glück im Süden gefunden

Der gebürtige Berliner durchlief den Nachwuchs der Eisbären, doch die ließen den Verteidiger zu früh links liegen. Nun will Patrick Köppchen den ERC Ingolstadt zur Titelverteidigung in der DEL führen.

Foto: Armin Weigel / dpa

Richtig Zuhause fühlt er sich in der alten Heimat schon lange nicht mehr. Mit 17 Jahren ging er fort, seitdem kommt Patrick Köppchen nur noch zu Besuch nach Berlin. Seine Herkunft lässt sich aber noch hören. Ab und zu rutschen ihm die Worte im Berliner Umgangston aus dem Mund. „Es gibt schlimmere Slangs“, sagt er. Seine Freundin, eine Bayerin, hat sich in 15 Jahren schließlich auch nie groß seinem Dialekt gestoßen.

Bayern ist für Köppchen inzwischen sein Zuhause. In Ingolstadt spielt der Verteidiger Eishockey, sehr erfolgreich. Im Sommer 2013 wechselte er zum ERC, wurde im ersten Jahr gleich Deutscher Meister. Jetzt stehen die Panther erneut im Finale, Mannheim ist der Gegner in der „Best-of-seven“Serie.

Die Vorzeichen sind ähnlich wie in der vergangenen Saison. Kaum einer hatte Ingolstadt anfangs auf der Rechnung. „Dass wir im zweiten Jahr in Folge im Finale stehen, ist eine große Sache für uns. Das hat so keiner erwartet. Es ist um so schöner, dass wir das bestätigen können“, sagt der 34-Jährige. Im Vorjahr wurde mit Mühe überhaupt das Play-off erreicht. Von Platz neun zum Titel, das hatte noch keiner geschafft. „Das war ein überwältigendes Gefühl“, sagt der Abwehrspieler. Auch, weil alles so eigenartig lief. In der Hauptrunde wurde mit Trainer Niklas Sundblad unglaublich hart gearbeitet, im Play-off das Training dann arg runtergefahren. Die Fitness war es am Ende, die zur Meisterschaft führte.

Andere Strategie unter Huras

Jetzt sieht Erfolgsformel anders aus. Die halbe Mannschaft wurde ausgetauscht, der Trainer auch, denn Sundblad pokerte zu hoch und landete letztlich in Köln. In Larry Huras holte der Klub jemanden, „der dafür bekannt war, dass er Mannschaften übernommen hat, die im Vorjahr Meisterschaften gewonnen haben“, so Köppchen. Der Plan ging schon wieder auf. Aber manchmal musste er einigen im Team den „Meisterschafts-Blues“ austreiben, da herrschte nicht immer eine Meinung zwischen Team und Trainer. Huras veränderte auch das System, von mehr Defensive hin zu mehr Offensive, Ingolstadt wurde zum torgefährlichsten Team der DEL. Dass der Titelverteidiger nun den Hauptrundenersten herausfordert, habe aber auch mit Glück zu tun, weil der ERC wenig Verletzungen zu beklagen hatte.

Das Thema passt zu niemandem so gut wie zu Köppchen. Seit November 2007 hat er kein DEL-Spiel ausgelassen, 480 Partien am Stück absolviert. Nicht mal wegen einer Sperre fehlte er. „Das hat auch mit meinem Spielstil zu tun. Ich bin nicht der, der die größten Checks austeilt“, sagt Köppchen. Die Verletzungsfreiheit hat mit seiner Einstellung zu tun, nach fast jedem Eistraining geht er in den Kraftraum und tobt sich dort aus. „Wenn ich das nicht machen würde, würde ich mich extrem schlecht fühlen. Allein vom Kopf her“, erzählt der Verteidiger. Er probiert dort alles, was ihn stabiler macht. Muskeln schützen in einem kontaktreichen Sport wie Eishockey. Wer fit ist, ist weniger anfällig. Diese Erkenntnis musste aber erst reifen.

Früher dachte Köppchen, allein mit seinem Talent seinen Weg zu machen: „Dann musste ich mich entscheiden, ob ich weiter durchschnittlich sein oder länger oben spielen will“. Die späteren Jahre wurden dann seine erfolgreicheren. In Hannover gewann er 2010 seinen ersten Meistertitel, vergangene Saison wurde er sogar wertvollster Spieler im Play-off. Köppchen verhält sich in vielerlei Hinsicht vorbildlich, in Ingolstadt füllt er auch die Aufgabe des Kapitäns aus. Komisch, dass so einer bei den Eisbären nie ein Thema war.

Über Erding nach München

Den Nachwuchs hat er dort komplett durchlaufen. In Pankow wurde er geboren, wohnte später direkt neben dem Sportforum. Nach der Zeit bei den Junioren schickten ihn die Berliner für ein Jahr nach Kanada in eine Juniorenliga. „Das war ganz toll. Als ich wiedergekommen bin, wurde ich für ein Jahr nach Braunlage in die zweite Liga ausgeliehen. Dann ist das alles im Sande verlaufen“, erzählt der Verteidiger. Über Erding und die dritte Liga landete er bei den München Barons in der DEL, die dann nach Hamburg umzogen. Von Hamburg ging es nach Hannover und wieder zurück. Die Eisbären hatten derweil genügend starke deutsche Abwehrspieler entwickelt. Kontakt nach Berlin gab es nur privat, zur Mutter, die hier wohnt. Zu alten EHC-Kollegen wie Sven Felski. Oder zum Tattoostudio.

Manchmal fuhr Patrick Köppchen sogar extra nur nach Berlin, um sich stechen zu lassen. Ein bisschen sieht er aus wie ein wandelndes Kunstwerk. Angefangen hat er mit dem Arm im Prenzlauer Berg, dann zog das Studio um in die Nähe des Sportforums. Das hat alles noch emotionaler gemacht, denn die Tattoos sind für ihn „eine Hommage an Berlin“, unter anderem Brandenburger Tor und die Mauer finden sich auf seiner Haut wieder. „Viele Punkte, die mir wichtig in meinem Leben sind.“ Inzwischen ist auf dem Rücken kein Platz mehr. Mehr soll es auch gar nicht werden. „Sonst kriege ich Ärger mit meiner Freundin. Sie hatte sich das viel kleiner vorgestellt“, erzählt Köppchen. Er ist jedenfalls begeistert vom Ergebnis, sie hat sich damit abgefunden.

Die Zukunft liegt in Bayern

Genau wie er damit, dass Bundestrainer Pat Cortina trotz der starken Leistungen auf ihn verzichtete. Köppchen beschäftigt sich nicht mehr mit dem Thema, es bleibt bei 48 Länderspielen. Große Worte macht er nicht darum, das ist generell nicht seine Art, auch nicht auf dem Eis. Mit dem ERC Ingolstadt gibt es ohnehin genug, auf das er sich freuen kann. Finale, schon wieder. Und wieder Außenseiter. „Mannheim ist die überragende Mannschaft gewesen. Aber wir müssen uns nicht vor denen verstecken“, sagt Köppchen. Sie haben sich in der Saison immer weiter entwickelt, sind immer besser geworden.

Bis 2018 kann das ruhig so weitergehen, bis dahin hat Patrick Köppchen seinen Vertrag im Dezember verlängert. Auch danach wird er wohl nicht nach Berlin zurückkehren, die bayerische Heimat der Freundin soll die Zukunftsregion werden. Ingolstadt war der erste Schritt. „Dass das hier so gut läuft, hätte ich mir in meinen Träumen auch nicht erhofft.“