Eishockey

Eisbären drehen Spiel und siegen 4:3 gegen Freezers

Für die Eisbären Berlin läuft es rund. Ihre Siegesserie hält an. Dabei sah es zunächst nicht so aus, als könnten die Berliner gegen die Hamburg Freezers etwas ausrichten. Doch dann kam die Wende.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Manchmal lässt sich ganz gut erkennen, dass der EHC Eisbären ein amerikanisch geprägtes Unternehmen ist. Auf dem kleinen Zettel mit näheren Informationen für das anstehende Spiel gegen die Hamburg Freezers stand hinter dem Namen von Sven Ziegler in Klammern, dass er für diese Partie ein „healthy scratch“ sei. Das bedeutet, dass Ziegler gesund ist, aber überzählig und damit nicht dabei. Weniger bemerkenswert daran ist die englische Bezeichnung, sondern dass Jeff Tomlinson so etwas mal erleben durfte.

Seit eineinhalb Jahren verantwortet der 44-Jährige die sportlichen Geschicke der Berliner in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), und in dieser Zeit gab es ständig viele Verletzte. Nun aber war es so weit, alle Stürmer meldeten sich fit, da Mark Bell nach einer Bronchitis zurückkehrte. Was Tomlinson zum ersten Mal in die Lage versetzte, mehr Profis zu haben als Platz in den vier Angriffsreihen. „Das wünscht man sich als Trainer“, sagte Tomlinson. Es traf Ziegler, der musste zuschauen. Glück brachte die neue Qual der Wahl den Berlinern obendrein. Vor 12.560 Zuschauern in der O2 World setzte sich der EHC im Penaltyschießen mit 4:3 (0:1, 1:2, 2:1) durch und schob sich in der Tabelle auf Rang acht vor.

Die Partie gegen die Freezers war keine ganz unbedeutende für die Berliner. Man kennt das inzwischen gut aus der Wirtschaft. Banken und Versicherungen werden neuerdings Stresstests unterzogen. Sie sollen zeigen, wie leistungsfähig die Institute tatsächlich sind, wenn die Rahmenbedingungen schwierig werden. Zuletzt hatten die Eisbären auswärts zweimal gewonnen, aber dabei nicht durchgängig gut gespielt. Ein Aufschwung konnte dennoch konstatiert werden. Aber ein nachhaltiger? Das sollte die Partie gegen Hamburg erweisen, als bisheriger Tabellenvierter ein anderes Kaliber als zuvor Schwenningen (4:2) und Nürnberg (3:1). Das Spiel sollte also der Stresstest der Eisbären werden.

Sie haben ihn bestanden, mit einer zwei. Das freute die Spieler natürlich. „Es fühlt sich an wie Weihnachten, dreimal in Folge zu gewinnen“, sagte Stürmer Florian Busch. Kurz vor dem Fest kein schlechter Vergleich, auch einer, der zeigt, dass selbst so eine kleine Serie nicht alltäglich ist beim EHC. Lediglich zu Saisonbeginn gelangen den Berlinern drei Erfolge nacheinander.

Abzüge bei der Bestnote handelte sich die Mannschaft ein, weil sie sich offenbar mit dem Muster der vorangegangenen Siege arrangiert hatte. Obwohl der Trainer sein ausdrückliches Missfallen daran bekundet hatte. Denn nach jeweils schwachen Anfangsphasen und Rückständen wurden die Spiele mit guten Schlussphasen gedreht. Auch gegen die Freezers sah der Beginn wieder mau aus, leichte Fehler unterliefen den Eisbären, die ersten beiden Überzahlspiele waren enttäuschend.

Die Gäste aus Hamburg hingegen verwerteten ihr erstes Powerplay durch Kevin Clark gleich zur Führung (7.). „Ideal ist das nicht, aber vielleicht brauchen wir das“, so Busch. Es hätte leicht schief gehen können, nach dem Ausgleich von Petr Pohl (25.) trafen die Freezers durch Jerome Flaake (27.) und Philippe Dupuis (29.). Mit einem 1:3-Rückstand kamen die Berliner zum letzten Drittel auf das Eis. „Es hätte auch schlimmer kommen können“, erzählte Angreifer Darin Olver. Von den Rängen hatte es davor bereits Pfiffe gegeben. „Spielt mal wieder Eishockey!“ und „Aufwachen!“ riefen die Fans den Berlinern hinterher, als sie zur zweiten Pause in die Kabine gingen.

Das Selbstvertrauen steigt

Der Trainer hingegen kam diesmal gut klar mit dem Rückstand. „Der Start war besser als zuletzt, denn wir haben gegen einen viel stärkeren Gegner gespielt, der sehr aggressiv war und eng am Mann“, sagte Tomlinson. Seine Mannschaft hatte derweil genügend Selbstvertrauen aufgebaut mit den vorherigen Erfolgen, um nicht zu verzweifeln. „In der Kabine haben wir uns gesagt, dass wir die letzten zwei gedreht haben und das jetzt auch wieder schaffen“, so Busch. Mit dieser offensichtlichen Überzeugung startete der EHC in den letzten Abschnitt – mit mehr Schwung, mit mehr Zug, mit viel Kampf. Und Busch erzielte den schnellen Anschlusstreffer (42.).

Mit einem rasanten Endspurt zogen die Berliner die Fans, die zuvor noch nach „Kaffee und Kuchen“ verlangten, wieder auf ihre Seite. Da Hamburg dagegenhielt, entwickelte sich ein lebhaftes Spiel mit reichlich Körpereinsatz. „Es ist doch ein wunderbares Zeichen, dass wir nach zwei schwachen Dritteln noch so ein letztes Drittel abziehen können“, erzählte Stürmer Busch. Der Trainer, der zuvor bei den Siegen öffentliches Lob weitgehend vermieden hatte, war nun milde gestimmt. „Die Jungs haben nie aufgegeben und Charakter gezeigt“, so Tomlinson. Einen Grund dafür, dass das möglich war, sah er in seinen neuen Auswahlmöglichkeiten. „Wir haben jetzt die Energie und die Power dafür. Wir haben jetzt vier Reihen, das macht was aus, das zahlt sich aus“, sagte der Trainer.

Dank ihrer Kraftreserven konnten die Eisbären kurz vor Schluss durch Olver ausgleichen (58.). Mit einem in der Verlängerung von Clark verschossenen Penalty deutete sich an, dass die Berliner gute Karten haben würden im großen Finale. Matt Foy und André Rankel trafen auch, während die Hamburger an Petri Vehanen scheiterten.

Mit dem bestandenen Stresstest können die Eisbären, die wohl wegen der Pfiffe auf eine Ehrenrunde verzichteten, nun das nächste Ziel angehen. Vier Siege in Folge hat es in der Amtszeit von Jeff Tomlinson noch nicht gegeben in der Hauptrunde.