EHC Eisbären

Dauerkartenbesitzer können ein Eisbären-Spiel füllen

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Marcel Stein

Foto: Uwe Anspach / dpa

Den Eisbären droht im Pre-Play-off ein Umzug in den alten Wellblechpalast. In den letzten beiden Hauptrunden-Heimspielen kann das mit dem Sprung auf Platz sieben oder acht vielleicht verhindert werden.

Es braucht nur den richtigen Blickwinkel. Klar, die Situation könnte besser sein, in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) steht der EHC Eisbären zwei Spieltage vor dem Ende der Hauptrunde nicht gut da. Aber: „Was gibt es Schöneres, als sich mit zwei Heimspielen in eine bessere Position zu bringen“, sagt Kapitän André Rankel. Die Partien gegen die Düsseldorfer EG am Freitag (19.30 Uhr) und gegen die Iserlohn Roosters am Sonntag (14.30Uhr ) sind so gut wie ausverkauft. Jeweils 14.200 Zuschauer werden in der O2 World mit der Mannschaft alles geben, um nächste Woche vielleicht doch noch mit Heimrecht in das Pre-Play-off starten zu können.

Falls das nicht klappt mit dem Heimrecht, geht die Saison zwar weiter, aber in der O2 World könnte womöglich kein Spiel mehr stattfinden. „Es ist blöd, wie es gelaufen ist“, sagt EHC-Manager Peter John Lee. In der Riesenarena spielen ja nicht nur die Eishockeyprofis. Konzerte, Shows und Basketball finden auch noch statt. Und ausgerechnet in der nächsten Woche ist ziemlich viel ausgebucht. Mittwoch, Freitag und Sonntag sind die von der DEL vorgesehenen Spieltermine. Aber von Mittwoch bis Sonntag ist die Halle belegt. Erst spielt Alba Berlin, dann werden Dutzende LKW-Ladungen Sand für die Motorradshow Night of the Jumps verstreut. Für Eishockey ist kein Platz da.

Vom Viertelfinale bis zum Finale wurde die Arena für mögliche DEL-Termine blockiert, für das Pre-Play-off aber nicht. Schlechte Planung? Waren sich die Verantwortlichen sicher, nach der vergangenen Saison nicht noch einmal in die Ehrenrunde zu müssen? „Die Arena bucht Veranstaltungen wie Night of the Jumps Jahre im Voraus. Bei festen Spieltagsvorgaben wie in der DEL ist es da schwer mit der Flexibilität“, sagt Lee. Und nun? Sollten die Berliner es tatsächlich schaffen, als Siebter oder Achter zuerst daheim spielen zu können, würden sie auf den Dienstag nächster Woche ausweichen, Freitag wäre das Auswärtsspiel, Sonntag würde man für ein eventuelles drittes Spiel in den Wellblechpalast zurück nach Hohenschönhausen umziehen. Sollte man zuerst auswärts starten, wäre das einzige Heimspiel nächste Woche Freitag im Wellblechpalast.

Großer finanzieller Verlust

Zurück zu den Wurzeln also, es sieht ein bisschen danach aus. Im April 2008 absolvierten die Berliner ihr letztes DEL-Spiel in Hohenschönhausen, danach erfolgte der Umzug in die neue Arena. „Damals sind wir mit 1000 Dauerkarten ausgezogen, jetzt würden wir mit Dauerkarten ausverkauft sein“, sagt Lee. Das ist so ein Problem. Insgesamt haben die Eisbären 4824 Saisontickets abgesetzt, nur 4695 Besucher fasst der alte Wellblechpalast. Aber alle sollen irgendwie rein. Und weil dann alles voll ist, wir es „im freien Verkauf keine Tickets geben“, so Lee. Damit würde das Spiel auch einen finanziellen Schaden anrichten, zumal Sponsoren im Wellblechpalast nicht entsprechend präsentiert werden könnten. Man wolle Kompensationen anbieten. Alles in allem könnte ein Minus im unteren sechstelligen Bereich entstehen. Außerdem müsste die alte Heimspielstätte in einigen kleinen Punkten noch auf DEL-Stand gebracht werden, etwa für den Videobeweis.

Um im Pre-Play-off wenigstens ein Spiel vor gewohnt großer Kulisse absolvieren zu können, sind Siege in den letzten beiden Hauptrundenspielen also umso wichtiger. Drei Punkte trennen die Eisbären als Neunten von Wolfsburg auf Platz sieben, zwei von Nürnberg auf Rang acht. Hinter den Berlinern lauert Krefeld aber auch nur mit zwei Zählern Rückstand. „Es ist unsere Schuld, dass wir das blöde Pre-Play-off spielen müssen“, sagt Trainer Uwe Krupp und will damit Versäumnisse bei der Mannschaft, nicht beim Management festmachen. Für die Fans könnte ein Ausflug in die alte Heimat Hohenschönhausen vielleicht sogar ganz lustig sein. Wieder nah dran am Eis, Eishockey pur. Für das Image der sportlich ohnehin leidenden Berliner käme der Umzug weniger gut.