Ungewöhnlich

Warum Eisbär Ustorf Weihnachten immer zweimal feiert

Eishockeyspieler haben rund ums Fest viele Spiele und wenig Zeit zur Besinnung, aber Stefan Ustorf feiert mit seinen Kindern trotzdem immer zweimal Bescherung. Begonnen hat es in Amerika.

Foto: Oliver Mehlis / picture alliance / dpa

So einfach könnte es immer sein. Nicht mal Gedanken musste er sich machen, was denn gute Präsente sein mögen. Stefan Ustorf brauchte nur noch zugreifen. Gleich ein paar Tausend Wackelkopffiguren ließ der EHC Eisbären von ihm produzieren und verteilte sie kurz vor Weihnachten an die Fans. Gut ein Dutzend davon erhielt der Sportliche Leiter. „Damit habe ich schon ein paar Geschenke“, sagt der 40-Jährige, „das funktioniert sehr gut.“

Vor allem in Nordamerika, dort sind diese Dinger sehr populär. Und Ustorf ist ja quasi halber Nordamerikaner. Dort entdeckte er Weihnachten für sich neu, mal abgesehen davon, dass er zu dieser Zeit des Jahres über 20 Jahre mehr Arbeitsstress als Festtagsruhe hatte, fast immer Eishockey spielte.

Das hat erst mal Spannungsfelder reduziert, später führte es zu einer interkulturellen Verschmelzung auf familiärer Basis. Deutsche Weihnachten, amerikanische Weihnachten. Kartoffelsalat und Würstchen traten gegen Truthahn und Kartoffelbrei an, abendliche Bescherung gegen morgendliche Freude.

Bevor es soweit war, floh Ustorf regelrecht vor dem Fest. „Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich zwölf war“, sagt er. Damit begann ein großes Hin und Her. „Deshalb hat mich Weihnachten sehr gestört. Familienfeste in dem Sinne waren mir zuwider. Das hat mich immer daran erinnert, dass meine Familie nicht mehr funktioniert, wie man sich das vorstellt.“ Sein Sport gab ihm mit 16 eine Alternative. Ab da gehörte der Kaufbeurer zum Kader der deutschen Juniorenauswahl. Und die reiste über Weihnachten und Silvester zur WM. „Das kam mir sehr gelegen“, so der frühere Stürmer.

Mit 20 lernte er seine Frau in Portland kennen

In den USA änderte sich alles. Mit 20 Jahren wechselte er im Sommer 1994 nach Portland, lernte sofort seine Frau Jodi kennen. Weihnachten feierten sie schon zusammen. Da er in Deutschland Abstand vom Fest gesucht hatte, machte ihm die neue Variante nicht viel aus. „Es war halt anders.“ Dort kommt Santa Claus in der Nacht zum 25. Dezember durch den Schornstein und legt Geschenke unter den Baum. Morgens werden sie gefunden, mittags gibt es ein großes Essen. Schon damals, noch bevor die beiden Kinder Jake, 17, und Kylie, 12, da waren, begann die Zusammenführung der Kulturen. Gegenseitige Besuche der Familien zwangen sozusagen dazu. Jede Seite sollte ihr gewohntes Fest bekommen, die deutsche das am 24. abends, die amerikanische einen Tag später. „Da gab es dann zweimal das großes Essen“, sagt Ustorf, dessen Lebensmittelpunkt außerhalb des Eishockeys in den USA liegt.

Richtig interessant wurde es mit Sohn Jake. „Der hat schnell gemerkt, dass er das für sich ausnutzen kann.“ Doppelt Geschenke abfassen. Was gibt es Schöneres? Da lohnt es sich ordentlich, dass die Familie interkontinental aufgestellt ist. „Dieses Zusammenspiel finden die Kinder perfekt, für sie gibt es kein besserer oder schlechter zwischen beiden Weihnachtsvarianten“, so Ustorf. Dass der Vater zum Fest dienstlich viel zu tun hat, macht auch nichts. Für die Familie war es ja immer so. Wobei die Zeit, als er in den USA spielte, schon entspannter verlief. Dort hatte man eine größere Pause als hier. Später, als er wieder in Deutschland sein Geld verdiente, war Weihnachten meist ein Familienausflug in die Eishalle angesetzt: Zuschauen, wie Papa spielt.

Der verbringt durch seinen Job nun viel Zeit allein in Berlin. Jetzt zum Fest kommen Frau und Kinder aus den USA rüber. „Seit wir die Kinder haben“, erzählt Ustorf, „ist Weihnachten für mich wieder das, was es sein soll.“ Die deutsche Variante des Festes, das gibt er zu, die bevorzugt er nach all den Jahren des zweigleisigen Feierns aber schon noch.