Eishockey

Die Eisbären müssen im Pre-Play-off zuerst nach Nürnberg

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Marcel Stein

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Wenigstens mit dem Heimvorteil ins Pre-Play-off gehen, das war das kleine, verbliebene Ziel der Eisbären. Doch daraus wurde nichts nach einer 2:3-Heimniederlage gegen die Iserlohn Roosters.

Sie wollten noch einmal in der O2 World spielen, mindestens einmal. Dazu wären aber drei Punkte notwendig gewesen. Also nahm Trainer Uwe Krupp zweieinhalb Minuten vor dem Ende bei eigener Überzahl Torhüter Petri Vehanen vom Eis. Doch statt des erhofften Treffers zum 3:2 für den EHC Eisbären nutzte Chad Bassen einen Fehler der Berliner und brachte den eroberten Puck im leeren EHC-Tor unter: 3:2 (1:1, 1:0, 1:1) für die Iserlohn Roosters endete damit die 52. und letzte Hauptrundenpartie der Eisbären in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Das Verwirrspiel der vergangenen Tage nahm damit nicht das gewünschte Ende. Aber was läuft in dieser Saison schon nach Plan beim Rekordmeister?

Zurück im Wellblechpalast

Immerhin, die Saison ist nicht vorbei. Im Pre-Play-off stehen die Eisbären. Als Neunter der Tabelle aber nicht mit dem ersten Heimrecht, um das sie so verbissen gekämpft hatten und das ihnen am Dienstag ein Spiel in der großen Arena ermöglicht hätte. „Wir wollten das unbedingt“, sagte Kapitän André Rankel. Sie müssen nun Mittwoch bei den Nürnberg Ice Tigers antreten, die Achter geworden sind. Freitag wird die „Best of three“-Serie im Wellblechpalast fortgesetzt, weil die O2 World belegt ist. Sonntag würde ein eventuelles drittes Spiel in Nürnberg über den Einzug in das Viertelfinale entscheiden. Dort gäbe es keine Probleme mehr mit der Hallenbelegung, die Mannschaft könnte wieder in der O2 World antreten. Doch der Weg dorthin wird schwer.

„Ich denke, die Spieler freuen sich auf das Pre-Play-off“, sagte Krupp, „die Art und Weise, wie sich die Mannschaft in den letzten beiden Spielen gezeigt hat, stimmt mich zuversichtlich, dass wir uns dort gut schlagen werden.“ Mit 5:2 schlugen die Eisbären am Freitag die Düsseldorfer EG, gegen Iserlohn präsentierten sie sich ebenfalls gut. „Es gibt nicht viel, womit man nicht zufrieden sein kann“, sagte Krupp zur Niederlage. Energie und Spielanteile stimmten. „Wir hatten Glück. Berlin war besser“, befand auch Roosters-Trainer Jari Pasanen. Er kann mit seiner Mannschaft erst einmal Pause machen, die Roosters qualifizierten sich durch den Erfolg als Sechster direkt für das Viertelfinale. „Für das Sauerland ist das eine große Sache“, sagte Pasanen noch.

Zum zweiten Mal in Folge muss der EHC einen Umweg gehen

Für die Berliner sollte das Viertelfinale eigentlich Normalität sein. Zum zweiten Mal in Folge müssen sie aber nun ins Pre-Play-off. „Wir haben weit unter unserem Potenzial gespielt“, sagte Kapitän André Rankel zur zurückliegenden Hauptrunde. Wie jetzt die Chancen stünden, wurde er gefragt. „Das ist schwer zu sagen“, entgegnete der Stürmer. Vergangene Saison scheiterte der EHC im Pre-Play-off.

Mit etwas Glück hätten die Berliner wenigstens daheim beginnen können. Die allgemeine Konstellation hielt viele Möglichkeiten bereit. Sogar Iserlohn und auch der Fünfte Düsseldorf hätten noch in die Hoffnungsrunde abrutschen können. Genauso wäre Platz zehn für die Eisbären drin gewesen. Fast alles hätte sich auf die Hallensituation ausgewirkt, um die es viel Wirbel gab in den vergangenen Tagen. Auch die Fans nahmen das Thema am Sonntag noch einmal auf. „Wellishow und Kartenpreise – ihr fahrt auf den falschen Gleisen“ hieß es auf einem Plakat. Für die kleine Halle in Hohenschönhausen, die nur Platz für 4965 Besucher bietet, wird es keine freien Ticketverkauf geben, weil die schon allein mit Dauerkarteninhabern voll ist. Für die Eisbären ergibt das ein riesiges Verlustgeschäft. Gegen Iserlohn und zuvor Düsseldorf waren jeweils 14.200 Zuschauer in der O2 World gewesen.

Viel Leidenschaft, die aber nicht belohnt wurde

Was gegen die DEG noch funktionierte, lief gegen die Roosters am Sonntag nicht mehr ganz so rund. „Wir wollten mehr, haben am Schluss aber nicht genug geschossen“, so Kapitän Rankel, dessen Mannschaft sich gegen Iserlohn trotz einiger kleiner Aussetzer im Verlauf der Partie immer druckvoller zeigte. Dennoch sah man dem Spiel häufig an, dass es um einiges ging. Es wurde viel Eishockey gearbeitet, das aber mit großer Leidenschaft – gerade so, als hätte das Play-off bereits begonnen.

Anfangs waren die Gäste dabei gedankenschneller. Brodie Dupont konnte freistehend eine Kombination der Roosters zur Führung vollenden (5.). Doch Defizite in der Abwehr ließen sich auch bei den Iserlohnern erkennen. Spätestens, als Julian Talbot in Unterzahl nach einem Schuss von Jim Sharrow zum Ausgleich abstaubte (8.).

Gute Bilanz gegen die Ice Tigers macht Berlinern Hoffnung

Vorteile ergaben sich anschließend kaum für einen der beiden Kontrahenten. Iserlohn agierte pfiffiger am Puck, die Eisbären kompensierten dies mit Einsatz. Eine Unaufmerksamkeit sorgte jedoch für den erneuten Rückstand durch Kevin Lavallee (34.). Im Powerplay drückte Casey Borer die Scheibe aber zum 2:2 über die Linie (45.) und nährte die Hoffnungen auf einen Sieg, die Bassen elf Sekunden vor dem Ende zunichte machte.

Am Montag beginnt nun die Vorbereitung auf den nächsten Gegner. In der Hauptrunde gewannen die Eisbären drei der vier Partien gegen die Nürnberg Ice Tigers. Dennoch sagte Rankel aufgrund der Ausgangsposition: „Wir sind nicht der Favorit.“