EHC-Krise

„Es scheint, als wären wir mental nicht stark genug“

Eisbären-Trainer Jeff Tomlinson über die mangelnde Bereitschaft einiger Spieler und die Folgen der vielen Verletzungen. Die Lösung der Probleme könnte eigentlich ganz einfach sein, glaubt er.

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Bei der Problembewältigung geht die Führungsetage des EHC Eisbären getrennte Wege. Und zwar buchstäblich. Trainer Jeff Tomlinson ist ab Mittwoch in München und trainiert eine kanadische Auswahl beim Deutschland Cup. Stefan Ustorf, der Sportliche Leiter, lässt sich in den USA im Gesicht operieren. Und Manager Peter John Lee trifft sich von Dienstag bis Sonntag in Los Angeles mit den Leuten von den Kings, um mit dem ebenfalls zur Anschutz-Gruppe gehörenden Bruderklub aus der NHL über eine bessere Kooperation zu sprechen. Die Krise des Rekordmeisters der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) rückt also zunächst in den Hintergrund. Die Morgenpost sprach nach dem 2:3 gegen München und der sechsten Niederlage in acht Spielen mit Tomlinson.

Berliner Morgenpost: Herr Tomlinson, die Zahlen haben sich kaum verändert. Zur Deutschland-Cup-Pause steht der Klub wie in der enttäuschenden Vorsaison mit 21 Punkten da und ist mit Platz elf sogar einen Rang schlechter. Sie sind keinen Schritt weitergekommen. Warum nicht?

Jeff Tomlinson: Ich schätze die Situation ganz anders ein als vor einem Jahr. Wir haben zwar inzwischen mehr Tiefe im Kader, aber wir mussten dennoch bislang die ganze Zeit mit vielen Verletzungen leben. Vergangene Saison kamen die Verletzungen später, da haben wir vorher mit dem gesamten Kader schlecht gespielt. Obwohl es gleich aussieht, ist es für mich diesmal ein besserer Start.

Im Sommer wurde viel analysiert, um eine Wiederholung der Situation zu vermeiden. Jetzt ist sie dennoch erneut eingetreten. Überrascht Sie das?

Zufrieden sind wir nicht. Aber viele Verletzungen sind durch Fouls passiert. Das kann man nicht vermeiden. Wir haben da viel Pech, genug für eine ganze Saison.

Es wird oft betont, dass die Ausfälle von jetzt sieben Spielern keine Entschuldigung sein sollen. Welche Gründe gibt es dann für die Niederlagen?

Die Verletzungen bereiten viele andere Sachen vor. Wenn man einen kleineren Kader hat, geht das nun mal irgendwann auf die Knochen. Wir können nicht alle fehlenden Spieler eins zu eins ersetzen. Damit fehlt dir als Trainer ein Druckmittel, du kannst keine Konkurrenz innerhalb der Mannschaft aufbauen.

Sind viele Verletzte da, müssen die anderen mehr Arbeit leisten und noch mehr als Team für einander einstehen. Haben Sie das Gefühl, dass das in Ihrer Mannschaft passiert?

Viele von uns sind bereit dazu, mehr zu arbeiten. Aber wenn zwei oder drei Spieler nicht bei der Sache sind, erzeugt das Probleme. Dann fallen Tore wie gegen München das 0:1, als Darin Olver seinen Gegenspieler unbedrängt durch die Mitte fahren ließ. Das zeigt, dass alle bereit sein müssen. Aber das sind nicht alle.

Wie kann das sein?

Bei manchen habe ich das Gefühl, dass sie eingeschüchtert sind, weil sie mehr Verantwortung tragen müssen. In der Hinsicht lernt man seine Spieler in solchen Zeiten ganz gut kennen.

Es fehlen auch spielerische Akzente. Fragen Sie sich da nach eigenen Fehlern?

Natürlich, jeden Tag. Eishockey ist eine schöne Sportart, wenn man passen und den Pass annehmen kann. Aber selbst das funktioniert nicht. Da fragt man sich, ob wir genug Talent im Team haben. Im Training geht alles, da laufen die Spielzüge. Es scheint, als wären wir mental nicht stark genug, das mit ins Spiel zu nehmen.

Sie fahren jetzt zum Deutschland Cup als Trainer von Team Canada. Was bedeutet das für Sie?

Darauf bin stolz. Aber es wird mir auch gut tun, mit anderen Leuten zu sprechen und zu arbeiten. Hoffentlich werde ich ein bisschen was dazulernen und mit nach Berlin bringen können.

Die Rückkehr von ein paar Verletzten könnte auch helfen nach der Pause.

Sind alle gesund, gibt es einen Kampf um die Eiszeit. Darauf freue ich mich, das gab es in meiner Zeit hier noch nie.